Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher züchten Nase im Labor

07.05.2012
Erste Transplantation auf Patient im Juni geplant

Eine gesamte, ausschließlich im Labor gezüchtete Nase wird demnächst erstmals an Menschen getestet. Britische Forscher wollen auf diese Weise Patienten nach Gesichtsverletzungen versorgen, ohne dabei auf Organe von Spendern zurückgreifen zu müssen.

"Wir sind ein Ersatzteillager für menschliche Körperteile", beschreibt Alexander Seifalian, Leiter des Instituts für Nanotechnologie und regenerative Medizin am University College London gegenüber der "Daily Mail" seine Aufgabe.

Zucht in der Petrischale

Die "Organfabrik" besteht aus Bioreaktoren mit sterilem Umfeld, in dem die gleiche Temperatur, Blut- und Sauerstoffversorgung herrscht wie im menschlichen Körper. Statt der umstrittenen Stammzellen verwenden die Forscher Knochenmarkszellen, die dem Empfänger des Organs entnommen und in eine Vorlage aus Polymeren gesetzt werden. Dieses Kunststoffmodell etwa einer Nase besteht aus Milliarden Molekülen in Nanogröße, deren Löcher vom Gewebe durch- und überwachsen werden. "Das Ergebnis wird wie eine Nase aussehen und sich sogar so anfühlen", wird Seifalian zitiert.

Der abschließende Schritt - die Verpflanzung auf den Empfänger - soll im Juni zum weltweit ersten Mal durchgeführt werden. Die Labornase wird dabei nicht direkt von der Petrischale ins Gesicht eingesetzt, sondern zunächst an eine Stelle unter der Haut am Arm des Patienten. Hier erfolgt der abschließende Reifungsschritt von Haut und Blutgefäßen des neuen Organs bei laufender Überwachung. Stimmt das Ergebnis, kann die Nase an den Ort der endgültigen Bestimmung transplantiert werden.

Hoffen auf Verträglichkeit

Gespannt sind die Forscher besonders auf die Verträglichkeit ihres Ansatzes, die es in klinischen Studien zu belegen gilt. Theoretisch sollten bisherige Probleme mit derartigen Ansätzen - die Verformung des implantierten Organs oder dessen Abweisung durch den Körper - nicht eintreten, betonen die Wissenschaftler. Erfolg gab es bisher bei anderen Organen: Einem 36-jährigen Patienten mit Kehlkopfkrebs wurde kürzlich eine Labor-Luftröhre eingesetzt. Auch Arterien lassen sich auf ähnliche Weise erzeugen: 20 Sekunden lang dauert im Bedarfsfall die Herstellung eines Meters davon, sagt Seifalian.

Mit Einpflanzen beginnt kritische Phase

"Da überall Spenderorgane fehlen, läuft die Erforschung der Laborzüchtung von Organen weltweit auf Hochtouren", berichtet Karin Macfelda, Leiterin des Zellkulturlabors in der Abteilung für Biomedizinische Forschung der Meduni Wien http://www.cellculture.at , gegenüber pressetext. Durchbrüche gab es bisher erst bei Knorpeln - also bei der Ohrmuschel, bei Nasenknorpeln oder bei Gelenken. "Knorpel brauchen nur Gelenksflüssigkeit. Je sensibler die Gewebe, desto schwieriger wird ihre Transplantation, da sie eine schnelle Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff über das Gefäßsystem benötigen", erklärt die Wissenschaftlerin.

Somit gibt es bisher öfters Erfolgsmeldungen aus dem Labor, mit der Implantation beim Patienten beginnt jedoch die kritische Zeit, die bisher in vielen Fällen zu einem Absterben des gezüchteten Gewebes von Innen her geführt hat. "Die Entwicklung in diesem Forschungsgebiet braucht viel Geduld und auch etwas Glück. Schließlich geht es auch um Langzeiterfahrungen, die derzeit noch völlig fehlen", betont Macfelda.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ucl.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Nano-CT-Gerät liefert hochauflösende Aufnahmen von winzigem Stummelfüßer-Bein
07.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie