Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Touchscreen-PC sorgt für neue Perspektiven in der MS-Therapie

06.05.2011
Am Multiple-Sklerose-Zentrum der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden arbeiten Ärzte und Wissenschaftler an der Entwicklung eines speziell auf diese Erkrankung zugeschnittenen Patientenmanagementsystems.

Das Multiple Sklerose Dokumentationssystem MSDS 3D dient einerseits dazu, Ärzte und Schwestern bei der komplexen Behandlung der Multiple-Sklerose(MS) zu unterstützen – beispielsweise bei der Infusionstherapie –, indem es wichtige Patientendaten abfragt, die einzelnen Behandlungsschritte anzeigt und deren Verlauf dokumentiert. Darüber hinaus nutzen die Forscher die neuen Medien vor allem für einen konsequenten Informationsaustausch mit den Patienten.

In Zukunft könnte das System dazu beitragen, MS-Kranken aus medizinisch unterversorgten Regionen weite Wege zu ersparen und sie dennoch adäquat fachärztlich versorgen zu können.

Der Einsatz des neuen Patientenmanagementsystems MSDS 3D erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag von Ärzten und Schwestern erheblich – es ist auch für die Patienten unmittelbar erfahrbar: Statt im Wartezimmer oder während einer Infusionsbehandlung in Illustrierten zu blättern, können sie an modernen Touchscreen-PCs wichtige Informationen über ihre Erkrankung selbständig eingeben, die sofort vom medizinischen Personal ausgewertet werden.

Neben Fragebögen zu krankheitsrelevanten Beschwerden und zur Lebensqualität enthält das Programm unter anderem ein Quiz, mit dem sich das Patientenwissen zur medikamentösen Therapie prüfen lässt. Die Eingaben sind vom Arzt einsehbar und liefern unter anderem Hinweise für das persönliche Gespräch mit den Patienten und daran anknüpfende Therapieentscheidungen. Zudem ermöglicht das neue System Ärzten und Schwestern einen kompletten Überblick darüber, welche Therapieschritte anstehen und welche bereits abgeschlossen sind. Alle mit dem System erfassten Daten lassen sich ohne zusätzlichen Aufwand in pseudonymiserter Form an zentrale medizinische Register übermitteln. Auch bietet die Software Formulierungshilfen für anstehende Arztbriefe an.

Das neue Patientenmanagementsystem für Touchscreen-Computer und die Auswertungssoftware entstanden in einer dreijährigen Projektphase am Dresdner MS-Zentrum in Kooperationen mit verschiedenen Projektpartnern. In Pilotstudien mit 15 sowohl niedergelassenen neurologischen Praxen als auch neurologischen Universitätskliniken wurde MSDS 3D erfolgreich erprobt: „Das Patientenmanagement der Zukunft ist für 200 unserer insgesamt 500 Patienten bereits Realität“, sagt der Initiator des Systems und Leiter des MS-Zentrums, Prof. Tjalf Ziemssen. In der sich jetzt anschließenden Projektphase soll nun MSDS 3D deutschlandweit zum Einsatz kommen. „Insbesondere bei innovativen Therapien erhoffen wir uns von dem System eine optimale Sicherheit für unsere Patienten“, sagt Dr. Kersten Guthke. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum Görlitz erwartet zudem eine höhere Patientenzufriedenheit. Das am Dresdner Uniklinikum entwickelte Patientenmanagementsystem soll noch in diesem Jahr in Görlitz zum Einsatz kommen.

In Zukunft sollen bestimmte Funktionen des Managementsystems von den Pa¬tienten verstärkt auch vom heimischen PC oder ihrem Smartphone aus nutzbar sein. Durch die mobile Applikation kann der Patient seinen Arzt von Zuhause aus jederzeit über seinen Krankheitsverlauf informieren, einen Termin vereinbaren oder vom medizinischen Personal Ratschläge und Aufgaben erhalten. „Unser System könnte in Zukunft gerade in Regionen mit einer geringen Ärztedichte dazu beitragen, eine adäquate medizinische Versorgung von MS-Patienten sicherzustellen“, sagt Prof. Ziemssen.

KONTAKT
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Neurologie
MS-Zentrum
Prof. Tjalf Ziemssen
Tel. 0351/ 4 58 74 50
E-Mail: ms@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.neuro.med.tu-dresden.de/ms
http://www.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie