Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biogas-Anlage im Fernblick

15.08.2011
Als die Biogas-Anlage eines Herstellers von Tiernahrung während er Wartungsarbeiten in Brand geriet, wurde die Firma GDC Consulting mit Wiederaufbau und Modernisierung beauftragt. Das Gütersloher Unternehmen verfügt über umfassende Erfahrung in der Automatisierung von Prozessen der regenerativen Energiegewinnung.

In Anbetracht der Schadenslage schlug es dem Auftraggeber ein Konzept vor, bei dem die Hardware der bestehenden Steuerungstechnik beibehalten werden konnte. Die Software hingegen sollte komplett neu gestaltet werden – mit den Ziel einer verbesserten Sicherheitstechnik sowie einer verbesserten Bedienoberfläche.

Dazu muss man wissen: Moderne Biogasanlagen werden heute mit überaus kleinen Verarbeitungsfenstern betrieben. Das bedeutet: Wenn sich Parameter ändern, muss der Betreiber das frühzeitig merken und schnell aktiv werden. Er muss also stets über alle wesentlichen Anlagenparameter informiert sein. „Deshalb legen wir bei unseren Projekten größten Wert auf eine Bedienoberfläche, die immer Auskunft über die wesentlichen Parameter des Prozesses gibt“, berichtet Martin Freisinger, der bei GDC das Geschäftsfeld Biogas betreut.

Zunächst wurde zusätzliche Sensorik in die Steuerungstechnik integriert. Dazu gehören unter anderem Druckmessaufnehmer an verschiedenen Anlagenkomponenten sowie Füllstands- und Durchflussmessgeräte, die sich über das vorhandene Profibus-System in die Automatisierungstechnik einbinden ließen. Ganz neu ist zudem die Mensch-Maschine-Schnittstelle der modernisierten Anlage, die mit einer Leistung von bis zu 630 kW Strom erzeugt und ins Netz speist. Alle relevanten Parameter wie der Druck, der Füllstand und auch der Gehalt an Inhaltsstoffen in den Vorlage- und Reaktionsbehältern werden nun automatisch erfasst und dokumentiert. Die Rezepturen, nach denen die Reaktionsbehälter beschickt werden, sind in der Steuerung hinterlegt. Das gewährleistet eine gleichmäßige Leistung der Anlage.

Alle einschlägigen Normen und Richtlinien – dazu gehören zum Beispiel die ATEX-Richtlinien, das Wasserhaushaltsgesetz und die EU-Biogas-Verordnung – wurden bei der umfassenden Modernisierung der Anlage berücksichtigt. Die Genehmigungsbehörde hat der neuen Anlage einen hohen Sicherheitsstandard bescheinigt.

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen ist auch die neue Online-Fernüberwachung. Dadurch ist der Betreiber nämlich in der Lage, sich kontinuierlich über Prozessparameter sowie eventuell abweichende Werte zu informieren. Das ermöglicht eine schnelle Reaktion. Martin Freisinger sagt dazu: „Diese Option lässt sich mit geringem Aufwand in bestehende Steuerungskonzepte integrieren. Inzwischen haben wir mehrere Anlagen in ein solches Überwachungssystem eingebunden – zum Beispiel die Anlagen einer Fettschmelze und einer Tierkörperbeseitigungsanstalt.“

Übrigens: GDC rechnet mit einem starken Zuwachs für derartige Re-Engineering-Aufgaben, denn bislang sind in Europa immerhin rund 6.000 Biogas-Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von über 2.300 Megawatt in Betrieb; die Branche erwartet, dass bis zum Jahr 2013 nochmals rund 3.000 neue Anlagen dazu kommen.

Dabei muss man stets zweigleisig denken. Denn für die zukünftige Energieversorgung spielt neben dem steten Neubau – ganz ähnlich wie in der Windkrafttechnik – auch die kontinuierliche Modernisierung der vorhandenen Anlagen mit dem Ziel der weiteren Leistungssteigerung eine unverzichtbare wichtige Rolle. ms

| SCOPE
Weitere Informationen:
http://www.scope-online.de/erneuerbare-energien/Erneuerbare-Energien---Anlagen-Re-Engineering.htm

Weitere Berichte zu: Fernblick Prozess Steuerungstechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Das Auto lernt vorauszudenken
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten