Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU Kommission fördert Entschwefelung von Autoabgasen

29.08.2002


Die Europäische Kommission hat soeben ein neues internationales Forschungsprojekt zur Entschwefelung von Autoabgasen im Umfang von mehr als 1,8 Millionen Euro aufgelegt. In diesem Projekt, an dem neben universitären und industriellen Forschungseinrichtungen aus Italien, Irland und Großbritannien auch das Institut für Angewandte Chemie Berlin-Adlershof e.V. (ACA) beteiligt ist, soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen der aus dem Treibstoff und den Schmierstoffen herrührende restliche Schwefel aus den Abgasen von Autos entfernt werden kann.

Hintergrund für diese Versuche sind einerseits die Bemühungen der Autoindustrie, den Treibstoffverbrauch der Motoren, und damit den CO2-Ausstoß, merklich zu sen-ken und andererseits die im Jahre 2005 in Kraft tretenden neuen Abgasnormen für Stickoxide (Euro-IV-Norm) zu erfüllen. Die Forderung der EU, die zulässige Konzentration der für die Umwelt sehr schädlichen Stickoxide in Autoabgasen im Jahre 2005 nochmals zu halbieren, erfordert die Konzipierung und den Einsatz einer völlig neuen Generation von Abgaskatalysatoren, den sogenannten
NOx-Speicherkatalysatoren. Hierbei werden die schädlichen Stickoxide für eine bestimmte Zeit (Minuten) durch den Katalysator gespeichert, um dann durch ein ausgeklügeltes technisches Verfahren im Sekundenbereich in Luftstickstoff umgewandelt zu werden.

Schwefel ist nun ein berüchtigtes Gift für derartige Katalysatoren. Auch die geringen Mengen an Schwefel, die in schwefelarmen Treibstoff noch vorhanden sind, kombiniert mit den Mengen, die unvermeidbarer Bestandteil der Motorschmierstoffe sind, verringern kontinuierlich die Effektivität dieser hochgezüchteten Speicherkatalysatoren und würden schließlich zu einem völligen Verlust ihrer Funktion führen.

Hier setzt nun das oben genannte europäische Projekt an. Aufbauend auf erfolgversprechenden Vorversuchen soll eine sogenannte "Schwefelfalle" entwickelt werden, in der der gesamte im Abgas befindliche Schwefel absorbiert wird, bevor das Abgas auf den Speicherkatalysator trifft. Als Material für eine derartige Schwefelfalle kommen hochporöse oxidische Materialien (Molekularsiebe) in Frage, von denen fünf Gramm Material eine Oberfläche von bis zu 5000 qm haben kann (das entspricht etwa der Fläche von einem Fußballfeld). Wäre dieses Projekt erfolgreich, so wären gleichzeitig zwei Probleme gelöst: erstens könnte die genannte Vergiftung der NOx-Speicherkatalysatoren vermieden werden und zweitens wäre damit ein für alle mal die Verpestung der Luft mit giftigen und stinkenden Schwefelverbindungen verhindert.

Am ACA Berlin befassen sich schon seit vielen Jahren mehrere Wissenschaftler mit Autoabgaskatalysatoren. Partner und Geldgeber dieser Forschungen sind neben der EU auch das BMBF sowie die Produzenten der Katalysatoren und die Autoindustrie.

Dr. Martin Penno | idw
Weitere Informationen:
http://www.aca-berlin.de

Weitere Berichte zu: Abgas Autoabgas Entschwefelung Katalysator Schwefel Stickoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise