Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Schnee wegklicken

02.01.2014
Beim Winterdienst muss die Verkehrszentrale am Flughafen Köln/Bonn viele Akteure koordinieren. Seit kurzem laufen alle relevanten Daten in einem zentralen IT-System zusammen. Nun genügt ein Klick, um schnell auf Wetteränderungen zu reagieren.

Der Airport-Sprayer sieht aus wie ein Flugzeug. Statt Flügeln ragen links und rechts gelbe Metallarme aus dem Räumfahrzeug heraus. Mit denen verteilt es auf einer Breite von 45 Metern Enteisungsmittel auf den Landebahnen des Flughafens Köln/Bonn. Alexandra Cahn ist Winterdienstkoordinatorin am zweitgrößten Flughafen in Nordrhein-Westfalen.


Intelsys ist für die Arbeit im Winterdienst des Flughafens Köln/Bonn optimiert. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ressourcen und Dokumente (oben), Hinweise auf Handlungsbedarf (links) und die zentrale Karte visualisieren die für den Winterdienst relevanten Informationen. Modulare Anwendungen (rechts) zeigen Detailinformationen und ermöglichen die Eingabe von Daten. © Fraunhofer FKIE

Sie kümmert sich darum, dass trotz Eis und Schnee täglich 190 Starts und Landungen reibungslos funktionieren. »Ein Klick genügt und ich weiß, ob noch genug Enteisungsflüssigkeit im Tank ist«, erklärt Cahn und deutet mit dem Finger auf das kleine Tank-Icon auf der rechten Seite des Bildschirms. Mittendrin flimmert ihr das komplette Flughafenareal aus der Vogelperspektive entgegen. Sie sieht Landebahnen, Terminals und Taxiways – die Fahrbahnen der Flugzeuge – im Prinzip alles, was auf dem 130 Hektar großen Areal vorhanden ist. Cahn kann die Perspektive verändern, mit der sie von oben auf das Flughafengelände guckt. Zoomt sie in das Bild, werden die Informationen dichter.

Die Daten holt sich die Anwendung aus den Tiefen der Flughafen-IT, von Servern und Datenbanken. Seit Anfang November läuft hier das graphische Lagedarstellungssystem »Intelsys« des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE aus Wachtberg. Die Software sammelt alle relevanten Daten für den Winterdienst in einer zentralen Datenbank und bereitet die täglich eintreffende Datenflut auf. Erfasst werden diese Werte unter anderem von Messfahrzeugen, die prüfen, wie glatt die Fahrbahnen sind, oder von Temperaturfühlern, die anzeigen, wie kalt es draußen auf den Landebahnen ist.

Winterdienst kann vorausschauend planen

Das System kennt außerdem aktuelle Wetterinformationen, weiß, in welchem Zustand die Räumfahrzeuge sind und hat Einblick in die Enteisungsarbeiten der Vorfelder. »Der Winterdienst kann vorausschauend geplant werden. Wir haben die Software so programmiert, dass sie die Mitarbeiter automatisch vor Problemen warnt. Zum Beispiel, wenn die für ankommende Flugzeuge benötigten Abstellpositionen noch nicht von Eis und Schnee befreit wurden«, schildert Dr. Michael Wunder vom FKIE. Er sitzt mit seinem Team nur 50 Kilometer südlich des Flughafens. Das Softwareprogramm erkennt kritische Situationen automatisch und gibt Empfehlungen zur Problemlösung – zum Beispiel, wenn die Temperaturen auf den Landebahnen kontinuierlich sinken.

»Der Winterdienst muss schnell auf kurzfristige Wetteränderungen reagieren. Kleinste Verzögerungen im Flugablauf kosten die Fluggesellschaften viel Geld. Mit dem neuen System, das uns immer aktuell die Lage anzeigt, können wir in wenigen Sekunden auf alle notwendigen Daten zugreifen und präventiv Maßnahmen einleiten. Wir verhindern Verspätungen und setzen unsere Ressourcen optimal ein«, sagt Cahn und klickt auf eine der Landebahnen auf ihrem Bildschirm. Mit wenigen Eingaben informiert sie ihre Kollegen über eine Betriebsunterbrechung der Bahn, damit die Räumfahrzeuge ihren Dienst tun können. Gleichzeitig geht automatisch eine Nachricht an alle beteiligten Stellen raus.

Besteht die Software den Praxistest beim Winterdienst, sollen weitere Funktionen folgen. Dafür sind am FKIE die Weichen gestellt. »Die Software ist in der Lage, schrittweise weitere Aufgaben zu übernehmen. Unter anderem ist eine Regel-Engine hinterlegt, mit der wir ›Intelsys‹ flexibel an die Geschäftsprozesse des Flughafens anpassen können«, sagt Prof. Dr.-Ing. Christopher Schlick, stellvertretender Leiter des Instituts. Cenk Özöztürk, Leiter des Geschäftsbereichs Betrieb und Verkehr am Flughafen Köln/Bonn, ist zufrieden mit der guten Zusammenarbeit zwischen seinen Mitarbeitern und dem Fraunhofer FKIE: »Durch die enge Abstimmung konnte das Pilotsystem innerhalb eines Jahres entwickelt werden. Dieses Erfolgskonzept wollen wir fortführen. Unser Ziel ist es, aus einem System alle operativen Prozesse zu steuern.«

Dr. Michael Wunder | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/Januar/den-schnee-wegklicken.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten