Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Staumeldung lässt Wecker früher klingeln

30.09.2008
Besuch zum Abendessen angesagt und Kühlschrank samt Keller leer oder zumindest nicht ausreichend bestückt - was kochen, was einkaufen? Da hilft in Zukunft vielleicht Atraco (Adaptive and Trusted Ambient Ecologies), sinngemäß übersetzt und der Projektbeschreibung zufolge "ein anpassungsfähiger und zuverlässig arbeitender Raum, bevölkert von miteinander vernetzten und mit ihrer Umgebung sowie mit den Menschen in Beziehung stehenden Geräten und Diensten, die die Nutzer bei ihren alltäglichen Aktivitäten sinnvoll unterstützen".

Dann reicht im Zweifelsfall sogar eine gesprochene Gästeliste. Den Rest erledigt Atraco, von der Rezeptauswahl über die Einkaufsliste und die Bestellungen bis zum Musikprogramm. Vorausgesetzt kulinarische und musikalische Vorlieben der Besucher sind in der dynamischen Datenbank gespeichert.

Noch freilich ist Atraco nur ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt, finanziert aus dem siebten Rahmenprogramm der Europäischen Union (EU) mit 2,5 Millionen Euro. Beteiligt sind 22 Wissenschaftler in fünf Forschungseinrichtungen in England, Frankreich, Griechenland und Deutschland. Gemeinsame Projektleiter sind Professor Wolfgang Minker und sein Doktorand Tobias Heinroth vom Institut für Informationstechnik der Universität Ulm. "Grundidee ist das intelligente Haus", sagt Heinroth, "unsere Ausgangsbasis sind bewohnte Räume mit verschiedenen integrierten Geräten und Technologien". Ziel des Projekts sei nun, dass diese untereinander und mit Menschen kommunizieren können, mittels Spracherkennung unter anderem, interaktiv und mit einer besonderen Fähigkeit: "Das System soll vom Benutzer lernen, sich dynamisch weiterentwickeln", so der junge Wissenschaftler, der neben der Projektsteuerung inhaltlich für die Komponenten Sprachdialoge und Interaktion zuständig ist.

Wobei freilich eine konventionelle Dialogführung mit dem Rechner nicht ausreiche: "Sie funktioniert ja nur starr im Rahmen programmierter Schritte." Hier aber sei hohe Flexibilität gefordert, Mitdenken des gesamten Systems sozusagen. Wenn eine morgendliche Staumeldung im Verkehrsfunk die ursprünglich vorgegebene Weckzeit vorverlegen soll, den Start der Kaffeemaschine natürlich auch. Oder die rechtzeitige Beheizung von Bad und Wohnräumen.

Für Problemlösungen dieser Art ist ein weiteres Ulmer Uni-Institut beteiligt: Professorin Susanne Biundo-Stephan (Künstliche Intelligenz), assistiert von einem Doktoranden. Ihre Expertise beisteuern sollen ferner Professor Michael Weber und einer seiner Doktoranden vom Institut für Medieninformatik. Ihre Schwerpunkte sind die Aspekte Sicherheit und Privatsphäre, konzentriert auf die Fragestellung: "Was und wie viel darf die Maschine wissen?"

Über die Trinksitten potenzieller Gäste zum Beispiel. "Nur deren Präsenz in der Datenhaltung ermöglicht dem Rechner den Abgleich mit einem eventuellen Vorrat und den Bestellvorgang", erläutert Tobias Heinroth, "bezogen auf Art und Menge des jeweiligen Getränks gleichermaßen".

Noch spricht er von einer "Vision", wenn er Komponenten und Teilprojekte der "funktionierenden Hauswirtschaft" erläutert. Wohnung und Hardware indes sind bereits Realität. In der Universität von Essex nämlich, rund 100 Kilometer nordöstlich von London, ebenfalls Domizil einer beteiligten Forschungsgruppe. Auch vom praktischen Nutzen ihrer Entwicklung haben Minker und Heinroth schon durchaus konkrete Vorstellungen: "Allein lebende ältere oder behinderte Menschen könnten davon ganz erheblich profitieren."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Minker, Tel. 0731/50-26254 oder Tobias Heinroth, Tel. 0731/50-26265

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Datenbrille erleichtert Gehörlosen die Arbeit in der Lagerlogistik
23.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Verlässliche Quantencomputer entwickeln
22.02.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics