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Schwere Maschine für präzises Schmieden

08.01.2010
24 Tonnen schwer, fünf Meter hoch, kommunikativ: Eine neue Presse erweitert die Forschungsbandbreite des Instituts für Umformtechnik und Umformmaschinen IFUM

Im Versuchsfeld des IFUM am Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover (PZH) findet in diesen Tagen zusammen, was zusammengehört: Eine nagelneue Lasco-"Präzisionsspindelpresse SPR 500" erfreut ganz besonders jene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im PZH-Sonderforschungsbereich 489 "Prozesskette zur Herstellung präzisionsgeschmiedeter Hochleistungsbauteile" neue Verfahren entwickeln, um Bauteile ressourcenschonend so umzuformen, dass sie endkonturnah und ohne Grat den Schmiedeprozess verlassen.

Die "Neue" bietet gegenüber ihrer Vorgängerin zwei entscheidende Vorteile. Beide Pressen - alte und neue - gehören zu den energiegebundenen Spindelpressen, bei denen die Maschine eine vorab definierte Energie für den Umformprozess bereitstellt. Bei der Vorgängerpresse aber, bereits seit 1982 am Institut, wurde das energiespeichernde Schwungrad über eine Kupplung an die Spindel gekoppelt. Diese Methode bot zwar einige Vorteile durch die erhöhten Energiereserven, sie wurden allerdings mit einer eingeschränkten Regelbarkeit erkauft. Die neue Presse dagegen wird direkt über den Motor angetrieben, sie ist damit ideal zu steuern und erlaubt sehr präzise und reproduzierbare Vorgänge. "Die Schlagenergie ist von ein Prozent bis hundert Prozent regelbar", begeistert sich Dipl.-Ing. Dirk Odening, der gemeinsam mit Andreas Puchert die Anschaffung fürs IFUM betreut hat, "die Presse eröffnet uns hervorragende Möglichkeiten für künftige Forschungsarbeiten."

Auch Institutsleiter Professor Bernd-Arno Behrens freut sich sehr über den ersehnten Zuwachs in der Umform-Halle, die mit jeweils zwei energie-, weg- und kraftgebundenen Anlagen eine bundesweit einmalige Ausstattungsvielfalt für die Forschung im Bereich Warmmassivumformung - landläufig als Schmieden bezeichnet -, aber auch für die Kalt- oder Blechumformung bietet. Behrens betont den zweiten großen Vorteil der neuen Presse, die als individuell gewünschtes Ausstattungsmerkmal von der Firma Lasco eine Schnittstelle erhalten hat: "Wir können hier einen Mess- und Steuerungsrechner anschließen. Das heißt, alle Daten, die in der Prozesssteuerung auftreten, lassen sich dokumentieren und auslesen, im Rechner gleich bewerten und mit den Daten des Schmiedeprozesses abgleichen."

Dirk Odening, der selbst in der Massivumformung für den Sonderforschungsbereich arbeitet, verdichtet die neuen Möglichkeiten zur konkreten Zukunftsvision: "Wir können hier eine Online-Prozess-Qualitätskontrolle etablieren; also beispielsweise die gerade umgeformten, heißen Teile über eine Optik vermessen. Wenn sie nicht den Vorgaben entsprechen, etwa die Formfüllung nicht erreicht ist, geht sofort für den nächsten Hub das Signal an die Pressensteuerung: mehr Energie!" Vorbei die Qualitätskontrolle längst erkalteter Teile, bei der, wenn ein Fehler endlich erkannt wird, längst große Mengen Ausschuss produziert wurden.

Zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH):
Das PZH ist 2004 aus der Idee der Leibniz Universität Hannover entstanden, Hochschulforschung, Industrie und Unternehmen der Produktionstechnik zusammenzubringen. So haben sich jene sechs Institute der Fakultät für Maschinenbau, die sich mit Produktionstechnik und Logistik beschäftigen, gemeinsam mit der PZH GmbH und zahlreichen Unternehmen zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover zusammengeschlossen. Die GmbH als Universitätstochter übernimmt neben der Verwaltung des neuen Zentrums in Garbsen zahlreiche Aufgaben im Bereich Technologietransfer und Gründerberatung. Zurzeit arbeiten im PZH etwa 450 (Ingenieur-)Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und Angestellte in Technik und Verwaltung; außerdem rund 400 studentische Hilfskräfte. Das PZH ist eine Lehr- und Forschungsstätte, in der Grundlagen- und industrielle Auftragsforschung gleichermaßen auf höchstem, internationalem Niveau betrieben werden. Seit 2004 hat das PZH mehr als 85 Millionen Euro Drittmittel eingeworben.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

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