Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tablar-Management mit RFID optimiert spart Lagerfläche

25.02.2009
Die Erweiterung des Produktions- und Logistiksystems beim Schweißgeräte-Hersteller Cloos schließt die Integration der Produktionsplanung und -versorgung in das bestehende SAP-System ein. Statt Barcodes einfach zu ersetzen, wird RFID-Technik zum Tablar-Management für kleine Kisten verwendet. Das spart Lagerfläche durch effektive Raumausnutzung.

Metalle begleiten den Menschen schon seit Tausenden von Jahren. Das Verbinden dieser Materialien stellt die Menschheit seit jeher vor eine große Herausforderung. Möchte man Metalle dauerhaft fügen, kommt man um das Schweißen nicht herum. Einer der führenden internationalen Anbieter auf diesem Gebiet ist die Carl Cloos Schweißtechnik GmbH aus Haiger. Seit neun Jahrzehnten bietet das Familienunternehmen mit weltweit über 700 Mitarbeitern Lösungen auf dem Gebiet der Lichtbogenbahn-Schweißtechnik und der Robotertechnologie. Im Stammhaus in Haiger wird von Schutzgas-Schweißgeräten und Schweißbrennern bis hin zu mechanisierten Sonderanlagen und schlüsselfertigen Robotersystemen die gesamte Cloos-Produktpalette gefertigt.

So zukunftsweisend die Schweißanlagen von Cloos am Markt sind, galt es dennoch, die Lagerinfrastruktur zur Produktionsversorgung und zur Auslieferung der Produkte an die Kunden zu optimieren.

Automatisches Kleinteilelager in Betrieb genommen

Deshalb entschied sich das Unternehmen, die gesamte Intralogistik und Auftragssteuerung am Standort Haiger zu modernisieren. Schwerpunkte stellten dabei die Installation eines Manufacturing-Execution-Systems (MES) und die Inbetriebnahme eines automatischen Kleinteilelagers zur Materialversorgung der Produktion dar, wobei Cloos auf eine Abbildung des Materialflussrechners innerhalb von SAP ohne separate „black box“ Wert legte.

Die Besonderheit: Das Lager muss auf möglichst wenig Fläche so viel Kapazität wie möglich bieten. Das doppelttiefe Lager besitzt mehrere seitliche Ein- und Auslagerstiche. Kanban-Regale werden direkt vom Regalbediengerät (RBG) beliefert.

Langjährige Erfahrung im Customizing von IT-Lösungen

Durch den jahrelangen Einsatz von SAP als ERP-System hatte die IT-Abteilung bei Cloos bereits eine Menge Erfahrung in Administration und Customizing gesammelt. Nun ging es darum, den passenden Umsetzungspartner mit Know-how der proprietären Programmiersprache ABAP (Advanced Business Application Programming) und Logistikverständnis zu finden.

Nach einem umfangreichen Entscheidungsprozess wurde der Auftrag zur Erweiterung ihres Produktions- und Logistiksystems an die Salt Solutions GmbH und die AM-Automation GmbH vergeben. Die Partner boten gemeinsam die Integration der Produktionsplanung und -versorgung in das SAP-System an und werden das automatische Kleinteilelager anbinden.

Manufacturing-Execution-System auf SAP-Basis

Die gesamte Materialflusssteuerung, das Auftragsmanagement und die Reihenfolgeplanung in der Fertigung und Montage werden vom Intralogistikspezialisten Salt Solutions aus Würzburg übernommen. Ziel ist die komplette Umstellung der Produktionsprozesse zur Durchlaufzeit-Verkürzung und zur Verringerung der Bestände. Die Produktion wird in Montageinseln gegliedert, die nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip per „Milkrunner“ mit Material versorgt werden.

Zum Einsatz kommt das Manufacturing-Execution-System S-Production für SAP-Anwender. S-Production ist das einzige Manufacturing-Execution-System, das vollständig in ABAP entwickelt wurde und das Produktionssteuerung, Bestandsverwaltung mit Materialflusssteuerung sowie MDE und BDE in einer Lösung auf einer einzigen SAP-Instanz vereint und an die Kundenprozesse angepasst wird. So muss Cloos Schweißtechnik nicht seine Prozesse an die der Software anpassen. S-Production liefert zudem automatisiert Daten aus der Maschinen- und Betriebsdatenerfassung zur Weiterverarbeitung an SAP HR, PP und QM.

Das Kleinteilelager mit zirka 3400 Lagerplätzen für Tablare und Behälter wurde in die vorhandene Produktionshalle integriert. Dabei war es für Cloos ausschlaggebend, dass der zur Verfügung stehende Raum optimal ausgenutzt wird. An dieser Stelle konnte AM-Automation mit seinen kleinen RBG-Anfahrmaßen punkten.

Wichtig ist dabei nicht nur das untere Anfahrmaß des Regalbediengerätes von inzwischen kleiner 550 mm, sondern vor allem das geringe Zwischenmaß von 65 mm. Diese geringen Anfahrmaße ermöglichen es bei Cloos zum Beispiel, bei einer Raumhöhe von 5,5 m, zwölf Behälter mit einer Höhe von bis zu 420 mm übereinander zu lagern. Durch die doppelttiefe Lagerung konnte eine weitere Raumausnutzung erreicht werden.

RFID-Transponder fest in die Behälter integriert

Um weitere Lagerfläche zu sparen, kommt für die effektive Raumausnutzung bei Cloos erstmals das RFID-Tablarmanagement von AM-Automation zum Einsatz. Die Umsetzung wird gemeinsam von AM-Automation und Salt Solutions realisiert. Die Transponder sind fest in die Behälter integriert und steuern den Materialfluss auf der Fördertechnik des automatischen Kleinteilelagers. Das Projekt startete in einer ersten Stufe im Januar 2009, in einer zweiten Phase soll dann ab April 2009 die Materialversorgung weiterer Teile der Fertigung, die nach dem Kanban-Prinzip erfolgt, durch RFID unterstützt werden.

RFID ersetzt in dieser Anwendung nicht einfach nur den Barcode. Vielmehr wird die Technik von AM-Automation für das Tablarmanagement der Kleinladungsträger genutzt. Jeweils bis zu acht Behälter unterschiedlicher Größe befinden sich auf den Tablaren. Diese werden so zusammengestellt, dass mehrere Einzelteile, die gleichzeitig für die Produktion eines Gerätes benötigt werden, auf einem Tablar verfügbar sind.

Mithilfe dieser RFID-Technologie ist jederzeit verfolgbar, wo sich die kleinen Behälter auf dem Tablar befinden. Auch die richtige Entnahme der Kleinteile aus den Kisten wird zukünftig durch den RFID-Einsatz sichergestellt. Der manuelle Aufwand im Wareneingang reduziert sich bei Verwendung vieler kleiner Behälter um mehr als 50%.

RFID ist die Zukunft

Cloos prüft für die Zukunft neben den genannten Anwendungen einen weiteren Einsatz der RFID-Technik: Die Einführung eines Produkt-Passes auf RFID-Basis für die Schweißgeräte. Somit lässt sich jederzeit und weltweit auslesen, welche Komponenten verbaut wurden und welche Software auf das Gerät gespielt wurde.

Christian Kosmak ist Projektleiter bei der Salt Solutions GmbH in Würzburg. Johannes Traub ist Projektleiter bei der AM-Automation GmbH in Offenau.

Christian Kosmak und Johannes Tr | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/materialflusslogistik/logistiksoftware/articles/172213/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flexible Fertigung von Elektromotoren für Fahrzeuge
06.09.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik