Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optimales Kleben, Befetten, Dichten und Vergießen

08.07.2008
Um optimal bearbeitete Bauteile zu erhalten, sollte der Dosiertechnik größtmögliche Aufmerksamkeit geschenkt werden. Durch immer stärkere Miniaturisierung bei immer höheren Leistungsansprüchen steigen die Qualitätsanforderungen an Bauteile stetig. Obwohl in keiner Norm verankert, ist die Dosiertechnik einer der wichtigsten Produktionsschritte im Herstellungsprozess.

Dosiertechnik findet ihren Einsatz in der Automobil-, Elektro-, Hausgeräte- sowie Filterindustrie. Sie reicht von der einfachen Handanlage bis zur vollautomatischen Produktionsanlage. Kompakte Maschinenkonzepte oder Baukastenmodule bieten auf geringem Raum flexible Verarbeitungstechniken für Dicht-, Klebe-, Befettungs- und Vergussanwendungen.

Sowohl als Insellösungen mit manueller als auch als Teil einer Produktionslinie mit automatischer Bestückung können diese Systeme eingesetzt werden. Zwei- und dreiachsig standardisierte Mischsysteme halten die Kosten der Dosierzelle gering, was auch dem Kunden zugute kommt. 3D-Robotersteuerungen, grafische Benutzeroberflächen und Prozessschaubilder ermöglichen eine moderne Prozesskontrolle.

Hohe Beschleunigungen gestatten eine geringe Taktzeit – geringe Taktzeiten bedeuten für den Kunden einen höheren Austrag und ein höherer Austrag heißt höhere Stückzahlen. Der Kunde kann in einer geringeren Zeit mehr produzieren. Das besondere Merkmal moderner Dosierzellen ist das schnelle hochpräzise Dosieren – egal ob mit Kleinmengenverguss, Dichtschaumapplikationen oder Formverguss.

... mehr zu:
»Maschinenkonzept

Unterstützt werden diese Funktionen durch Dosiernadelvermessungen, Waagen zur Dosierschusskontrolle und eine taktile oder visuelle Werkstückerkennung. Um die geforderten Qualitäten zu erreichen, müssen sowohl passende Dosiersysteme entwickelt und optimiert werden als auch die Dosieranlagen selbst, die immer exakter und schneller arbeiten.

Nicht alle Dosiertechnik-Hersteller beherrschen enge Toleranzen

Die Genauigkeit der Applikation „hängt von den Vorgaben des Kunden und davon, wie er seine Toleranzgrenzen definiert, ab“, erläutert Bernd Schneider, Geschäftsführer der Cario Dosiertechnik GmbH. „Allerdings: Bei 5 mg und einem Mischungsverhältnis 100:1 gibt jede Dosierzelle auf“, ist Schneider überzeugt.

Dipl.-Ing. Hartmut Storz, Leiter Marketing und Vertrieb der Firma Rampf Dosiertechnik, sieht dies anders: „Wir definieren Genauigkeit über das Schuss- oder Dosiergewicht. Bei Kunden geht es um ± 5 mg oder ± 1 g. Eine Differenz von ± 1 g beherrschen alle Dosiertechnikhersteller, die ± 5 mg dagegen, da wird es ein wenig enger.“

Enge Kooperation aller Beteiligten ist wesentlich

Doch in einem sind sich alle Dosiersystemhersteller einig. Um eine Dosiereinheit mit exzellentem Endergebnis herzustellen, ist eine enge Kooperation zwischen Kunden und Material-, Hilfsstoff- und Dosiersystemherstellern wesentlich.

Wenn der Kunde weiß, welche Hilfsstoffe er verarbeiten will, werden Applikationsweise und Rahmenbedingungen überprüft. Anschließend arbeiten die Ingenieure ein Maschinenkonzept aus. Oft braucht der Kunde auch Unterstützung bei der Materialauswahl. Dann beginnt die Suche, und dem Kunden werden verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen. Das so entstandene Konzept wird nun auf seine Durchführbarkeit geprüft.

Gleichwohl ist das erste Testergebnis oft nicht optimal. Die Gründe dafür können sowohl beim Material- oder Hilfsstoffhersteller als auch beim Kunden liegen. So berücksichtigen Kunden oft nicht die Notwendigkeit eines Vergusses, der Klebe-operation oder Dichtfunktion.

„In so einem typischen Fall entwickelt der Kunde ein Produkt, ignoriert jedoch die Möglichkeit, dass beim Abdichten oder Vergießen Probleme entstehen könnten“, erklärt Hartmut Storz. „Später stellt er fest, dass es nicht funktioniert. Oder es stellt sich erst nach Entwicklung eines Bauteils heraus, dass noch Klebe- oder Dichtoptionen nötig sind. Dann existieren nur begrenzte, im schlimmsten Fall gar keine Einbauräume. Und dann wird generell die Technologie vergewaltigt und das Material dazu“, bedauert Storz.

Einzelne Hersteller sollten kooperieren

Andere Herausforderungen können in der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Herstellern auftreten. „Wir haben vor Kurzem die Erfahrung machen müssen, dass das System nach einem Vierteljahr nicht mehr so funktionierte, wie wir es ausgeliefert haben“, erläutert Bernd Schneider. „Der Chemiehersteller hatte in seinem Datenblatt von Abrasivität überhaupt nichts vermerkt. Man bekommt also ein Vierteljahr später die Quittung für ein Problem, das einem selbst gar nicht bewusst war.“

Ebenso führen die falsche Lagerung von Dicht- und Vergussmaterialien oder des Klebstoffes, oder die falsche Behandlung der Bauteile zu nicht gewollten Ergebnissen. Sehr viele Komponenten oder Härtersysteme neigen zur Kristallisation. Dann stimmt das chemische Endresultat nicht mehr, obwohl das Mischungsverhältnis stimmt und die eigentliche Applikation in Ordnung ist. Das Material wird chemisch zerstört. Zu hohe Luftfeuchtigkeit führt zur Blasenbildung an der Oberfläche.

Dichtmaterialien haften teilweise nicht auf den Bauteilen

Bei Dichtmaterialien gibt es manchmal das Problem, dass die Haftbarkeit auf dem Bauteil nicht gewährleistet ist. So berichtet Bernd Schneider: „Wir hatten Bauteile, bei denen diese Haftbarkeit extrem gut war. Wir fuhren die Musterteile. Bei der Bearbeitung der Serienteile hat plötzlich die Haftbarkeit nicht mehr gestimmt. Teils wurden die Dichtungen zu hart, dann wieder zu spröde und schließlich fielen sie aus dem Bauteil. Es stellte sich heraus, dass die Bauteile bei der Lagerung mit Silikon in Berührung gekommen waren.“

Externe Einflüsse wie Dämpfe, Öle, Fette und andere Verschmutzungen können sehr wohl dazu führen, dass eine Bearbeitung unmöglich wird. Dann müssen sie zuvor einer Reinigung unterzogen werden.

Doch auch bei der Konzeption der Dosiereinheit kann sehr viel falsch gemacht werden. „Für den Anwender ist wichtig, dass Dosiersysteme unter Berücksichtigung auch des zukünftigen Einsatzes immer kunden- beziehungsweise projektbezogen gekauft werden“, meint Bernd Schneider. „Wenn Maschinen nach einigen Jahren hochgerüstet oder verlagert werden müssen, ist das immer mit sehr hohen Kosten verbunden. Eine umfassende Beratung mit einer Bemusterung ist notwendig.“

Das heißt, dass der Kunde sich zeigen lässt, welche Möglichkeiten ihm die Dosieranlage erschließt. „Ich bin ein Freund von möglichst ausführlichen Spezifikationen, was die Maschine können muss“, gibt Schneider zu. „Denn es gibt Auslegungsfragen. Der Maschinenbauer sieht es so, der Kunde anders. Je mehr schriftlich definiert und in entsprechenden Gesprächen festgelegt worden ist, desto weniger Überraschungen gibt es am Tag der Vorabnahme.“

Projektbezogener Kauf schränkt meist sehr ein

Ganz so stringent wird es bei Rampf nicht gesehen: „Entweder hat man den Geschmack des Kunden auf Anhieb getroffen, oder wir stimmen uns über mehrere Stufen ab, bis das Maschinenkonzept steht“, erklärt Hartmut Storz. „Projektbezogen kaufen ist vielleicht eine zu starke Eingrenzung. Die Maschine passt zu einer bestimmten Technologie und zu einem umrissenen Bauteilspektrum.

Wenn gewisse Gehäuse bearbeitet werden, ist es gleich, ob die rund sind und einen Durchmesser von 10 mm haben oder rechteckig sind und einen Umfang oder eine Grundfläche von 1 m² haben. Das spielt für die Anlage, wenn sie entsprechend projektiert wird, keine Rolle. Doch das Bauteil und die Aushärtebedingungen bestimmen das Design einer Anlage und dann sind natürlich gewisse Eingrenzungen gegeben, die nicht mehr jede Art der Teilebearbeitung lassen.“

Hertha Kerz | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/betriebstechnik/pumpenarmaturenrohrleitungen/articles/135922/

Weitere Berichte zu: Maschinenkonzept

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie