Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schimmelpilz lässt Violinen schöner klingen

18.06.2008
Schweizer Forscher lüften Geheimnis des Klangkörpers

Eine kleine Dosis Schimmel kann eine Geige, respektive deren Klang, nachhaltig verändern. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Eidgenössischen Laboratorien für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung in St. Gallen im Wissenschaftsmagazin Nature. Die Behandlung mit dem Pilz reduziert die Dichte des Holzes.

Der Effekt sei vergleichbar mit dem Klang von Geigen, deren Holz in niedrigen Temperaturen gewachsen ist - angeblich ein Geheimnis der Stradivari-Violinen. Die Schweizer arbeiten mit einem Geigenbauer zusammen, der sechs verschiedene Instrumente, drei aus pilzinfiziertem Baumholz und drei mit Holz von gesunden Bäumen fertigt. Gegen Ende des Jahres werden alle sechs Instrumente fertig gestellt sein. Anschließend soll in einem so genannten Blindfold-Test der Klangunterschied ermittelt werden.

Die Effizienz mit der ein vibrierendes Stück Holz die Schallwellen an die Außenwelt abgibt, hängt vom Verhältnis ab, wie schnell die Wellen aufgrund der Materialdichte durch den Korpus des Instruments gehen. Ein hoher Wert sorgt dafür, dass das Instrument lauter klingt. Stradivari hatte das Glück, dass er während der kältesten Periode - der so genannten Kleinen Eiszeit im frühen 18. Jahrhundert - lebte und arbeitete. Damals lag die Durchschnittstemperatur rund einen Grad Celsius unter der von heute. Der Baumwuchs hatte ebenfalls unter diesen strengen Bedingungen zu leiden und das Holz war weniger dicht.

... mehr zu:
»Schallwelle »Schimmelpilz

Untersuchungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen haben ergeben, dass sich Schallwellen durch verschimmeltes und verfaultes Holz langsamer fortpflanzen. Zudem hat der Forscher Francis Schwarze entdeckt, dass einige Pilze das Holz zwar angreifen, nicht aber dessen Ligninschicht zerstören.

Das Forscherteam hatte in einem Experiment eine norwegischen Fichte - die für den oberen Deckel einer Violine verwendet wird - mit dem Pilz Physiporinus vitrius und eine Plantane - deren Holz den Boden einer Violine bildet - mit dem Pilz Xylaria longipes infiziert. Nach 20 Tagen hatte sich die Dichte des Holzes um mehr als zehn Prozent verringert, ohne jedoch Strukturschwächen zu zeigen. Das Instrument werde sicher einen schönen Klang haben, zeigt sich der Münchner Instrumentenbauer Martin Schleske überzeugt. Schleske arbeitet mit Schwarze zusammen.

Kritischer sieht allerdings der Chemiker und Instrumentenexperte Joseph Nagyvary von der College Station in Texas das Forschungsergebnis. Nagyvary geht davon aus, das Stradivari sein Instrumentenmaterial zur klanglichen Verbesserung chemisch behandelt hatte.

So habe er etwa seinerzeit Holz in Wasser eingelegt, um das mikrobielle Wachstum zu fördern. Zu dem könnte auch die Politur eine wesentliche Rolle im gesamten Klangbild spielen. Das Holz, das die Schweizer Forscher verwenden, sei jedenfalls viel dünner als jenes im herkömmlichen Instrumentenbau. Es könnte nach Ansicht des Forschers schwierig sein, dass der Pilz die Struktur gleichförmig angreift. Möglicherweise wäre es günstiger, Pilzenzyme zu verwenden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch
http://www.schleske.de
http://www.cstx.gov

Weitere Berichte zu: Schallwelle Schimmelpilz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten
07.12.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

nachricht Aufgewärmt am Start
05.12.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit