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Pl@Net - Planungsprozesse neu gestalten

16.08.2002

Die Lebenszyklen der Produkte werden kürzer, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Funktion, Qualität und Kosten. In der Folge wächst der Druck auf die Produktion und die Produktentwicklung, Planungszyklen zu verkürzen und Konzepte flexibel zu gestalten. Hilfestellung bieten in diesem Zusammenhang IT-Werkzeuge wie Simulationsprogramme und CAx Tools, die die Aufgaben während der Entwicklung und Planung beschleunigen und die Ergebnisqualität erhöhen. Häufig behandeln sie jedoch nur Ausschnitte der zu betrachtenden Prozesse. Dieses führt oft zu isolierten Betrachtungsweisen, die eine gemeinsame Planung von Produkt- und Produktionsentstehung hemmen und durch Schnittstellenprobleme Reibungsverluste erzeugen. Um diese Problematik zu umgehen und eine ganzheitliche Planung zu ermöglichen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Demonstrationszentrums »Virtuelle Produkt- und Produktionsentstehung (DZ-ViPro)« das Modell »Pl@Net« entwickelt. Im »DZ-ViPro« haben sechs Fraunhofer-Institute ihre Kompetenzen gebündelt, um kleinen und mittleren Unternehmen bei der Integration von Prozessen, Methoden und Werkzeugen in Entwicklung und Produktion zu unterstützen.

»Pl@Net« bildet Produkt- und Produktionsprozesse in einem Planungsnetzwerk ab. Bereits prototypisch mit Aris von IDS Scheer realisiert wird dieses Modell kontinuierlich weiter entwickelt. Es besteht aus für den Planungsprozess wichtigen Objekten wie Aufgaben, Informationen und Methoden, die logisch miteinander verknüpft sind. Das Modell basiert einerseits auf aktuellen theoretischen Grundlagen. Zum anderen fließen Erfahrungen aus Projekten ein, um es möglichst realitätsnah zu gestalten. Da sich die Unternehmen in ihren Abläufen und in ihren Anforderungen unterscheiden, sind zudem Kombinationen von Prozessfolgen hinterlegt, aus denen sich individuelle Entwicklungs- und Planungsprozesse zusammenstellen lassen. Die Verknüpfung der Planungs- und Entwicklungsaufgaben innerhalb beliebiger Prozessfolgen führt schließlich zu einem Netzwerk. »Bedenkt man, dass leicht über 200 mögliche Aufgaben identifiziert werden können, steht man einer schwer handhabbaren Komplexität gegenüber«, skizziert Timm Kuhlmann vom Fraunhofer IPA das Grundproblem. Ziel von »Pl@Net« ist es deshalb, die Komplexität handhabbar zu machen und so den Planer in die Lage zu versetzen, aus dem Gesamtwissen über die Entstehungsprozesse Nutzen für seinen individuellen Prozess zu ziehen.

»Dabei ist es gleich, ob es um die Modellierung eines neuen Gesamtprozesses von Produkt- und Produktionsentstehung geht oder um die gezielte Analyse von Schwachstellen im bisherigen Ablauf«, erklärt Kuhlmann. Im ersten Fall kann der Anwender über intuitive dialogbasierte Steuerung einen angestrebten Prozess modellieren. Im Rahmen der Detail-Anpassungen kann er Prozessschritte hinzufügen oder entfernen. Geht es allein um die detaillierte Schwachstellenanalyse, kann in Teilbereichen sofort in detaillierte Ebenen eingetaucht werden, um das Problem schnellst möglich zu lokalisieren. Ist das Problem erkannt, unterstützt »Pl@Net« durch die Darstellung von Lösungsalternativen, die sich bei der Betrachtung von alternativen Aufgaben und anderer möglicher Prozesswege im Umfeld des Problems ergeben. »So können alle Beteiligten rasch Alternativen diskutieren und auf ihre Anwendbarkeit hin überprüfen«, sagt Stephanie Aslanidis vom Fraunhofer IAO. Das Ergebnis ist ein kürzerer Prozess, mit aufeinander abgestimmten Schnittstellen zwischen den einzelnen Aufgaben. »Das hilft Fehler vermeiden und erhöht die Entwicklungs- und Planungsqualität«, erklärt Aslanidis. Zusätzlich wird Zeit eingespart, da umständliche Informationskonvertierungen zwischen Aufgaben entfallen.

Zusätzlich zu dem Planungsaspekt bietet »Pl@Net« die Möglichkeit, zu den einzelnen Aufgaben Informationen zu passenden Methoden und deren Werkzeugen zu erhalten. So kann der Nutzer sich leicht über Alternativen informieren und gemäß seiner Kapazitäten und des verfügbaren Know-hows passende Methoden bzw. Werkzeug auswählen. Die Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Hilfsmittel spart zusätzlich Ressourcen, die oft bei kleinen und mittelständischen Unternehmen stark begrenzt sind.

Dipl.-Wirt.-Ing. Timm Kuhlmann | Mediendienst

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