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Online-Spiel für die Wissenschaft: Sprache in 3-D-Welten

26.02.2010
Computerlinguisten der Universität des Saarlandes forschen daran, wie ein Computer gesprochene Sprache selbst erzeugen und in einer 3-D-Welt anwenden kann.

In einem Online-Spiel wollen die Wissenschaftler jetzt verschiedene Systeme weltweit testen lassen und suchen dafür nach Mitstreitern. Alexander Koller, der im Informatik-Exzellenzcluster der Universität des Saarlandes eine Forschergruppe leitet, hat im Vorfeld sechs internationale Wissenschaftler-Teams ausgewählt.

Sie haben für den "Give-Challenge"-Forschungswettbewerb Computerprogramme geschrieben, in denen Spielern mit englischsprachigen Anweisungen geholfen wird, eine Aufgabe in einer virtuellen 3-D-Welt zu lösen.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Großbritannien, Australien und den USA wollen die Saarbrücker Forscher diese sechs Systeme testen und miteinander vergleichen. Dafür sind sie auf die Hilfe von Online-Spielern angewiesen, die sich ein paar Minuten Zeit nehmen und eines der zufällig ausgewählten Systeme auf die Probe stellen. Interessierte Laien lernen dabei den aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz kennen und tragen ganz nebenbei zu ihrem Fortschritt bei - einfach, indem sie mitspielen und einen Fragebogen ausfüllen. Auf diese Weise möchte das Forscherteam einige tausend Spiele sammeln. Diese werden dann von den Wissenschaftlern analysiert, um herauszufinden, wie gut die sprachlichen Anweisungen der einzelnen Systeme vom Spieler verstanden und umgesetzt werden.

Der Saarbrücker Forscher Alexander Koller hat bereits im vergangenen Jahr verschiedene Systeme zur Spracherzeugung in einem Online-Spiel testen lassen. Über 1100 Spieler aus 48 Ländern lieferten so Daten und halfen mit, mehrere Systeme zu bewerten, mit denen im Computer natürliche Sprache erzeugt wird. Die sechs Teams, die jetzt gegeneinander antreten, müssen eine noch schwierigere Aufgabe bewältigen. "Bisher waren in den Testspielen nur Drehungen um 90 Grad möglich, was häufig zu ungenau war, um den menschlichen Spieler über Sprachbefehle zielsicher durch eine Türöffnung zu bewegen", sagt Alexander Koller. Für den neuen Wettbewerb müssen die Spieler daher nun zu flüssigen Bewegungen angeleitet werden.

Die GIVE-Challenge ist die bisher größte Initiative zur Evaluierung von Sprachgenerierungssystemen (Natural Language Generation, NLG). Damit sollen langfristig bessere Navigationssysteme für Fußgänger entwickelt werden, aber auch die Sprachsteuerung von Robotern oder Computerspielen kann davon profitieren. Denn bisher passieren noch viele Fehler, wenn man Roboter oder Spielfiguren allein über sprachliche Anweisungen durch echte oder virtuelle Räume lotsen möchte. Die Give-Challenge verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie die bekannte Robocup-Initiative, bei der Forschungsteams aufgefordert sind, Teams von fußballspielenden Robotern zu bauen, oder wie das ESP-Game, bei dem in den letzten Jahren Millionen von Benutzern im Rahmen eines Onlinespiels Bilder mit Wörtern beschriftet haben.

Das neue Online-Spiel im Dienste der Wissenschaft kann hier getestet werden:
www.give-challenge.org
Der Saarbrücker Computerlinguist Alexander Koller wird das Online-Spiel auch auf der Computermesse Cebit 2010 in Hannover vom 2. bis 6. März am saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand B 43) vorstellen.

Fragen beantworten:

Dr. Alexander Koller
Tel. 0681/302-70040
Email: koller@mmci.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.give-challenge.org

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