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Forschen an der nachhaltigen Stadt der Zukunft

15.02.2011
Aus der Vision soll Wirklichkeit werden: Mit dem Projekt „Ökotopia“ möchte ein interdisziplinäres Forschungsteam an der FH JOANNEUM eine nachhaltige Entwicklung von Stadtteilen ermöglichen. Die ForscherInnen untersuchen dabei die Bedeutung von energetischen, räumlichen sowie sozialen Ressourcen und arbeiten an konkreten Leistungsangeboten für Städte, Bauträger oder Energieunternehmen.

Bereits jetzt leben mehr als die Hälfte der Menschen weltweit in Städten, und dieser Wert wird weiter steigen. Es ist daher eine essentielle Frage, ob es gelingt, diesen Lebensraum zukünftig umweltschonend und zugleich mit hoher Lebensqualität weiterentwickeln zu können.

Der Fachbereich „Leben, Bauen, Umwelt“ an der FH JOANNEUM Graz und Kapfenberg mit allen Studiengängen der Bereiche „Architektur und Bauwesen“, „Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement“ und „Soziale Arbeit“ widmet sich im Projekt „Ökotopia“ diesen Fragestellungen und stellt dabei das Nutzerverhalten der BewohnerInnen in den Mittelpunkt.

„Nachhaltigkeitsperformance“ verbessern

„Technisch gibt es bereits viele ressourcenschonende Lösungen, dennoch sind wir weit vom nachhaltigen Stadtleben entfernt – wir widmen uns daher der Frage nach den Zusammenhängen und hinterfragen bewusst bisherige städtebauliche Annahmen“, erklärt Projektleiter Bernhard Plé vom Studiengang „Soziale Arbeit“.

In interdisziplinärer Zusammenarbeit untersuchen und vergleichen die WissenschafterInnen die sieben Grazer Stadtgebiete Wienerbergersiedlung, Ruckerlberg, Triestersiedlung, Murfeld, Terrassenhaussiedlung, Geidorf und Gries hinsichtlich energetischer, räumlicher und sozialer Ressourcen. Dabei wird erforscht, inwiefern Komponenten wie beispielsweise Bebauungsart, Energieverbrauch, Mobilität oder das soziale Umfeld zueinander in Wechselwirkung stehen und in Summe die „Nachhaltigkeitsperformance“ eines Stadtgebiets beeinflussen.

Die Stadt Graz hat bereits Interesse an den Ergebnissen bekundet und ist in das Projekt eingebunden. „Auch Graz ist eine wachsende Stadt, die mit ihren Ressourcen schonend umgehen muss, da diese nicht unbegrenzt vorhanden sind. Weiters sieht sich Graz auch mit Umweltproblemen konfrontiert – Stichwort Feinstaub, für die im Rahmen von Ökotopia Lösungsansätze entwickelt werden können“, sagt Projektleiter Martin Schloffer vom Studiengang „Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement“.

Nutzerverhalten hinterfragen

Das Forschungsprojekt läuft bis 2014, erste Tendenzen sind jedoch bereits ablesbar – und dabei zeigen sich nicht nur gebietsspezifische Unterschiede, sondern auch, dass StadtbewohnerInnen nicht immer so „logisch“ handeln, wie StädteplanerInnen vielleicht vermuten. So zeichnet sich beispielsweise ab, dass sich eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr nicht unbedingt in einer höheren Nutzung niederschlägt. Oder dass der Zugang zu privatem Grünraum nicht gleich bedeutet, dass man das Wochenende gern im eigenen Garten verbringt. Oder dass Wohngebäude mit einer hohen Funktionsmischung, also etwa mit Lokalen, Geschäften und ärztlicher Versorgung, nicht automatisch zu einer hohen Lebensqualität für die BewohnerInnen beitragen.

„Es geht uns darum, typische Argumentationslinien in der Diskussion um Städteplanung aufzubrechen und damit entsprechende Erkenntnisse etwa auch als Basis für politische Entscheidungen zu liefern“, so Projektleiterin Alexandra Würz-Stalder vom Studienbereich „Architektur und Bauwesen“. Bewusst habe man sich daher für kleinräumige Untersuchungsgebiete entschieden, da man sich damit konkrete Aussagen über das Verhältnis zwischen Nutzerverhalten und stadträumlicher Qualität erwartet. Eine wichtige Frage ist dabei auch, wie soziale Ressourcen wie etwa bürgerschaftliches Engagement oder Nachbarschaftsbeziehungen im Sinne städtebaulicher Nachhaltigkeit aktiviert werden können.

Für Karl Peter Pfeiffer, Rektor der FH JOANNEUM, ist das Forschungsprojekt „Ökotopia“ ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Lösung gesellschaftlicher Zukunftsfragen interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert: „Gerade im Bereich der Stadtentwicklung hat sich gezeigt, dass nicht nur Fragen technischer Effizienz darüber entscheiden, ob zukünftig ein ressourcenschonendes Zusammenleben gelingen kann. Erst wenn auch sozialwissenschaftliche Fragen, wie etwa nach Motiven und Zusammenhängen im Nutzerverhalten, berücksichtigt werden, sind ganzheitliche Lösungsansätze möglich, die sich auch im Alltag bewähren und zu einer hohen Wohnqualität beitragen.“

Leistungsangebot

Das Forschungsteam „Ökotopia“ steht mit konkreten Leistungen wie etwa einem „Nachhaltigkeitscheck“ oder Sozialverträglichkeitsprüfungen für Städte, Institutionen und Unternehmen zur Verfügung, die auf diese Weise die Nachhaltigkeitsperformance von Stadtteilen evaluieren lassen können.

Das Projekt läuft seit Juni 2009 auf fünf Jahre bei einem Gesamtbudget von knapp 1,4 Millionen Euro, und wird zu 70 Prozent von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen der COIN-Programmlinie Aufbau gefördert.

Weitere Informationen:
http://www.youtube.com/watch?v=pSuEXuBm4zg&feature=player_embedded - Studierendenvideo zum Forschungsprojekt "Ökotopia"

Cornelia Schuss | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-joanneum.at

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