Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Informatiker der Freien Universität entwickeln Informationssystem für blinde und sehbehinderte Menschen

17.09.2009
Die Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz der Freien Universität Berlin hat unter der Leitung des Informatik-Professors Raúl Rojas ein neuartiges Informationssystem für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt.

Ein Feldversuch soll das Gerät für die künftigen Nutzer optimieren: In den kommenden sechs Monaten wird es von 25 Personen getestet.

An dem Projekt namens "InformA" beteiligt ist die Arbeitsgruppe von Dr. Pablo Vidales in den Telekom Laboratories und der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin e. V. Nach dem Feldversuch wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Exist-Seed-Förderprogramms unterstützt; außerdem stellt IBM Deutschland finanzielle Mittel für die Weiterentwicklung an der Freien Universität zur Verfügung.

"InformA" ist ein kleiner Computer, der per Funk mit dem Internet verbunden ist. Das Gerät wird wie ein Radio bedient, der Benutzer kann zwischen verschiedenen Informationskanälen wählen. Auf Tastendruck wird die Uhrzeit oder der Wetterbericht angesagt, es stehen aber auch aktuelle Tageszeitungen als Audio-Dateien zur Verfügung (zurzeit der Tagesspiegel und die taz).

Darüber hinaus können E-Mails mit dem Gerät gelesen werden. Möchte der Nutzer auf die elektronische Post antworten, kann er seine Mitteilung diktieren. Mit einer integrierten Kamera können zudem gedruckte Dokumente wie Briefe oder Beipackzettel vollautomatisch vorgelesen werden. In komplizierten Fällen - etwa bei einer Heizkostenabrechnung - kann der Benutzer mit dem Gerät ein Bild des Dokuments aufnehmen und es an ein Callcenter schicken. Zivildienstleistende des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin helfen dann weiter. "InformA kann durch die Fülle der angebotenen Informationen auch für ältere Menschen ohne Computererfahrung von Interesse sein, die bisher keinen Zugang zu dem Informationsangebot des Internets gefunden haben", sagte Projektleiter Raúl Rojas.

Für den Feldversuch haben sich bereits 25 Freiwillige gemeldet, in einer zweiten Phase sollen weitere 25 dazukommen. Die Teilnehmer werden im Laufe des Versuchs dazu befragt, wie sie mit dem Gerät zurechtkommen, um es zu optimieren. Die Teilnahme an dem Feldversuch ist kostenlos.

Dr. Armgard von Reden, Vertragsunterzeichnerin der Kooperation mit der Freien Universität und Director Governmental Programs bei IBM, erklärte: "Die Integration von Menschen mit Behinderung hat eine lange Tradition bei der IBM. Das gilt für unsere Produkte, an denen wir kontinuierlich arbeiten, um einen barrierefreien Zugang zur Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Das gilt aber auch für die fast hundertjährige Tradition der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen bei der IBM."

InformA ist ein Beispiel einer Information Appliance. Auch im Zeitalter des Internets ist es nicht immer notwendig, einen vollständig ausgestatteten Computer für die Online-Kommunikation zu verwenden. Spezialisierte Geräte, etwa Internetradios, können bestimmte Bedürfnisse abdecken, wenn sie klein, tragbar und einfach zu bedienen sind.

Die Deutsche Telekom stellt für die Teilnehmer der Feldversuche 50 DSL-Leitungen und genauso viele "InformA"-Geräte zur Verfügung. Nach dem Feldversuch fördert IBM Deutschland im Rahmen des Diversity-Programms das Projekt an der Freien Universität Berlin durch die Finanzierung von studentischen Hilfskräften und Computern.

Für Interview-Wünsche und Präsentationen:
Raúl Rojas, Freie Universität Berlin, Institut für Informatik, Arbeitsgruppe

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Geheime Datensammler auf dem Smartphone enttarnen
21.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss
21.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie