Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrachsroboter HORST eröffnet Wege zur Digitalisierung

06.06.2016

Die zunehmende Digitalisierung wird auch bei kleinen und mittleren Unternehmen den Bedarf an Robotern steigern. Doch bisher sind die vielseitigen Helfer teuer und meist schwer zu bedienen. „HORST“, eine Entwicklung des Start-ups „fruitcore“, ist eine preisgünstige Alternative. Die Förderzusage über das Bundesprogramm EXIST bescheinigt dem Team aus HTWG-Absolventen Erfolgsaussichten.

Er kann sich strecken und bücken, um die eigene Achse drehen – und kräftig zupacken: HORST ist ein flinker, zirka 70 Zentimeter großer Roboter, sein korrekter Name lautet „Highly Optimized Robotic Systems Technology“.


Die Väter von HORST (Mitte) sind stolz auf ihren Mehrachs-Roboter (von links): Jens Riegger, Tobias Erb, Manuel Frey und Tobias Kuentzle.

HTWG

Der Begriff „optimiert“ in seinem Namen bezieht sich auf vielerlei Eigenschaften: Eine herausragende darunter: HORST wird im Vergleich zu seinen großen und in vielen Fabrikhallen tätigen Kollegen sehr günstig zu produzieren sein.

„Der Roboter besteht nicht aus teuren Armelementen, die in einem Stück gefertigt werden, sondern wird aus günstig zu produzierenden Plattenelementen aufgebaut. Dadurch entsteht eine gewichtsarme Grundstruktur, die in Kombination mit der mechanischen Anordnung der Elemente den Einsatz von kleinen und kostengünstigen Antriebseinheiten erlaubt“, sagt Jens Riegger.

Riegger ist nach einem Maschinenbaustudium an der Hochschule Karlsruhe zum Master-Studium zur Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gewechselt. Hier lernte er Tobias Erb und Manuel Frey kennen. In einem Forschungsprojekt hatten sie sich mit dem Robotermarkt auseinandergesetzt.

„Daher wissen wir, dass es bisher kaum leistungsfähige Roboter im Niedrigpreissegment gibt“, sagt Riegger. Mit HORST vergleichbare Industrieroboter, die über eine Traglast von zwei Kilogramm verfügen, sind in der Grundausführung ab 18.000 € zu haben. Preise, die für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) immer noch zu hoch sind. Nachdem Jens Riegger, Manuel Frey und Tobias Erb schon für eine andere Entwicklung erfolgreich zusammen gearbeitet haben, haben sie sich Anfang 2016 der Konstruktion eines preisgünstigeren Roboters gewidmet.

Die Idee für HORST war geboren. Mit ins Boot kam nun Tobias Kuentzle, ein ehemaliger Kommilitone von Jens Riegger von der Hochschule Karlsruhe. Gemeinsam tüftelten die vier weiter.

Das Team sieht neben der Industrie noch einen weiteren wichtigen Markt: Bildungseinrichtungen. Sie bereiten bereits jetzt Schüler und Studierende auf die weitere Automatisierung vor. „Schulen und Hochschulen haben aus finanziellen Gründen wenn überhaupt meist nur einen einzelnen Vorführ-Roboter“, sagt Tobias Erb.

Künftig könnten sie sich mehrere kleine Roboter leisten, die das gemeinsame Arbeiten im Klassenverbund bzw. im Labor ermöglichen. Gemeinsam mit der Winkler Bildungszentrum GmbH werden die Firmengründer Schulungsunterlagen erarbeiten und erproben.

So soll HORST nicht nur wegen seines Preises interessant sein, sondern auch wegen seiner einfachen Bedienbarkeit. „Ein kleines Unternehmen kann nicht seine Mitarbeiter mehrere Tage zu Schulungen schicken“, erläutert Tobias Kuentzle. Deshalb soll ein innovatives Softwarekonzept auch ungelernten Bedienern einen einfachen und schnellen Einstieg in die Programmierung des Roboters ermöglichen. Dazu haben sich die Ingenieure zwei Informatiker mit ins Team geholt.

Das Konzept für Entwicklung, Produktion und Vertrieb des Roboters hat die Gutachter des Förderprogramms EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) überzeugt. Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres haben nun Absolventen der HTWG die Zusage für eine solche Förderung erhalten. „Uns freut es sehr, dass wir uns zunehmend als Hochschule positionieren können, an der Gründergeist herrscht“, sagt HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz.

Ein Teil der Gründerförderung der Hochschule ist die umfangreiche Beratung bei der EXIST-Antragsstellung. Berater Ulrich Hutschek hat den Vätern von HORST Stärken und Schwächen ihres Konzepts aufgezeigt. „Das war uns eine große Hilfe“, betont Tobias Kuentzle. Nun erhalten die angehenden Gründer für zwölf Monate eine Stipendiatenvergütung, die ihnen den Lebensunterhalt sichert. Dazu kommt ein Budget für Sachausgaben und wertvolle Coachings. „EXIST ist noch keine Gründerunterstützung, sondern bietet vielmehr die finanzielle Grundlage, um die Gründung vorzubereiten“, stellt Ulrich Hutschek klar.

„Wir freuen uns riesig über die EXIST-Zusage. Das ist für uns die Bestätigung, dass unsere Entwicklung in die richtige Richtung geht“, sagt Jens Riegger. Denn schon in naher Zukunft, so Tobias Kuentzle, werde ein hoher Automatisierungsgrad auch bei produzierenden KMU unerlässlich sein, um weiterhin konkurrenzfähig und gewinnbringend arbeiten zu können. Dazu gehört unter anderem: Roboter kommunizieren miteinander und arbeiten zusammen. Dazu ist HORST in der Lage. Und: Dank des niedrigeren Preises können sich KMUler gleich mehrere HORST-Roboter leisten.

Die EXIST-Förderung erlaubt dem Team, noch intensiv an der Weiterentwicklung von HORST zu arbeiten. Im Oktober möchten sie den Schulungsroboter bei der Messe MoTek in Stuttgart vorstellen. Im Sommer 2017 dann soll der doppelt so große Industrieroboter in die Produktion gehen können.
Entwicklungs- und Produktionsstätte ist übrigens das Technologiezentrum Konstanz (TZK). Hier haben die Gründer die Möglichkeit, günstig Räume zu mieten und die Infrastruktur von der Teeküche bis zur Werkstatt zu nutzen.

„Wir profitieren hier sehr vom Netzwerk im Haus. Die Erfahrungen, die andere Startups schon gemacht haben, sind für uns sehr bereichernd“, sagt Tobias Kuentzle. „Die enge Kooperation und der vertrauensvolle Austausch mit dem TZK ist für unsere Positionierung als innovationsfördernde Hochschule sehr wertvoll. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang, damit Startups in Konstanz der erfolgreiche Markteinstieg ermöglicht wird“, sagt Präsident Prof. Dr. Carsten Manz.

HORST stellt sich übrigens neben vielen anderen Stationen am Aktionstag „Digitalisierung – die virtuelle Welt zum Anfassen“ am 18. Juni an der HTWG vor. Das Programm läuft von 11 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.htwg-konstanz.de/opencampus

Weitere Informationen:

http://www.fruitcore.de
http://www.htwg-konstanz.de

Dr. Adrian Ciupuliga | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: BMWi Digitalisierung EXIST HTWG Industrieroboter KMU Mehrachsroboter Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Assistenzsysteme für die Blechumformung
28.07.2017 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten