Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Maßstäbe in der Software-Entwicklung

03.05.2007
Uni Karlsruhe entwickelt wissenschaftliches Fundament für Software-Entwurf

Software ist nicht gleich Software – das weiß intuitiv jeder Schüler, der sich spielerisch am PC oder im Internet versucht. Doch auch in der industriellen Praxis sind Beispiele von Qualitätsmängeln bei Software nur allzu häufig.

Dabei spielt Software im täglichen Leben eine immer größere Rolle – in Form von komplexen eingebetteten Software-Steuerungssystemen in der Automobiltechnik, in internetbasierten eCommerce-Systemen oder Informationssystemen bei Behörden (eGovernment) und im Gesundheitswesen (eHealth). Was in der Automobil- und Elektronikbranche seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, damit tut sich die Software-Industrie noch immer schwer: Ingenieurmäßiges Vorgehen beim Entwerfen von Systemen ist selbst bei international führenden Software-Entwicklern ein Wunschtraum.

Neue Wege werden dagegen am Lehrstuhl „Software-Entwurf und -Qualität“ von Professor Dr. Ralf Reussner an der Universität Karlsruhe betreten. Er will Software so entwickeln, dass sich bereits anhand der Software-Architektur in der Planungsphase systematisch Aussagen über die Qualität der später implementierten Software treffen lassen. Das an Reussners Lehrstuhl entwickelte Verfahren erlaubt es, die Auswirkungen von Entwurfsentscheidungen vorherzusehen und dadurch gezielt Qualitätsanforderungen von Kunden zu erfüllen. Die Arbeiten seiner Forschungsgruppe wurden beim diesjährigen internationalen „Workshop on Software-Performance“ der Association of Computing Machinery in Buenos Aires, Argentinien, als bester Beitrag ausgezeichnet.

Nach vier Jahren Forschung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, will Reussner nun auch seine Studierenden in das zukunftsweisende Thema einbeziehen: Sein Lehrstuhl bietet im kommenden Sommersemester erstmals ein Praktikum „Ingenieurmäßiger Software-Entwurf“ an, in dem Studierende auf Basis aktueller Forschungsarbeiten und neuester Werkzeuge lernen, Software-Systeme aus verschiedenen Einzelkomponenten nach vorgegeben Qualitätskriterien zu entwickeln. Dieser auf den Entwurf orientierte Ansatz von Software-Architekturen ist nicht nur neu, sondern laut Reussner für Lehre und Industrie von großem Interesse: „In Software-Unternehmen könnte unser Ansatz die noch heute angewandte Trial-and-Error-Methode ersetzen, bei der mit riesigem personellen Aufwand immer nur ein Prototyp mit einer bestimmten beabsichtigten Funktionalität entwickelt wird, dieser schließlich ausprobiert und oftmals gleich wieder verworfen wird. Dann beginnt die Entwicklung von vorne und kostet wiederum Zeit und Geld“, schildert der Karlsruher Software-Experte das Problem.

Beim Brückenbau, so Reussners Lieblingsbeispiel, werde auch nicht einfach eine Brücke gebaut und geschaut, ob sie hält. Wissenschaftlich fundierte, baustatische Gesetzmäßigkeiten, mit denen vorher genau berechnet wird, wann eine Brücke wie viel trägt, kommen in diesem Bereich zur Anwendung. Eine mit der Baustatik vergleichbare Theorie der Software-Entwicklung gibt es weltweit bislang nicht. Mit seinem Ansatz, die Software-Entwicklung auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, ist Reussner an der Universität Karlsruhe an der richtigen Adresse: Bereits Ferdinand Redtenbacher begründete hier vor fast 150 Jahren den wissenschaftlichen Maschinenbau als Ingenieursdisziplin und legte damit den Grundstein für die internationale Reputation der Karlsruher Technischen Hochschule als Stätte exzellenter Forschung und Ingenieurausbildung.

An der Karlsruher Fakultät für Informatik, einer der ersten Adressen für den systematischen Entwurf von Software-Systemen, sollen die Studierenden nun fit gemacht werden für den Entwurf nach geforderten Qualitätseigenschaften wie Skalierbarkeit und Zeitverhalten. Qualitätsansprüche, die über die bisherigen industriellen Möglichkeiten weit hinausgehen. Sehr oft, so weiß Reussner aus eigener Erfahrung, habe die Industrie zwar die Software, doch ein Kunde will sie anders verwenden: Wird die Software auch dann noch den abweichenden Kundenwünschen gerecht? Durch konsequent wissenschaftliches Herangehen ließen sich solche Fragen effektiv beantworten.

Parallel zu seiner universitären Software-Technik-Professur ist Professor Reussner seit einem halben Jahr als zugleich jüngster Direktor des Karlsruher Forschungszentrums Informatik (FZI) um die Annäherung von akademischer Software-Forschung und industrieller Anwendungsentwicklung bemüht. Mit einem Ohr stets nahe am Technologietransfer kann er bereits von ersten Interessenten aus IT-Unternehmen berichten, denen sein entwurfsorientierter Ansatz – und damit auch seine hoch qualifizierten Studierenden – eine engere Zusammenarbeit in naher Zukunft wert sind.

Weitere Informationen:
Angelika Schukraft
Presse und Kommunikation
Universität Karlsruhe (TH)
Telefon: 0721/608-6212
Fax: 0721/608-3658
E-Mail: schukraft@verwaltung.uni-karlsruhe.de

Angelika Schukraft | Universität Karlsruhe (TH)
Weitere Informationen:
http://www.presse.uni-karlsruhe.de/7310.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Deep Learning und KI in der Motorenentwicklung – IAV und DFKI eröffnen gemeinsames Forschungslabor
23.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics