Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Datenschutz in sozialen Netzwerken

31.05.2010
Wie kann der Einzelne die vielfältigen neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die soziale Netzwerke im Internet und auf mobilen Geräten bieten, so nutzen, dass er auch selbst bestimmt, welche persönlichen Daten er wem und zu welchem Zeitpunkt preisgeben will? Kai Rannenberg, Inhaber der T-Mobile Stiftungsprofessur für Mobile Business & Multilateral Security an der Goethe-Universität, koordiniert mit einem vierköpfigen Team ein EU-gefördertes Projekt, das an ganzheitlichen Konzepten zum besseren Schutz der Privatsphäre in solchen Communities arbeitet.

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (FF 1/2010) berichtet er mit seinem Frankfurter Team über das PICOS-Projekt („Privacy and Identity Management for Community Services”), das seit Anfang 2008 läuft und von der Europäischen Union über 36 Monate mit knapp vier Millionen Euro gefördert wird. Kooperationspartner sind Wissenschaftler und Industrieunternehmen aus acht europäischen Ländern. Dazu Rannenberg, der auch am Mittwoch (2. Juni) um 18 Uhr am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg einen Vortrag zum Thema „Auf dem Weg zu einem effizienten Datenschutz“ hält: „ Wir entwickeln protypische Konzepte und testen diese mit realen Endnutzern. Nach dem Praxis-Test können diese Konzepte in bestehenden Communities integriert werden.“

Dabei arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler unter anderem eng mit Meeresforschern und Freizeit-Anglern zusammen: Angler müssen mobil sein und flexibel auf veränderte Umwelteinflüsse wie das Wetter reagieren, wenn sie erfolgreich sein wollen. Beim Warten auf den Fisch, der anbeißt, ist Austausch mit anderen Anglern willkommen. Hängt dann ein prächtiger Fisch am Haken, geben Angler dies gern mit Fotos per Handys kund. Den guten Fanggrund möchten sie dabei allerdings nicht jedem offenbaren. Daher sind die Angler eine der exemplarischen Communities, die PICOS fokussiert. Nicht nur für Angler gilt: Sollen nicht alle Informationen an jeden in einer Community weiter gegeben werden, dann müssen den Nutzern Werkzeuge an die Hand gegeben werden, wie sie beispielsweise mit dem Konzept der „partiellen Identitäten“ entwickelt wurden. „Damit kann ein Nutzer verschiedene Pseudonyme anlegen, mit denen er in einer Community auftritt. Zu jedem Pseudonym gehört ein Profil, auf dem der Nutzer unterschiedliche persönliche Daten von sich mitteilen kann. Andere Nutzer können dadurch immer nur den Teil der Informationen sehen, den der Nutzer unter diesem Profil zugänglich gemacht hat,“ erläutert Christian Kahl, Doktorand im PICOS -Team um Prof. Rannenberg. So kann ein Nutzer etwa zwei unterschiedliche Identitäten für Privatleben und Beruf anlegen und privaten Freunden die letzten Urlaubsfotos bereitstellen, ohne dass Arbeitskollegen diese sehen können. Theoretisch ist das einfach, aber praktisch durchaus anspruchsvoll, speziell dann, wenn man öfter die Rolle wechselt: im Beispiel der Angler etwa von einem einsam auf anbeißende Fische Wartenden, der gern preisgibt, wo man ihn besuchen kann, zu dem, der über einen schönen Fang berichten kann, den Ort aber auf keinen Fall allen kundtun möchte und den Fangerfolg darum besser unter einer anderen Identität verkündet.

Darüber hinaus lässt sich der Zugriff anderer Nutzer auf die eigenen persönlichen Daten über die Einrichtung von „Privacy Policies“ in weiteren Details regeln. Sie ermöglichen festzulegen, welche Daten unter welchen Bedingungen anderen Nutzern zugänglich sind. Zum Beispiel kann ein Angler festlegen, die neuesten Informationen über die Güte eines Angelplatzes zunächst nur den engsten und ältesten Freunden mitzuteilen. Und da mit mobilen Endgeräten die Ortung eines Nutzers inzwischen sehr einfach geworden ist, erfordert es noch weitere Schutzmechanismen – dazu Kahl: „Um speziell die Information über den aktuellen Standort des Nutzers zu schützen, haben wir zusätzlich das Blurring-Konzept integriert. Es sorgt dafür, dass der eigene Standort bei Bedarf nur ungenau in einer Karte dargestellt wird. Alternativ sieht das Konzept außerdem vor, Informationen zum Standort nur bestimmten anderen Nutzern oder gar nicht freizugeben.“

Eine Art persönlicher Ratgeber, der „Privacy Advisor“ steht Nutzern bei all diesen Einstellungen zur Seite. Er hilft ihnen beim Umgang mit persönlichen Daten und warnt sie durch entsprechende Hinweise, wenn sie im Begriff sind, sensible Informationen preiszugeben. „Damit soll bei den Nutzern ein Bewusstsein für die Problematik in spezifischen Fällen vermittelt werden. Gleichzeitig kommen sie eine Hilfe, wie sie die Werkzeuge, die wir ihnen an die Hand geben, sinnvoll nutzen können“, ergänzt Rannenberg. „Diese Konzepte wirken vor allem in Kombination miteinander und dadurch, dass sie in einer Community akzeptiert und integriert angeboten werden.“ Im Laufe des Jahres werden Online-Strategiespieler als eine weitere Community in die Testphase mit einbezogen. Ziel der Wissenschaftler ist es, die in PICOS entwickelten Konzepte auch in bestehende Communities zu integrieren, so dass diese und ihre Nutzer davon profitieren können. Das geschieht unter anderem über die beteiligten Industriepartner ebenso wie mit Vorträgen und Präsentationen bei Konferenzen und Messen, wie auf dem Mobile World Congress im Februar in Barcelona, der weltweit größten Veranstaltung der Mobilkommunikationsbranche.

Informationen: Prof. Kai Rannenberg und Christian Kahl, T-Mobile Stiftungsprofessur für Mobile Business & Multilateral Security, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 34701 oder -34706, contact@picos-project.eu

„Forschung Frankfurt“ 1/2010 kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de.
www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2010/08Datenschutz.pdf

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.picos-project.eu
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2010/08Datenschutz.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Vom Gehirn zur Robotik: Algorithmen verarbeiten Sensordaten wie das Gehirn
25.09.2017 | Universität Ulm

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten

Fraunhofer ISE steigert Weltrekord für multikristalline Siliciumsolarzelle auf 22,3 Prozent

25.09.2017 | Energie und Elektrotechnik

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit