Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobile Beratung bei Notfalleinsätzen

16.11.2006
Integrierte Wissenssuche über mobile Endgeräte zur Entscheidungsunterstützung bei Notfalleinsätzen

Notfallsituationen erfordern adäquate zeitkritische Entscheidungen: insbesondere bei Feuerwehreinsätzen. Vor Ort sind Einsatzkräfte häufig mit Umständen konfrontiert, die adäquate zeitkritische Entscheidungen erfordern. Fehlentscheidungen können gravierende Folgen haben und dazu führen, dass Sach- oder Umweltschäden nicht in erforderlichem Umfang verhindert werden.

Im schlimmsten Fall kann sogar die Sicherheit der Bevölkerung und der Einsatzkräfte gefährdet sein. Jetzt haben Wirtschaftsinformatiker der Universität Trier AMIRA entwickelt, - ein Softwaresystem für Notfalleinsätze bei schweren Bränden.

Unerfahrene Einsatzleiter sind bei unvorhergesehenen Ereignissen schnell überfordert und treffen in brisanten Situationen nicht immer die optimalen Entscheidungen, weil sie die Situation aufgrund ihres unzureichenden Wissens falsch einschätzen oder eventuelle Gefahren nicht erkennen.

Zum Beispiel ist es bei einem Brand in einem Industriebtrieb, in dem Plastikkisten aus Polypropylen Feuer gefangen haben wichtig, die charakteristischen Eigenschaften des brennenden Materials zu kennen und die geeignete Brandbekämpfungsmethode auszuwählen. Wird in einer solchen Situation ein unerfahrener Einsatzleiter mit seiner Mannschaft zu einem Einsatz gerufen, so besteht die Gefahr, dass er versucht den Brand mit Hilfe eines herkömmlichen Wasserstrahls zu bekämpfen. Dies wäre jedoch eine Fehlentscheidung. Sie würde aber dazu führen, dass sich das Feuer sehr schnell ausbreitet, was katastrophale Auswirkungen hat. Die Information, dass ein solcher Brand allenfalls mit Hochdruckstrahlen oder mit Löschschaum zu bekämpfen ist, ist für diesen Einsatzleiter enorm wichtig.

Mobile Beratung in kritischen Situationen

Genau solche nicht alltäglichen, aber sehr kritischen Situationen sind typisch für Feuerwehreinsätze. Und mit Problemen in solchen Akut-Situationen hat das von der Europäischen Union mit insgesamt 1.65 Millionen Euro geförderte Projekt AMIRA (Advanced Multimodal Intelligence for Remote Assistance) befasst, an dem das Forschungsteam von Prof. Dr. Ralph Bergmann im Fach Wirtschaftsinformatik II der Universität Trier beteiligt war. Das europäische Konsortium, an dem neben der Universität Trier die Firmen DaimlerChrysler (Ulm), FAST (Oslo), Kaidara (Paris) sowie das Fire Service College von Großbritannien beteiligt sind, hat innerhalb der Projektlaufzeit von zwei Jahren den Prototypen eines Softwaresystems zur mobilen Informationsunterstützung von Einsatzkräften entwickelt. Dieses System wurde dem Gutachtergremium der Europäischen Union Ende Juli unter realen Einsatzbedingungen erfolgreich präsentiert.

Headset in der Schutzausrüstung

Das AMIRA System bietet den einheitlichen mobilen Vorort-Zugriff auf eine Vielzahl von fachspezifischen Informationsquellen, Erfahrungsdatenbanken und verfügbaren menschlichen Experten. Der Zugang zu diesen Informationen erfolgt einheitlich über verschiedenste Endgeräte wie Tablet PCs, PDAs, Smartphones oder alternativ über eine Sprachdialogkomponente. Über diese kann der Einsatzleiter in einem natürlichsprachigen Dialog über ein integriertes Headset in der Schutzausrüstung entscheidungsrelevante Information abfragen, die ihm via Sprachsynthese akustisch dargeboten werden.

Das Forschungsteam in der Wirtschaftsinformatik II hat im Rahmen des Projektes die zentrale Softwarekomponente des AMIRA Systems entwickelt, die die Anfragen von den verschiedenen Endgeräten entgegen nimmt, analysiert und den Zugriff auf die angeschlossenen Informationsquellen steuert. Diese Komponente, die auf den Namen "CAKE" (Collaborative Agent-based Knowledge Engine) getauft wurde, ist für verschiedene Einsatzgebiete frei konfigurierbar und besitzt programmierbare Schnittstellen zu Suchmaschinen, wie zu denen der Projektpartner FAST und Kaidara.

Integrierte Datenbank mit Suchstrategien

Eine wichtige Neuerung von CAKE ist die integrierte Datenbank von spezifischen Suchstrategien. Diese Suchstrategien beschreiben den Zugriff auf die verfügbaren Informationsquellen und bilden somit das Expertenwissen eines versierten Informationssuchenden ab. Spezifisch für eine Anfrage wird die am besten passende Suchstrategie ausgewählt und automatisch ausgeführt. Hierbei kann die Anfrage in Teilanfragen zerlegt werden, die durch die hierfür jeweils besten Informationsquellen beantwortet werden. Dies kann unter Umständen auch die Weiterleitung einer Anfrage an einen verfügbaren menschlichen Experten, z.B. einen erfahrenen Mitarbeiter im Feuerwehrhauptquartier, beinhalten. Suchstrategien berücksichtigen zudem geeignete Abbruchkriterien, wenn die Informationssuche erfolgreich ist. Durch den so automatisierten Suchprozess wird der unter Zeitdruck stehende Einsatzleiter von der ggf. schwierigen Aufgabe der Informationssuche in verschiedenen heterogenen Informationsquellen entlastet.

Hervorragende Forschungsergebnisse

Im Zusammenhang mit dem AMIRA Projekt sind an der Universität Trier zwei Dissertationen, fünf Diplomarbeiten und bislang zehn wissenschaftliche Publikationen auf Fachtagungen entstanden. Zurzeit werden die Arbeiten an CAKE in einem weiteren Projekt, welches vom BMBF gefördert wird, fortgesetzt. In diesem Projekt, mit einer Laufzeit bis Mai 2008, wird die Prozessintegration von CAKE verbessert und für die Entwurfsunterstützung von Nanoelektronischen Chips erweitert. Darüber hinaus wurden eine Reihe weiterer Anwendungsvisionen entwickelt, die in der Zukunft verfolgt werden.

Heidi Neyses M. A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.wi2.uni-trier.de/de/cms/projects/Amira/

Weitere Berichte zu: AMIRA CAKE Einsatzleiter Endgerät Notfalleinsätze Suchstrategie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cloud-Technik: Dynamische Zertifikate machen Cloud-Anbieter sicherer
15.01.2018 | Technische Universität München

nachricht Der sichere Außenposten für Daten – Höchste Sicherheitsstandards bei „Vor-Ort-"Datenlösung OSIRIS
12.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Im Focus: Extrem helle und schnelle Lichtemission

Eine in den vergangenen Jahren intensiv untersuchte Art von Quantenpunkten kann Licht in allen Farben wiedergeben und ist sehr hell. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftlern der ETH Zürich hat nun herausgefunden, warum dem so ist. Die Quantenpunkte könnten dereinst in Leuchtdioden zum Einsatz kommen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der ETH Zürich, von IBM Research Zurich, der Empa und von vier amerikanischen Forschungseinrichtungen hat die...

Im Focus: Paradigmenwechsel in Paris: Den Blick für den gesamten Laserprozess öffnen

Die neusten Trends und Innovationen bei der Laserbearbeitung von Composites hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT im März 2018 auf der JEC World Composite Show im Fokus: In Paris demonstrieren die Forscher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL unter anderem, wie sich Verbundwerkstoffe mit dem Laser fügen, strukturieren, schneiden und bohren lassen.

Keine andere Branche hat in der Öffentlichkeit für so viel Aufmerksamkeit für Verbundwerkstoffe gesorgt wie die Automobilindustrie, die neben der Luft- und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

Wie sieht die Bioökonomie der Zukunft aus?

10.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen

15.01.2018 | Architektur Bauwesen

Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen

15.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein

15.01.2018 | Materialwissenschaften