Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlauer googeln dank Sprachforschung

30.07.2009
Indogermanisten und Wirtschaftsinformatiker der Universität Jena starten gemeinsames Projekt

Das Problem kennt wohl jeder, der schon einmal eine Internetsuchmaschine benutzt hat: Wählt man den Suchbegriff zu allgemein, so wird man von einer riesigen Anzahl an Treffern überflutet.

Ist der Suchbegriff dagegen zu speziell, entgehen einem viele wichtige Informationen: Sinnverwandte Wörter, Ober- oder Unterbegriffe des Gesuchten werden von den heute gängigen Suchmaschinen nicht erfasst. "Das macht eine Recherche im Internet oftmals unübersichtlich und zeitraubend", sagt Dr. Bettina Bock von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Doch das könnte sich bald ändern: Denn Dr. Bock und einige Kolleginnen vom Lehrstuhl für Indogermanistik haben gemeinsam mit Wirtschaftsinformatikern der Jenaer Universität ein Projekt ins Leben gerufen, das Suchmaschinen künftig wesentlich "intelligenter" machen könnte. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben im Rahmen des Förderprogramms ForMaT (Forschung für den Markt im Team) in den kommenden sechs Monaten mit 100.000 Euro.

"Die Idee ist, unsere Erkenntnisse auf dem Gebiet der mehrdimensionalen Wortschatzvernetzung für praktische Anwendungen nutzbar zu machen", begründet Dr. Bock die ungewöhnliche Kooperation von Sprachwissenschaftlern und Wirtschaftsinformatikern. So könnte die Benutzerfreundlichkeit von Suchmaschinen z. B. dadurch erhöht werden, dass auch sinnverwandte oder Teilbegriffe als Treffer angezeigt und vorsortiert werden. "Wenn Sie beispielsweise nach der 'Universität Jena' suchen, würden Sie dann automatisch auch Einträge zur 'Hohen Schule' oder 'Salana' erhalten, aber auch zur Jenaer Fachhochschule, weil das für Sie vielleicht auch interessant sein könnte", verdeutlicht Prof. Dr. Rosemarie Lühr, Inhaberin des Jenaer Lehrstuhls für Indogermanistik.

An ihrem Lehrstuhl läuft eine ganze Reihe von Forschungsprojekten, in denen sogenannte Wortfelder - Gruppen von Wörtern, die sinnverwandt oder in engem Zusammenhang stehen - erfasst werden. Diese Daten sollen nun die Grundlage für das aktuelle Projekt bilden. In der ersten Projektphase werden die Wissenschaftler zunächst analysieren, welche potenziellen Anwendungsbereiche ihrer sprachwissenschaftlichen Ergebnisse es gibt. "Denkbar ist hier neben dem Bereich der Suchmaschinen vor allem Übersetzungssoftware", sagt Dr. Sabine Ziegler, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Bock initiiert hat. "Diese Programme arbeiten bislang automatisiert und vor allem nach statistischen Kriterien ohne Kontextbezug; sie sind somit äußert fehleranfällig: Bei einer Suche nach dem Stichwort ,Freiheit' wird zum Beispiel unter den Oberbegriffen auch ,Helium' aufgeführt, was jedoch an spezielle chemische Kontexte gebunden ist", weiß die Jenaer Indogermanistin. Sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, die unter anderem nach Konnotationen, Stilebenen und Fachsprachen differenzieren, könnten die Übersetzungsgenauigkeit dieser Software wesentlich verbessern.

Nach der nun beginnenden sechsmonatigen Screening-Phase stellen die Jenaer Wissenschaftler ihre Projektergebnisse erneut zur Begutachtung dem BMBF vor. Im Falle einer positiven Bewertung lockt im Anschluss eine weitere Förderung. "Dann wird es um die Umsetzung unserer Verwertungsansätze in praktische, wirtschaftlich verwertbare Produkte gehen", erläutert Ralf Herud, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik (Prof. Dr. Johannes Ruhland) das Projekt betreut. Die Umsetzungsphase dauert bis zu zwei Jahre.

Kontakt:
Dr. Bettina Bock
Lehrstuhl für Indogermanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Zwätzengasse 12
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944385
E-Mail: bettina.bock[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics