Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Family-Nursing als Ausweg aus dem Pflegedilemma

10.09.2001


Universität Witten/Herdecke präsentiert erste Langzeitstudie zur Pflegesituation von Wachkoma-Patienten

Mit einer neuen Studie zur Situation von Wachkoma- und Langzeitpatienten in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke (UWH) an die Öffentlichkeit getreten. Die vom Ministerium für Arbeit und Soziales NRW geförderte und von der UWH-Dozentin Christel Bienstein und Prof. Dr. H.-J. Hannich betreute Studie ist die erste dieser Art in Deutschland. Sie analysiert nicht nur die Situation von Wachkomapatienten, sondern gibt auch konkrete Handlungsempfehlungen an Politik, Pflegekassen und Betroffene.
In Deutschland werden nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation etwa 6000 Wachkoma- und Langzeitpatienten in Familien und Pflegeeinrichtungen betreut. Jährlich kommen allein in NRW 1000 dazu. Ursachen sind neben schweren Schädel-Hirn-Traumen (ca. 35-40 Prozent) auch Ertrinkungsunfälle, Suizid-Versuche und Narkoseunfälle. Die Pflege solcher Menschen stellt vor allem Familien - sie tragen die Hauptlast der Versorgung -
vor oft unlösbare Probleme, obwohl sich, wie die Studie einräumt, die Betreuungssituation in den letzten Jahren schon verbessert habe.
Die Untersuchung gibt erstmalig auf breiter empirischer Grundlage Handlungsempfehlungen an den Gesetzgeber. Zur Entlastung von Familien empfiehlt sie, ein so genanntes "Family-Nursing" in Deutschland einzuführen wie auch schon im Nachbarland Holland. Die Family-Nurse - eine Art Pflegemanagerin - verfügt über umfangreichere Fähigkeiten, als sie Pflegende bisher haben. Sie kann den Pflegebedarf des Betroffenen ermitteln und Ansprüche gegenüber den Kassen durchsetzen. Sie vermittelt geeignete Therapeuten, Pflegende und Mediziner und koordiniert deren Arbeit. Und sie berät bei der Finanzierung der erbrachten Leistungen. Kurz: Sie ist für die Betroffenen Ansprechpartnerin an allen Fragen der Pflege. Das Modell würde sich auch kostendämpfend auswirken: "Der für die Pflegekassen extrem kostspielige Drehtüreffekt, bei dem Patienten von Arzt zu Arzt geschickt werden, würde durch eine bessere Koordination der Pflegleistungen vermindert", erklärt Christel Bienstein, Leiterin des Instituts für Pflegewissenschaft an der UWH. Organisatorisch könnte das Family-Nursing bei den Pflegekassen, den Gesundheitsämter, aber auch bei den Hausärzten angesiedelt werden. Weitere Forderungen an den Gesetzgeber: Instrumente zur Erfassung des Pflegebedarfs entwickeln, Zertifizierung von Pflegeinrichtungen, tagesbetreuende Angebote schaffen.

Kontakt: Institut für Pflegewissenschaft: 02302/669-358

Die vollständige Studie ist zu beziehen über:
Otto Inhester
Hervester Straße 26
46286 Dorsten
Tel.: 02369/23366

Christiane Bensch | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie