Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Ilmenau entwickelt autonomen Inspektionsroboter für Trinkwasserleitungen

01.03.2013
Die Technische Universität Ilmenau hat soeben ein Verbundprojekt gestartet, in dem sie zusammen mit Thüringer Partnern einen Roboter entwickeln wird, der Trinkwasserleitungen befährt und den Zustand der Rohre inspiziert. Damit er auch für die Inspektion langer Rohrleitungen geeignet ist, muss der Roboter seine Mission autonom, also ohne menschlichen Bediener und ohne externe Stromversorgung durchführen.

Ein Inspektionsroboter, der eine unter Druck stehende Wasserleitung selbstständig befährt, ist für die Wissenschaftler und Ingenieure eine große Herausforderung. Sie müssen einen robusten, das heißt fehlerunanfälligen Antrieb und hochempfindliche Sensortechnologie entwickeln.

Dabei arbeitet das Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik der TU Ilmenau an der eigentlichen Intelligenz des Inspektionsroboters. Ein Forscherteam um Prof. Horst Michael Groß entwickelt die Verfahren, mit denen der Roboter selbstständig die Mission plant, die eigene Position innerhalb der Trinkwasserleitung lokalisiert, Hindernisse erkennt und vermeidet und autonom den effektivsten Weg zum Ziel und zurück zum Ausgangspunkt auswählt. An dem Verbundprojekt sind neben der TU Ilmenau die Firma OPTIMESS Engineering aus Gera und die Thüringer Fernwasserversorgung mit Sitz in Erfurt beteiligt.

Das Projekt ist eines von nur acht Verbundprojekten, die das Bundesforschungsministerium aus 45 eingereichten Vorschlägen für die Fördermaßnahme „Servicerobotik“ ausgewählt hat. Bei einer Laufzeit bis 2015 hat es ein Gesamtvolumen von einer Million Euro, von denen das Forschungsministerium 642.000 Euro bereitstellt. Der Restbetrag wird von den beteiligten Unternehmen als Eigenanteil aufgebracht, was das große Interesse der Wirtschaft an dem Projekt deutlich macht. Mit der Förderung solcher Systementwicklungen will der Bund Servicerobotik wirtschaftlicher und alltagstauglicher machen und die deutsche Robotikindustrie stärken.

In Deutschland dient das Fernwasserversorgungssystem dem Transport großer Trinkwassermengen aus Gebieten mit Wasserüberschuss in Gebiete mit Wasserdefiziten. Die meisten Trinkwasserleitungen sind inzwischen bis zu 60 Jahre alt. Da die gesamte Lebensdauer solcher Rohrleitungen mit 70 bis 80 Jahren geschätzt wird, bleibt bis zu ihrer Sanierung nicht viel Zeit. Eine Erneuerung des gesamten Rohrleitungsnetzes innerhalb weniger Jahre ist bei Kosten von einer Million Euro pro Kilometer Leitung nicht finanzierbar. Daher beabsichtigen die zuständigen Behörden, einzelne Rohrleitungsabschnitte nacheinander zu erneuern, das heißt, in der Reihenfolge, die von vorhandenen Verunreinigungen und Schäden vorgegeben wird.

Allerdings werden die Planungen dadurch erschwert, dass sie derzeit fast ausschließlich auf Informationen basieren, die von außerhalb der Rohrleitungen gewonnen werden. Hinzu kommt, dass herkömmliche Inspektionen sehr aufwändig sind. Ganze Leitungsabschnitte müssen zeitgleich außer Betrieb genommen, vollständig entleert und nach der Inspektion, bevor sie endgültig wieder mit Trinkwasser gefüllt werden, mindestens drei Mal gespült werden. Da dies zu einer mindestens 24-stündigen Unterbrechung der Trinkwasserversorgung ganzer Städte führt, werden im deutschen Fernleitungsnetz heute kaum solche Inspektionen durchgeführt. Autonome Inspektionsroboter für Trinkwasserleitungen, wie sie das Konsortium um die TU Ilmenau nun entwickelt, bedeuten für die Verbraucher eine sichere und langfristig wirtschaftliche Fernwasserversorgung.

Kontakt:
Prof. Horst Michael Groß
Leiter Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik
Tel.: 03677 / 69-2858
Email: horst-michael.gross@tu-ilmenau.de

Bettina Wegner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-ilmenau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie