Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuem Verfahren lassen sich Computerprogramme auch ohne Maus schnell bedienen

30.09.2013
Ein Saarbrücker Informatiker hat eine Hilfe entwickelt, mit der sich Computerprogramme allein über die Tastatur viel schneller bedienen lassen als mit der Computermaus.

Dem Anwender werden Tastenkombinationen für Programm-Funktionen am Bildschirm angezeigt und somit der Griff zur Maus erspart. Auf diese Weise sollen Nutzer mit minimalem Aufwand lernen, Programme schneller und effizienter zu bedienen.

Wer einen Text von einem Programmfenster in das nächste verschieben möchte, greift dafür meist zur Computermaus. Das ist umständlich, da man mehrmals klicken muss, bis der Absatz an der gewünschten Stelle steht. Wesentlich schneller wäre ein Anwender mit Tastenkürzeln, auch shortcuts oder hotkeys genannt.

„Wenn der Nutzer mitten im Arbeitsfluss ist, muss er die Hände nicht von der Tastatur nehmen und zur Maus greifen. Er kann seine Befehle direkt in den Computer einspeisen“, erklärt Gilles Bailly vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. Doch die Anwender, so Baily, würden nicht genug Shortcuts kennen und seien nicht gewillt, diese nachzuschauen oder zu lernen. Auch die Aussicht, ohne Maus viel schneller zu arbeiten, motiviere nur wenige. „Sie beginnen das Programm mit der Maus zu bedienen und bleiben dann dabei“, sagt Bailly.

Der Saarbrücker Informatiker setzt daher auf Lernen der Shortcuts mit minimalem Aufwand. So will er erreichen, dass neue Anwender mehr mit Shortcuts arbeiten und bereits Erfahrene noch schneller und effizienter mit der jeweiligen Software umgehen können. Dazu hat Bailly gemeinsam mit Forschern von verschiedenen Universitäten einen speziellen Bedien-Mechanismus entwickelt. Dieser ermöglicht es, sich die Tastenkürzel auf einen Blick anzeigen zu lassen, den benötigten Shortcut blitzschnell zu erkennen und langfristig, ihn sich einzuprägen.

„Um die Kürzel zu sehen, muss der Nutzer eine bestimmte Taste drücken“, erklärt Sylvain Malacria von der Universität Canterbury in Neuseeland. Diese spezielle Taste nennt er den Modifikator. Bei einem Rechner des Unternehmens Apple ist dies die Command-Taste, bei einem Windows-Rechner die Steuerungs-Taste. Hat der Nutzer den Modifikator gedrückt, überlagert der Mechanismus für ein paar Sekunden alle Symbole der Werkzeugleiste mit Tastenkürzeln. Dafür benutzt die Software kleine Kästchen, in denen die jeweilige Tastenkombination angezeigt wird. Unerfahrene Anwender sollen so die Kürzel „trainieren“. Der Mechanismus unterstützt sie, indem er die Hotkeys nach nur einem Tastendruck anzeigt. Dass ein Anwender danach den jeweiligen Shortcut immer mit der gleichen Fingerbewegung wiederholt, fördert das Einprägen ebenfalls. So genannten Profi-Anwendern soll der Mechanismus helfen, ohne Extra-Aufwand weitere Kürzel zu lernen, um noch schneller arbeiten zu können.

In Studien testeten die Forscher, wie sich der auf „ExposeHK“ getaufte Mechanismus bei Anwendern bewährte. Die Probanden sollten Symbole in Werkzeugleisten möglichst schnell identifizieren und wiedergeben. Dafür konnten sie entweder den Anweisungen eines Sprechers folgen, der die Tastenkürzel vorlas, die Maus oder die Kürzelanzeige des Mechanismus verwenden. Zum Schluss gaben die Probanden an, welche Methode ihnen am meisten zusagte. Die Mehrzahl entschied sich für den Mechanismus der Forscher. Die Studie zeigte auch, dass Anfänger im Umgang mit Kürzeln nach nur wenigen Minuten viermal häufiger von den Tastenkombinationen Gebrauch machten als zuvor. „Es ist auch kein Problem, wenn sich der Nutzer mal bei einem Kürzel vertippt. Er braucht nur erneut den Modifikator zu drücken und schon erscheint wieder die Kürzelübersicht“, sagt Bailly.

Positive Rückmeldung erhielt Bailly auch, als er den neuartigen Bedien-Mechanismus auf einer renommierten Konferenz für Mensch-Maschine-Interaktion (ACM CHI) in Paris vorstellte. „Damit eröffnen wir den Nutzern eine einfache und elegante Lösung, um effizienter zu arbeiten. Und er ist auch leicht in jede Art von Software zu integrieren“, so Bailly. Daher ist er optimistisch, dass in Zukunft alle Programme um diesen Ansatz erweitert werden.

Weitere Fragen beantwortet:

Gilles Bailly
Max-Planck-Institut für Informatik
Cluster of Excellence on “Multimodal Computing and Interaction”
E-Mail: gbailly@mpi-inf.mpg.de
Redaktion:
Gordon Bolduan
Science Communication
Cluster of Excellence on “Multimodal Computing and Interaction”
Phone: +49 681 30270741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.gillesbailly.fr/hotkeys.html
http://www.youtube.com/watch?v=f1fmKX3jKxI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Zukunftstechnologie 3D-Druck: Raubkopien mit sicherem Lizenzmanagement verhindern
23.06.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften