Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reizende Klebstoffe entschärfen

30.08.2001


© Fraunhofer IFAM Mit der Emissionskammer kann gemessen werden, wieviel Isocyanat ein Klebstoff mit der Zeit und je nach Temperatur an die Umgebungsluft abgibt. Im Filter bildet sich eine neue Verbindung, die quantitativ nachgewiesen wird.



Wenn Teile verklebt werden, gelangen Lösemittel und andere toxische Stoffe in die Umgebungsluft. Bei Personen, die beruflich mit Klebstoffen umgehen, können Schleimhautreizungen oder Asthma auftreten. Mit einem Mess- und Prüfverfahren werden Gefahrenquellen erkannt.

Durch die bisher größte Chemiekatastrophe erlangte der indische Ort Bhopal 1984 ebenso traurige Berühmtheit wie der freigesetzte und sehr giftige Stoff Methylisocyanat. So reaktiv die Gruppe der Isocyanate auch ist, verzichten kann die chemische Industrie gerade deshalb darauf nicht. Denn als Bestandteil schnell abbindender Polyurethanschäume und Reaktivklebstoffe hat sich für die weniger giftigen und deutlich schwerflüchtigeren Geschwister des Methylisocyanats ein breites Feld von Anwendungen aufgetan. Dennoch sind Personen, die in Betrieben wie Kfz-Werkstätten und insbesondere in geschlossenen Räumen mit diesen Stoffen arbeiten, gesundheitlich gefährdet. Gesetzliche Schutzbestimmungen wie die Maximale Arbeitsplatzkonzentration MAK existieren zwar; doch ob die Werte von den verschiedenen Produkten unter den jeweiligen Bedingungen eingehalten werden, ist kaum systematisch untersucht worden. Ist die Vernetzung der Komponenten untereinander abgeschlossen, ist der Klebstoff auch nicht mehr giftig.

Der Aufgabe, wie schnell und wie viel Isocyanat die verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Polyurethan-Klebstoffe freisetzen, haben sich Forscher vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM angenommen. Ihre eigens gebaute Labor-Emissionskammer, ihr Knowhow und Empfehlungen für Hersteller von Klebstoffen präsentieren die Wissenschaftler vom 12. bis 18. September auf der Messe Schweißen & Schneiden in Essen. Die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchungen fasst Dr. Ronald Lüschen vom Klebtechnischen Zentrum des IFAM zusammen: »Die Palette der in PUR-Klebstoffen verwendeten Isocyanate ist breit. Vom jeweiligen Siedepunkt oder Dampfdruck sowie Verarbeitungstemperatur und Auftragsverfahren hängt es ab, welche Mengen der Stoffe an die Umgebungsluft abgegeben werden. Ganz erhebliche Mengen sind es, wenn der Klebstoff versprüht oder heiß aufgetragen wird - dies wird oft unterschätzt. Exponierte Personen sollten daher unbedingt darauf achten, die im Produktblatt angegebenen Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.«

Mit ihrem Prüfverfahren tragen die Forscher vom IFAM nicht nur dazu bei, dass sich Hersteller möglichst früh in der Produktentwicklung um die Emission von Isocyanaten kümmern und sie senken. Ebenso lassen sich Abluftanlagen optimieren. Erkenntnisse solcher Projekte münden schließlich in Schulungsunterlagen für Klebfachkräfte und Klebpraktiker, die das IFAM aus- und weiterbildet.

Beate Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifam.fhg.de/

Weitere Berichte zu: Isocyanat Klebstoff Methylisocyanat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Neue Beschichtung bei Industrieanlagen soll Emissionen senken
12.12.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten
07.12.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik