Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektrisch leitfähige Polymere - Polymere der 4. Generation

22.06.2001


Als "Erfinder elektrisch leitfähiger Polymere gilt der amerikanische Physiker Professor Alan Heeger, der für seine Verdienste im Oktober 2000 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. In einem Vortrag im Bayer-Kommunikationszentrum gab er vor rund 180 Forschern, Kunden und interessiertem Fachpublikum einen Einblick in seine Erkenntnisse
Foto: Bayer AG


Der Physiker und Nobelpreisträger Prof. Dr. Alan Heeger von der University of California, Santa Barbara, war kürzlich zu Gast bei der Bayer AG. Im BayKomm, dem Leverkusener Kommunikationszentrum des Unternehmens, hielt er einen Vortrag über "Semiconducting and Metallic Polymers: The fourth Generation of Polymeric Materials". Für die bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet elektrisch leitfähiger organischer Polymere war Heeger gemeinsam mit den Chemikern Alan MacDiarmid und Hideki Shirakawa im Oktober 2000 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden.

In seinem interessanten und pointierten Vortrag stellte Heeger die Entwicklungsgeschichte der leitfähigen Polymere dar und gab einen Überblick über die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten dieser neuartigen Materialklasse, welche von der Antistatik-Beschichtung über organische Transistoren und die Verwendung als Kathodenmaterial in Kondensatoren bis hin zu organischen Leuchtdioden (OLEDs, Organic Light Emitting Diodes) reichen.

Letztere können zur Entwicklung sehr leuchtkräftiger Monochrom- und Farbdisplays, beispielsweise für Handys oder Computerbildschirme, führen, die im Gegensatz zur bisher verwendeten LCD-Technologie über einige deutliche Vorteile verfügen wie den geringeren Stromverbrauch bei gleichzeitig höherer Leuchtkraft und besserem Kontrast oder die Unabhängigkeit vom Blickwinkel. Als Modellobjekt zeigte Heeger hierzu ein monochromes LED-Display mit einer detaillierten Abbildung seiner Nobelpreis-Medaille. Weltweit beschäftigen sich viele Unternehmen mit dieser neuen Displaytechnologie. Neben der sicheren technischen Beherrschung einer Fertigung im industriellen Maßstab steht die Erhöhung der Lebensdauer im Fokus der gegenwärtigen Entwicklungen.

Im Anschluß an den Vortrag des Nobelpreisträgers referierte Dr. Heinz-Hermann Greve, Leiter des Ressorts Werkstoffe der Zentralen Forschung der Bayer AG, über Baytron’, ein von Bayer entwickeltes elektrisch leitendes Polymer mit besonders günstigen Eigenschaften für technische Anwendungen.

Dotiertes Polyacetylen, welches von Heeger, MacDiarmid und Shirakawa als erster Vertreter der leitfähigen Polymere entdeckt und untersucht wurde, ist aufgrund seiner Instabilität für technische Applikationen ungeeignet. Vor der technischen Nutzung war somit die Entwicklung anderer,stabilerer leitfähiger Polymere wie beispielsweise Polypyrrol, Polyanilin oder Polythiophen notwendig.

Das von Bayer-Forschern erfundene Polyethylendioxythiophen (PEDT), so der chemische Name von Baytron, ist ein langzeitstabiles, elektrisch leitfähiges Polymer. Es ist hervorragend geeignet für die verschiedensten Applikationen dieser neuen Materialklasse. Da sich die Eigenschaften von Baytron durch Variation der Polymerisationsbedingungen gezielt steuern lassen, kann Bayer seinen Kunden maßgeschneiderte Produkte für völlig unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung stellen. Neben dem leitfähigen Polymer wird auch sein monomerer Baustein als Produkt angeboten. Dieser wird beim Kunden zu einer Schicht polymerisiert und kommt derzeit in der Elektronikindustrie zum Einsatz - etwa bei der Durchkontaktierung von Leiterplatten oder der Herstellung von Tantal- und Aluminium-Kondensatoren.

Das große Interesse der verarbeitenden Industrie an elektrisch leitfähigen Polymeren wird eindrucksvoll dokumentiert durch eine Vielzahl von neuen polymerbasierten Verfahren und Produkten sowie laufenden Entwicklungen. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Baytron konnte Bayer den Umsatz an diesen Produkten in den letzten beiden Jahren jeweils mehr als verdoppeln. Die Haupteinsatzgebiete liegen dabei zur Zeit in der Kondensatorherstellung, wo Baytron Mangandioxid als Kathodenmaterial ersetzt, gefolgt von der Durchkontaktierung von Leiterplatten und der Antistatik-Beschichtung. Für die nächsten Jahre wird durch Wachstum dieser bestehenden Anwendungen aber auch durch neue Entwicklungen, wie etwa der OLED-Technologie, eine fortlaufende Absatzausweitung erwartet. Um dieses erwartete Wachstum sicher begleiten zu können, wurden bei Bayer bestehende Baytron-Kapazitäten ausgebaut und in neue Produktionsanlagen investiert.

Bolz, Ilona | BayNews

Weitere Berichte zu: Elektrisch Polymer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Beton - gebaut für die Ewigkeit? Ressourceneinsparung mit Reyclingbeton
19.04.2017 | Hochschule Konstanz

nachricht Gelatine statt Unterarm
19.04.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie