Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Großregion suchen neue Duft- und Geschmacksstoffe

07.12.2012
Jetzt in der Weihnachtszeit duftet es nach Zimt, Orangen oder Tannennadel. Verantwortlich für diesen Geruch – und den Geschmack – sind bestimmte Inhaltstoffe der Pflanzen, die Terpene.
Sie sind auch für die Arzneimittel- und Parfüm-Herstellung von Bedeutung. Forscher um Rita Bernhardt, Biochemie-Professorin an der Universität des Saarlandes, suchen gemeinsam mit französischen Wissenschaftlern neue Terpen-Verbindungen. Zusammen mit der lothringische Firma Plant Advanced Technologies SA bauen sie derzeit eine Geschmacks- und Duftstoff-Bibliothek auf. Erste Unternehmen wie die BASF und Chanel haben bereits Interesse bekundet.

„Die Welt um uns herum ist voller Duft- und Geschmacksstoffe“, weiß Rita Bernhardt, Biochemie-Professorin an der Saar-Uni. „Bei diesen Substanzen, den Terpenen, handelt es sich um eine große Gruppe von Naturstoffen, die meist in Pflanzen vorkommen.“ Diese Moleküle besitzen verschiedene Eigenschaften, die sie nicht nur für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie interessant machen, sondern auch für die Herstellung von Arzneimitteln, wie die Saarbrücker Professorin weiß: „Viele Terpene besitzen beispielsweise eine entzündungshemmende oder antibiotische Wirkung.“

Zusammen mit französischen Kollegen um Frédéric Bourgaud, Professor an der Universität Lothringen, und Danièle Werck, Forschungsleiterin am Centre National de la Recherche Scientifique in Straßburg, sowie dem Biotechnologie-Unternehmen Plant Advanced Technologies SA suchen die Saarbrücker Biochemiker nach neuen Terpen-Molekülen. Ihr Ziel: Sie möchten eine Geruchs- und Geschmackstoff-Bibliothek aufbauen. Darüber hinaus wollen sie ihre Kenntnisse in einem Kompetenzzentrum für die Terpen-Biosynthese bündeln.

In solchen Wurzeln sammeln Pflanzen die Terpene, die von den Biochemikern der Saar-Uni zu neuen Duft- und Geschmacksstoffen weiterverarbeitet werden.

Foto: Universität Lothringen

„Wir verfügen hier in der Grenzregion über Wissen und Technologie, die es in dieser Art sonst nirgendwo gibt“, erklärt Rita Bernhardt. So seien die französischen Projektpartner auf pflanzliche Stoffwechselwege spezialisiert. Sie arbeiten daran, Pflanzen genetisch derart umzuprogrammieren, dass sie bestimmte Terpene in den Wurzeln synthetisieren. Die Wurzeln können anschließend mittels eines speziellen Verfahrens „gemolken“ werden. Der so gewonnene Pflanzenextrakt wird in einem nächsten Schritt von den Saarbrücker Biochemikern um Rita Bernhardt und Matthias Bureik weiterverarbeitet.

Die Wissenschaftler der Saar-Uni, die jahrelange Erfahrung in der Enzymatik mitbringen, nutzen dazu Bakterien und Hefen. Die Mikroorganismen bauen die Moleküle mittels bestimmter Enzyme um, sodass eine ganze Reihe weiterer Terpen-Verbindungen entsteht. Diese Substanzen könnten künftig als Ausgangsstoffe für viele Produkte der Arzneimittel-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie zur Verfügung stehen.

Dieses Interreg-Projekt (SaarLorBioTec) wird von der Europäischen Union mit über einer Million Euro gefördert. Die deutsch-französische Kooperation soll außerdem dazu beitragen, die Großregion als Standort der biotechnologischen Forschung und Entwicklung zu stärken sowie neue hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen. Am 14. Dezember kommen die Projektbeteiligten zu einem Treffen auf dem Saarbrücker Campus zusammen.
Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Rita Bernhardt
Lehrstuhl für Biochemie
Tel.: 0681 302 4241
E-Mail: ritabern(at)mx.uni-saarland.de

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.saarlorbiotec.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz