Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenextrakt bringt Immunität gegen Masern auf den Tisch

22.07.2002


Essbarer Impfstoff muss nicht gekühlt werden und ist kostengünstig produzierbar

Virologen des Macfarlane Burnet Institute in Melbourne sind in der Entwicklung eines essbaren Impfstoffes einen weiteren Schritt voran gekommen. Die Wissenschaftler versetzten Mäusen eine DNA-Masern-Impfung. Das Masern-Virus gilt als eines der gefährlichsten menschlichen Viren, das jährlich zu rund 800.000 Todesfällen in Afrika führt. Ein essbarer Impfstoff sei gerade für Entwicklungsländer eine Errungenschaft, da das Serum nicht gekühlt werden muss.

Forscher um den Virologen Steve Wesselingh injizierten Mäusen den DNA-Masern-Impftstoff. Die Muskelzellen der Nagetiere produzierten anschließend ein virales Protein an der Oberfläche und das Immunsystem der Mäuse startete die Antikörper-Produktion. Nach 21 bzw. 90 Tagen nach der Impfung wurde den Tieren die Flüssigkeit von Tabakpflanzen gefüttert, die das selbe virale Protein enthielten. Das Extrakt stammte von genetisch manipulierten Tabakpflanzen, die im Inneren ihrer Zellen Masern-Proteine bildeten.

Die Mäuse produzierten mehr Antikörper gegen Masern als Tiere, denen der Saft herkömmlicher Pflanzen gefüttert wurde, schreiben die Forscher in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Nature. Die Kombination aus DNA und oraler Impfung erhöhte den Antikörper-Gehalt auf jenen Wert, der bei Menschen einen Schutz bewirkt. "Dass der Impfstoff bei Mäusen wirkt, heißt nicht, dass er dies auch bei Menschen tut", erläuterte Gregory Poland, Direktor der Mayo-Impf-Forschungsgruppe in Rochester, Minnesota. Aber eine orale Impfung sei ökonomisch und praktisch. "Der Impfstoff ist kostengünstig zu produzieren und auch das Problem der Kühlung in Ländern, in denen Elektrizität Mangelware ist, ist gelöst", so Poland.

Das Wesselingh-Team unternimmt bereits weitere Schritte für die Entwicklung eines essbaren Impfstoffes. Sie haben Salat und Reis mit dem Masern-Impfstoff ausgestattet. Der Impfstoff soll bei Pavianen getestet werden. Auch andere Forschergruppen rüsten sich für neue Impfstrategien. Forscher des Roswell Park Cancer Institute in Buffalo, New York, haben einen Kartoffel-Impfstoff entwickelt, der in Kombination mit einer Hepatits-B-Impfung zum Einsatz kommen soll. Die ersten Patienten wurden bereits geimpft. Aber selbst wenn sich ein essbarer Impfstoff als wirksam erweist, sind internationale Anstrengungen notwendig, um für genetisch modifizierte Saatguten eine Zulassung zu erhalten und für Zucht und Dosierung Richtlinien zu schaffen.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.burnet.edu.au/internet
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Impfstoff Impfung Maser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE