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Mit glänzender Blech-Verpackung erfolgreich

18.06.2008
Mit der Konzentration auf die Märkte des erweiterten Europa sowie auf technisch anspruchsvolle Produkte konnte die Rasselstein GmbH in Andernach, Deutschlands einziger Hersteller von Verpackungsstahl, den Umsatz gegen den Marktrend im Verlauf der letzten beiden Geschäftsjahre um 30% steigern.

Die Rasselstein GmbH – eine Tochtergesellschaft der Thyssenkrupp Steel AG – gehört in Europa zu den drei größten Weißblechherstellern. Mit einer Kapazität von 1,5 Mio. t im Jahr verfügt Rasselstein in Andernach zudem über den größten Weißblech-Standort der Welt. Und diese Kapazitäten sind im Gegensatz zu den Wettbewerbern in Europa voll ausgelastet, betont Dr. Ulrich Roeske, Vorsitzender des Vorstandes der Rasselstein GmbH, in Düsseldorf: „Die anderen europäischen Hersteller haben zusammen rund 1 Mio. t Überkapazitäten.“

Weißblech ist kalt gewalztes Feinstblech, das aus ursprünglich zwei bis drei mm dickem Warmband auf wenige Zehntel mm heruntergewalzt wird. Der Name rührt von einer hauchdünnen Zinnschicht her, die elektrolytisch aufgebracht wird. Heute wird der Begriff Weißblech aber auch für spezialverchromte Feinstblech-Varianten und für kunststoffbeschichtetes Material verwendet.

Das Rasselstein-Weißblech geht zu 94% in den Verpackungsmarkt, wird also zu Dosen für Nahrungsmittel und Getränke sowie zu Verpackungen für chemisch-technische Produkte wie Farben oder Sprays verarbeitet. Das Unternehmen beschäftigt rund 2400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2006/2007 einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro.

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Laut Roeske ist der Weltmarkt für Weißblech „ein reiner Nischenmarkt, der durch niedrige Wachstumsraten charakterisiert ist“. Der aktuellsten verfügbaren Analyse zu Folge ist die Nachfrage von 1998 bis 2005 weltweit nur um 0,3% jährlich gewachsen. Für Europa verzeichnet die Studie sogar einen leichten Rückgang um 0,3% im Jahr.

Europa produziert deutlich zu viel Weißblech

Langjährig zeigt sich ein weitgehend stabiles Nachfragevolumen von etwa 16 Mio. t. Im europäischen Markt gibt es aktuell etwa 5,8 Mio. t Produktionskapazität für Weißblech. Roeske weiter: „Das ist angesichts des Verbrauchs von 4,3 Mio. t ein deutlicher Kapazitäts-Überhang“.

Attraktive Märkte sieht Roeske vor allem in Osteuropa und Russland, wo der Weißblech-Bedarf mit jährlich 2% wächst: „Unser Unternehmen ist hier seit dem Jahr 2000 erfolgreich aktiv und steigert kontinuierlich den Absatz“.

Südeuropa sei dagegen wegen der „dramatischen“ Überkapazitäten und des damit verbundenen starken Preiswettbewerbes „kein lukrativer Markt“. Ähnliches gelte für China, meint Roeske: „Die chinesische Stahlindustrie baut mehr neue Weißblechkapazitäten auf, als das Marktwachstum hergibt – hier droht ein Überhang“.

Rasselstein widersetzt sich dem schrumpfenden Weißblech-Markt

Rasselstein konnte seinen Anteil im stagnierenden europäischen Markt zwischen 2004 und 2007 um 7% erhöhen. Roeske: „Damit wachsen wir gegen den Trend“. 95% des Wachstums realisierte man mit Stammkunden.

Dabei wurde die Erhöhung des Marktanteils nicht über den Preis erkauft. Im Vordergrund stehe, so Roeske, vielmehr die Technologie- und Qualitätsführerschaft: „Konkret bedeutet dies, dass Rasselstein-Produkte mehr Vorteile für den Kunden bieten als vergleichbare Erzeugnisse“.

Neue Weißblech-Produkte kommen gut an

Beispielsweise hat das Unternehmen die Banddicke beim Weißblech in den vergangenen zehn Jahren – je nach Anwendungszweck unterschiedlich – bis zu 23 % verringert. Die Kunden können deshalb aus weniger Material mehr Dosen herstellen, ohne Nachteile bei der Festigkeit oder bei der Produktionssicherheit in Kauf nehmen zu müssen.

Darüber hinaus unterstützt man die Anwender bei der kontinuierlichen kundenspezifischen Optimierung des Weißblechs wie auch bei der Entwicklung neuer Produktideen. Als Beispiel nennt Dr. Ulrich Roeske das Projekt Flexiline: „Hier entwickeln wir gemeinsam mit Maschinenbauern Konzepte, wie man auch kleine Mengen wirtschaftlich produzieren kann“.

Tiefziehfähiges Weißblech mit nur 0,1 mm Dicke vorgestellt

Auf der Messe Metpack in Essen zeigte Rasselstein unter anderem tiefziehfähiges Weißblech mit einer Blechdicke von 0,1 mm. Laut Roeske „erneut ein Benchmark im Verpackungsstahl“, denn das bislang dünnste Material am Markt misst mit 0,12 mm 20% mehr.

Der Werkstoff eignet sich beispielsweise zum Herstellen dreiteiliger Lebensmitteldosen oder mikrowellengeeigneter Portionsschalen. Dabei profitieren die Anwender direkt in Form von Kosten- und Gewichtsvorteilen von der Materialeinsparung pro Verpackung.

Neuer Stahl-Werkstoff mit 40% Dehnungsrate

Bislang unerreichte Maßstäbe soll eine neue, gemeinsam von Thyssenkrupp Steel und Rasselstein entwickelte Stahlgüte für Verpackungshersteller mit hohen Gestaltungsansprüchen setzen. Der High Formability Steel genannte Werkstoff weist eine Dehnungsrate von 40% auf und liegt damit rund 10% höher als die besten bislang in diesem Segment gebräuchlichen Weißblech-Stähle.

Der Stahl erleichtert das Herstellen komplex geformter Verpackungsbehältnisse. Seine guten Umformeigenschaften verringern die Anzahl der Tiefziehschritte. Auch die dabei eingesetzten Werkzeuge können einfacher gestaltet werden.

Rohstoffkosten belasten den Weißblech-Hersteller

Während Rasselstein im Wettbewerb der Werkstoffe und dem mit anderen Weißblechherstellern auf seine Innovationsfähigkeit als wichtigen Wettbewerbsvorteil setzt, bereiten die Kosten ernsthafte Sorgen. „In solcher Dramatik wie heute haben wir das gleichzeitige Explodieren der Kosten von nahezu allen Einsatzstoffen noch nicht erlebt“, hebt Roeske hervor.

Um 65% in 2008 gestiegene Erzpreise sowie steigende Preise für Legierungsmittel, Kohle, Energie, Schrott und Transport bewirken in der Summe drastische Erhöhungen der Vormaterialkosten. Dazu kommen die spezifischen Kosten für Verpackungsstahl wie zum Beispiel Zinn, das derzeit auf einem Allzeit-Hoch gehandelt wird.

Roeske verweist zudem auf weitere angekündigte Preiserhöhungen für Warmband und stellt klar, dass diese Kosten an den Markt weitergereicht werden müssen. „Unsere Kunden haben aber gute Argumente, um die Preiserhöhungen, die wir ihnen zumuten müssen, an ihre Märkte weiterzugeben“. Roeske abschließend: „Qualität hat eben ihren Preis“.

Lothar Handge | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/konstruktion/werkstoffe/articles/124597/

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