Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TUM-Forscher entwickeln Abwehrsystem "TCP Stealth" gegen Cyberangriffe

15.08.2014

Möglicher Schutz gegen Geheimdienst-Software "Hacienda"

Eine Journalistengruppe hat heute über die Spionagesoftware "Hacienda" berichtet. Mit dieser identifizieren laut dem Bericht fünf westliche Geheimdienste angreifbare Rechner weltweit, um sie übernehmen und für eigene Zwecke nutzen zu können. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben eine freie Software entwickelt, die dabei helfen kann, eine solche Identifizierung und damit auch eine Kaperung der Computer zu verhindern. 


Eine neue Software schützt vor Cyberangriffen.

(Bild: Artur Marciniec/Fotolia.com)

Portscanner sind Programme, die im Internet nach Systemen suchen, die potentielle Schwachstellen aufweisen. Laut dem Bericht, den Journalisten heute auf "heise online" veröffentlicht haben, ist "Hacienda" ein solcher Portscanner. Betrieben wird er demnach von den "Five Eyes", einem Zusammenschluss der Geheimdienste der USA, Kanadas, Großbritanniens, Australiens und Neuseelands. "Das Ziel ist es, möglichst viele Rechner in anderen Ländern zu identifizieren, die übernommen werden können", erklärt Dr. Christian Grothoff, Emmy-Noether-Gruppenleiter am Lehrstuhl für Netzarchitekturen und Netzdienste der TUM.   

Neue Software "TCP Stealth" 

Grothoff hat mit Studierenden der TUM die Verteidigungs-Software "TCP Stealth" entwickelt, die die Erkennung von Systemen im Internet durch diese und ähnliche Cyberangriff-Software verhindern kann. Und damit auch die ungezielte und massenhafte Übernahme von Rechnern weltweit, wie der IT-Experte erklärt. Es handelt sich um freie Software, für deren Einsatz bestimmte Systemvoraussetzungen und Computerkenntnisse notwendig sind, wie etwa ein GNU/Linux-Betriebssystem. Um einen breiten Einsatz in Zukunft möglich zu machen, soll sie weiterentwickelt werden.

Bereits jetzt jedoch geben die Forscher Systemadministratoren mit "TCP Stealth" ein weiteres Werkzeug zur Verteidigung ihrer Systeme an die Hand. Denn: Firewalls, virtuelle private Netzwerke und andere bestehende Techniken schützen nur bedingt gegen derartige Cyber-Angriffe.  

Die Verbindung eines Nutzers mit einem Server im Internet funktioniert nach dem sogenannten Transmission Control Protocol (TCP). Zunächst muss sich ein Nutzer bei einem Dienst identifizieren. Dazu wird ein Datenpaket an den Server geschickt. "Damit fragt der Nutzer: Bist du da?", erklärt Grothoff. Der Dienst antwortet dem Nutzer auf die Anfrage. In dieser Antwort stecken manchmal bereits Informationen, die für einen Angriff genutzt werden können.  

Geheimer Code und Prüfnummer 

Die neue freie Software der TUM-Forscher basiert auf folgendem Prinzip: Es existiert eine  Zahl, die nur dem Client-Rechner und dem Server bekannt ist. Auf Basis dieser Zahl wird ein geheimer Code generiert, der unsichtbar während des Verbindungsaufbaus zum Server gesandt wird. Ist der Code nicht korrekt, antwortet das System nicht. Der Dienst stellt sich "tot". Ähnliche Abwehr-Maßnahmen sind zwar bereits bekannt, allerdings ist das Schutzniveau der neuen Software höher. 

Auch schützt "TCP Stealth" im Gegensatz zu bereits existierender Verteidigungs-Software gegen eine weitere Variante eines solchen Cyberangriffs. Dieser besteht darin, dass in den laufenden Datenstrom zwischen Nutzer und Server eingegriffen wird, nachdem bereits eine Verbindung aufgebaut wurde. Die Daten, die vom Nutzer an den Server gesendet wurden, werden dabei abgefangen und durch andere Informationen ersetzt. Der Brief wird sozusagen, nachdem er in den Postkasten geworfen wurde, aus dem Umschlag genommen und durch einen anderen Brief ersetzt.  

Um das zu verhindern, wird mit dem ersten Verbindungsaufbau auch noch eine Prüfnummer gesendet. Diese kann der Server nutzen, um zu erkennen, ob er die richtigen Inhalte erhalten hat.      

Experten, die die freie Software einsehen, einsetzen oder weiterentwickeln möchten, können sie unter https://gnunet.org/knock herunterladen. 

Kontakt

Dr. Christian Grothoff
Technische Universität München
Lehrstuhl für Netzarchitekturen und Netzdienste
knock@gnunet.org

Antworten auf Anfragen sind aufgrund von laufenden Konferenzen nur eingeschränkt möglich. 

Pressestelle TUM:
presse@tum.de
0162 2098218
0162 2953123

Redaktion: Stefanie Reiffert

Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 500 Professorinnen und Professoren, 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 36.000 Studierenden eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, ergänzt um Wirtschafts- und Bildungswissenschaft. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit einem Campus in Singapur sowie Niederlassungen in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel und Carl von Linde geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands. www.tum.de

Dr. Christian Grothoff | Technische Universität München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie