Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Weg zur perfekt animierten Rauchwolke

12.03.2015

TUM-Informatiker macht Simulationen realistischer

Simulationen von beeindruckenden Landschaften oder fremdartigen Wesen kennen wir vor allem aus Fantasy- oder Science-Fiction-Filmen. Aber auch in der Medizin und den Ingenieurwissenschaften werden Simulationen immer häufiger eingesetzt.


Fluide zu simulieren ist extrem schwierig.

(Bild: T. Kim, N. Thuerey, M. Gross und D. James)

Der Weg zur perfekten Illusion ist allerdings komplex und zeitaufwendig. Nils Thürey, Professor an der Technischen Universität München (TUM), hat gemeinsam mit seinen Kollegen eine Methode vorgestellt, die diese Berechnungen beschleunigen könnte.

Der Angriff ist ein Höhepunkt im Blockbuster "Avatar": Raketen treffen den Heimatbaum der Nav‘i, der Bewohner von Pandora. Explosionen, Flammen und dicker Rauch sind zu sehen.

Damit diese Bilder die Zuschauer auch wirklich in den Bann ziehen, müssen sie realistisch wirken. Aber gerade Simulationen physikalischer Vorgänge sind schwierig umzusetzen. Zu diesen zählt die Darstellung von Flüssigkeiten und Gasen, die unter dem Begriff Fluide zusammengefasst werden.

Besonders die komplexen, verwirbelten Bewegungen bereiten den Programmierern Schwierigkeiten, erklärt Prof. Nils Thürey von der Fakultät für Informatik der TU München. "Für drei Sekunden einer solchen Szene werden hunderte Simulationen durchgeführt, von denen jede einzelne oft mehr als zehn Stunden Rechenzeit braucht."

Von der Natur abgeguckt

Zeit, die großen Filmproduktionen zur Verfügung steht. Doch bei anderen Anwendungen ist das nicht der Fall. In Computerspielen etwa müssen Simulationen an die Aktionen der Spieler angepasst werden. Dabei werden die Grenzen für eine realitätsnahe, schnelle und flexible Simulation von Fluiden schnell erreicht. Auch in der Medizin und den Ingenieurwissenschaften ist die Schnelligkeit zum Beispiel bei Simulationen von Blut oder Luftwirbeln von großer Bedeutung.

Um den Rechenprozess zu beschleunigen, gehen die Wissenschaftler sozusagen zurück zum Ursprung: Sie analysieren das Verhalten von echten Flüssigkeiten und Gasen. Um aus diesen Beobachtungen Daten zu erhalten, die für die Berechnungen von Simulationen brauchbar sind, waren bisher aufwendige Techniken nötig. Thürey hat in Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern gezeigt, dass es möglich ist, die Daten aus einfachen Videoaufnahmen zu errechnen. Ihre Methode stellten die Forscher im Journal "ACM Transactions on Graphics" (TOG) vor.

Autovervollständigung der Bewegungen

Bei Phänomenen wie Rauchwolken sind die komplizierten Verwirbelungen auf Videobildern kaum oder gar nicht zu erkennen. Um diese Lücken zu füllen, setzten die Wissenschaftler wiederum Simulationen ein. Anhand von Erfahrungswerten und physikalischen Gesetzmäßigkeiten führt das Programm eine Art Autovervollständigung durch. "Diese Fähigkeit besitzt auch unser Gehirn", erklärt Thürey. "So ergeben einzelne Punkte auf dem Papier plötzlich ein Bild, auch wenn diese in der Realität nicht verbunden sind."

Nach diesem Prinzip berechnet die Simulation, wie die Bewegungen wahrscheinlich abgelaufen sind, auch wenn die Daten dies nicht eindeutig zeigen.

Medizinische Diagnosen und spektakuläre Effekte

Die Methode soll nun für verschiedene Anwendungen optimiert werden. So könnten Simulationen des Blutflusses in Verbindung mit der Computertomografie dabei helfen, die Gefährlichkeit eines Aneurysmas zu beurteilen. Auch für die Konstruktion von Tragflächen und anderen aerodynamischen Körpern sind Simulationen von Fluiden nötig. Und natürlich könnten die neuen Programme auch Computerspiele verbessern – und für spektakuläre Explosionen auf dem Bildschirm sorgen.

Bild- und Videomaterial zum Download: http://go.tum.de/869987
Interview mit Prof. Nils Thürey (Youtube): http://youtu.be/cVxmZF2Kazo
Publikation: James Gregson, Ivo Ihrke, Nils Thuerey, Wolfgang Heidreich: From Capture to Simulation – Connecting Forward and Inverse Problems in Fluids, ACM Transactions on Graphics (TOG) DOI: 10.1145/2601097.2601147

Kontakt:
Prof. Dr. Nils Thürey
Technische Universität München
Fakultät für Informatik
Tel: +49 89 289 19484
nils.thuerey@tum.de

Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 500 Professorinnen und Professoren, 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mehr als 37.000 Studierenden eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, ergänzt um Wirtschafts- und Bildungswissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit einem Campus in Singapur sowie Niederlassungen in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel und Carl von Linde geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands.
www.tum.de
 

Media Relations | Technische Universität München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Wie formen autonome Fahrzeuge die Städte der Zukunft?
31.01.2017 | Daimler und Benz Stiftung

nachricht Der «Attraction Effect»: So lässt sich unser Gehirn beeinflussen
30.01.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie