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Die Chancen der Zukunft analysieren

11.07.2002


VolkswagenStiftung bewilligt 450.000 Euro für zwei Projekte zur Innovationsforschung an den Universitäten Bochum und Mannheim

In der öffentlichen Debatte um die Zukunft moderner Gesellschaften spielt die Forderung nach Innovationsfähigkeit eine Schlüsselrolle. Unstrittig ist, dass die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft davon abhängt, wie gut das Zusammenspiel staatlicher, gesellschaftlicher, unternehmerischer und wissenschaftlicher Akteure funktioniert. So wird Innovationspolitik in steigendem Maße als eine zentrale politische Aufgabe angesehen, die das Entstehen eines Politikfeldes neuen Zuschnitts notwendig macht, in dem sich Initiativen in Forschung und Entwicklung, Bildung und Wissenschaft sowie Aspekte der Wirtschafts-, Umwelt-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik verbinden. In dem Bewusstsein, dass diese Debatte wissenschaftlich fundierter Analysen über die Formen, Voraussetzungen und Folgen technischer wie sozialer Innovationen bedarf, hat die VolkswagenStiftung vor kurzem den Schwerpunkt "Innovationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft" eingerichtet. Die ersten beiden Bewilligungen in diesem neuen Schwerpunkt wurden jetzt ausgesprochen:

  1. 250.000 Euro für das Vorhaben "Conditions of Social Innovation Processes - an International Comparison of Local Agenda Processes in Germany and South Africa" an der Universität Bochum;

  2. 200.000 Euro für das Vorhaben "Organizational Innovation? The Role of New Information and Communication Technologies in Political and Commercial Organizations" an der Universität Mannheim.

zu 1: Mit 250.000 Euro gefördert wird ein Projekt der Professoren Dr. Uwe Andersen und Dr. Heiner Dürr vom Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik der Universität Bochum, das den Bedingungen sozialer Innovation nachgeht. Die 1992 in Rio de Janeiro auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung verabschiedete Agenda 21 enthält solch eine soziale Innovation: Erstmals wurde international eine Vereinbarung getroffen, die ausdrücklich Verhaltensänderungen auf der lokalen Ebene einfordert, um globale Problemzusammenhänge anzugehen. Das angestrebte Prinzip, wonach allen gesellschaftlichen Gruppen hierbei eine breite Beteiligungsmöglichkeit zusteht, bedeutet eine institutionelle Innovation im Verhältnis von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und Bürgern. Als konzeptuell innovativ erscheint auch der Gegenstand der Lokale-Agenda-Prozesse: das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, das sich auf lokaler Ebene nur durch eine Reihe sozialer Innovationen - etwa hinsichtlich des Lebensstils, der Entscheidungsprozesse und der Kommunikationsformen - umsetzen lässt.

Obwohl es inzwischen weltweit rund 6.000 Lokale-Agenda-Prozesse gibt - darunter allein 2.000 in Deutschland - fehlt es für eine Bilanz der bisher erreichten Fortschritte vor allem an interkontinentalen und interkulturellen Vergleichen. Mit Blick auf die für 2002 geplante "Rio + 10"-Konferenz in Johannesburg wollen die Bochumer Forscher - gemeinsam mit Kollegen der University of the Western Cape in Bellville/Südafrika - untersuchen, inwieweit sich der Lokale-Agenda-Prozess in verschiedenen politischen und sozio-ökonomischen Kontexten dauerhaft verankern lässt. Signifikante Unterschiede werden nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Staaten erwartet. Der geplante Vergleich zwischen Deutschland und Südafrika erfolgt auf der Grundlage von Fallstudien in Bochum, Leipzig, Durban und Kapstadt.

zu 2: Von der VolkswagenStiftung mit 200.000 Euro gefördert, untersuchen die Privatdozenten Dr. Andrea Römmele und Dr. Michael Woywode vom Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim, wie einerseits politische, andererseits kommerziell ausgerichtete Organisationen neue IuK-Technologien nutzen - und ob dadurch die Entwicklung innovativer Organisationsformen angeregt wird. Während im Hinblick auf den Einsatz von IuK-Technologien bisher für die Politik vor allem die Außenbeziehungen von Parteien zu Wählern und Bürgern erforscht werden, liegt der bisherige Schwerpunkt bei den Unternehmen auf der innerorganisatorischen Nutzung der IuK.

Konkret werden die Wissenschaftler 60 deutsche Organisationen - je 30 aus dem politischen und kommerziellen Bereich - unter die Lupe nehmen: im politischen Segment neben den fünf im Bundestag vertretenen Parteien auch Verbände und Gewerkschaften sowie neue soziale Bewegungen; im kommerziellen sowohl etablierte Unternehmen unterschiedlicher Größe als auch Start-Ups. Mittels Leitfadeninterviews mit den zentralen Akteuren der jeweiligen Organisationen wird nach den Motiven, den Einsatzbereichen und den Auswirkungen neuer IuK-Technologien gefragt. E-Mail-Umfragen sowie Server-Statistiken sollen Auskunft geben über das Nutzerverhalten der Mitarbeiter. Die entsprechenden Homepages werden inhaltsanalytisch untersucht. Die Forschungsfragen beziehen sich auf die systemischen und technischen Gelegenheitsstrukturen, die Organisationskapazitäten und die Anreize für die Organisationen. Am Schluss des Projekts soll eine internationale Tagung zudem einen Vergleich ermöglichen mit der Situation in Frankreich, Großbritannien, Italien und den USA.

Kontakte VolkswagenStiftung


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung,
Telefon: 05 11/83 81 - 380,
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Förderinitiative Dr. Alfred Schmidt,
Telefon: 05 11/83 81 - 237,
E-Mail: schmidt@volkswagenstiftung.de

Kontakt Universität Bochum
Professor Dr. Uwe Andersen,
Telefon: 02 34/3 22 51 70,
Fax: 02 34/3 21 44 87

Kontakt Universität Mannheim
Priv.-Doz. Dr. Andrea Römmele,
Priv.-Doz. Dr. Michael Woywode,
Telefon: 06 21/1 81 16 04,
Fax: 06 21/1 81 16 03

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse02/11072002.htm

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