Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gedankensteuerung von PCs in der Praxis tauglich

07.11.2008
Britischer Forscher hofft auf geringeren Preis für breite Verfügbarkeit

Der Computerwissenschaftler Paul Gnanayutham von der University of Portsmouth hat ein System zur Gedankensteuerung von Computern gestaltet, das sich im praktischen Einsatz für Patienten mit schweren Gehirnverletzungen bewährt hat. Menschen, die sich anders nicht mehr nach außen mitteilen können, bekommen die Möglichkeit, einen Computercursor zu bewegen und dadurch mit ihrer Umwelt zu kommunizieren.

Dazu erforderlich sind lediglich ein kommerziell erhältliches Spezial-Stirnband und ein Laptop mit geeigneten Algorithmen. Für einen breiten Einsatz gibt es allerdings Hindernisse. "Die Technologie ist eigentlich sehr einfach, doch die Kosten sind das größte Problem", meint Gnanayutham gegenüber pressetext.

"Ich habe mit Patienten mit traumatischen Gehirnverletzungen gearbeitet, die querschnittgelähmt, nicht sprechfähig und an Ernährungssonden angeschlossen waren", sagt Gnanayutham. Dennoch habe er mithilfe existierender Technologie geschafft, dass diese Menschen einen Cursor bewegen und somit zumindest Ja-Nein-Fragen beantworten können. Dafür hat der Computerwissenschaftler ein Stirnband verwendet, das ähnlich einem EEG-Gerät Gehirnwellen sowie zusätzlich Signale von Muskel- und Augenbewegungen auffangen kann. "Das wichtigste ist dann die Cursor-Bewegung", so Gnanayutham zu pressetext. Seine Algorithmen würden beispielsweise helfen, eine zielgerichtete Cursorbewegung etwas zu beschleunigen. Damit wird es für Anwender leichter, eine Menüauswahl zu treffen und so beispielsweise "Ja", "Nein" oder "Danke" zu sagen oder eine Webseite anzusteuern.

"Die Steuerung mithilfe von Gesichtsmuskulatur oder Gehirnwellen zu erlernen, ist nicht leicht", meint Gnanayutham. Der Aufwand kann sich aber lohnen, wie der Wissenschaftler anhand von realen Patienten feststellen konnte. Beispielsweise hat er acht Monate mit einem jungen Mann mit einer schweren Hirnstammverletzung gearbeitet. Außer der Mutter und einer Krankenschwester hatte das gesamte Umfeld diesen Patienten aufgegeben, da er auf keine Weise kommunizieren konnte - bis er anfing, Gnanayuthams Gedankensteuerungs-System zu nutzen. Durch Fälle wie diesen sieht der Computerwissenschaftler bestätigt, dass die Technologie die Umgebung von Laborexperimenten und klinische Studien verlassen sollte. "Ich habe sie praktisch und für jeden nutzbar gemacht", ist er überzeugt.

Ein großes Hindernis für das System ist der Preis. Gnanayutham hat ein Cyberlink-Stirnband der Firma Brain Actuated Technologies genutzt, das gut 2.000 Dollar kostet. Allerdings ist der Wissenschaftler überzeugt, dass geeignete Sensoren zu einem Bruchteil dieser Kosten gefertigt und somit mehr Patienten zugänglich gemacht werden können. Er hofft auf Finanzierung, um seine Entwicklung, von der bislang nur ein Prototyp existiert, breiter verfügbar zu machen. Doch auch die veränderte Lage der Patienten ist Gnanayutham oft ein Problem. Darüber, dass sie sich Mitteilen können, seien Betreuungspersonal und Angehörige teils gar nicht erfreut. Denn dadurch, dass die Patienten Präferenzen, Wünsche und Einwände äußern können, wird die Betreuung aufwändiger.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.port.ac.uk
http://www.brainfingers.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise