Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind Männer die besseren Wissenschaftler?

18.07.2011
Wissenschaftliche Karrierechancen werden durch geschlechterspezifische Zuschreibungen von Kompetenz beeinflusst.

Männliche Forscher werden beispielsweise als fachlich und methodisch kompetenter wahrgenommen als ihre weiblichen Kolleginnen. Diese Ergebnisse sind Teil des vom BMBF-geförderten Forschungsprojektes der Universität Potsdam „Frauen und ihre Karriereentwicklung in naturwissenschaftlichen Forschungsteams“.

Aktuell führt die Projektgruppe Feedback-Interviews und Teamentwicklungstrainings in Forschungsteams durch – ein bisher in Deutschland einzigartiges Angebot. Interessierte Teams können sich dafür anmelden.

Frauen haben erfolgreich die Forschung erobert – nicht aber deren Führungspositionen. Vor allem die deutsche außeruniversitären Forschung befindet sich fest in Männerhand. Die Zahl der Institutsleiterinnen betrug dort im Jahr 2009 nur sieben Prozent. Wie kann diese Kluft zwischen den Geschlechtern erklärt werden? Und was kann getan werden, um die Karrieremöglichkeiten von Wissenschaftlerinnen zu verbessern?

Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen der Universität Potsdam untersucht, wie sich weibliche und männliche Wissenschaftskarrieren entwickeln. Der Projektschwerpunkt liegt auf außeruniversitären Forschungseinrichtungen, da diese als Orte der Spitzenforschung ein zentrales Element im deutschen Innovationssystem darstellen. Angesiedelt ist das Projekt bei Potsdam Transfer und der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie.

In einem ersten Schritt haben die Projektmitarbeiterinnen Führungspersonen außerhochschulischer Forschungsinstitutionen zu den Organisationsstrukturen ihrer Einrichtungen mit Blick auf die Karrieremöglichkeiten von Frauen interviewt. Zudem wurden 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungseinrichtungen online befragt. Dabei ging es unter anderem um Aspekte wie Arbeitszufriedenheit, Karriereziele, Wahrnehmung von Kompetenzen und geschlechtsspezifische Rollenverteilung in den Forschungsteams.

Die Experteninterviews und die Onlinebefragung bestätigen wieder einmal, dass viel mehr Ähnlichkeiten als tatsächliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern vorhanden sind. Frauen wissen sehr wohl um die karriererelevanten wissenschaftlichen Arbeitsaufgaben und schätzen sich vergleichbar leistungsstark wie ihre männlichen Kollegen ein.

Benachteiligungen entstehen, weil der Zugang zu Karrierechancen nicht gerecht verteilt wird. Beispielsweise werden junge Wissenschaftlerinnen seltener als ihre männlichen Kollegen einbezogen, wenn Drittmittelanträge geschrieben werden. Auch werden sie seltener in Publikationen als Co-Autorinnen genannt, obwohl sie Beiträge zu den veröffentlichten Forschungsergebnissen geliefert haben. Wissenschaftlerinnen werden zwar als sozial kompetenter und teamfähiger eingeschätzt als ihre männlichen Kollegen. Für den Zugang zu Karrierechancen werden aber vor allem fachliche und methodische Kompetenzen sowie die zeitliche Verfügbarkeit als Entscheidungskriterien herangezogen. Diese Kompetenzen werden – sowohl von den männlichen als auch weiblichen Teilnehmern der Onlinestudie – ganz klar eher männlichen Wissenschaftlern zugeschrieben.

Der nächste Schritt im Projekt ist nun die Befragung von Forschungsteams. Zudem bieten die Potsdamer Forscherinnen eineinhalbtägige Teamentwicklungstrainings an – ein Angebot, dass es in Deutschland bisher so nicht gibt. Damit sollen Forschungsteams unterstützt werden, zukünftig noch reflektierter, karriereorientierter und chancengerechter zusammen zu arbeiten. Interessierte Teams von außerhochschulischen Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland können sich für die Teilnahme an der Befragung und/oder den Trainings anmelden.

Die Ergebnisse der Studie können letztlich die Grundlage eines Beratungskonzepts für alle Institutionen bilden, welche die Chancengleichheit für Frauen in ihrem Hause verbessern wollen. Somit sind sie nicht nur für Forschungseinrichtungen relevant, sondern auch beispielsweise für die Industrie. Eine erste Monografie mit den bisherigen Ergebnissen erscheint im September 2011 unter dem Titel „Frauen in den Naturwissenschaften. Ansprüche und Widersprüche“ im VS Verlag.

Hinweis an die Redaktionen:

Kontakt: für allgemeine Fragen zum Projekt: Dr. Patricia Graf, Projektleiterin, Telefon: 0331/977–3476, E-Mail: patricia.graf@uni-potsdam.de, für Feedback-Interviews: Sylvia Schmid, Telefon: 0331/977–3476, E-Mail: sylvia.schmid@uni-potsdam.de, für Teamentwicklungstrainings: Dr. Annett Hüttges, Telefon: 0331/977-2148, E-Mail: huettges@uni-potsdam.de

Sylvia Prietz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

nachricht 36 Forschungsprojekte zu Big Data
21.02.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie