Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Röntgenstrahlen Maß nehmen

08.04.2005


Weicht ein Bauteil nur einige hundertstel Millimeter vom Soll ab, ist es häufig schon Ausschuss. Hersteller überprüfen daher regelmäßig alle Maße. Die industrielle Computertomographie kann diesen Prozess zukünftig beschleunigen und gleichzeitig Materialfehler aufzeigen. Auf der Fachmesse Control in Sinsheim bei Heidelberg können sich Interessenten vom 26. bis 29. April näher über den Einsatz des CT-MINI in der dimensionellen Messtechnik informieren (Halle 6, Stand 6306).


Aus den Röntgendaten dieser Halterung erzeugt eine Software das wolkenartige Voxelbild. Bereits daraus lassen sich die geometrischen Maße des Teils extrahieren. © Fraunhofer IPA



Manchmal hängt das Überleben nicht am seidenen Faden, sondern einem winzigen Zahnrad. Bei Sicherheitsgurten etwa gewährleisten die kleinen Bauteile, dass die Gurte im richtigen Moment straff sitzen - allerdings nur, wenn Größe und Form der Zahnräder exakt stimmen. Daher kontrollieren Hersteller regelmäßig, ob ihre Maschinen alle Bauteile mit korrekten Abmessungen fertigen. Klassisch nutzen sie dafür optische Methoden oder tasten die Oberfläche ab. Beide Prozesse können allerdings mehrere Stunden dauern. Komplexe Konturen mit Unterschneidungen, wie etwa in einem Gewinde, lassen sich so aber nur schwer oder gar nicht erfassen. Mit Röntgenstrahlen hingegen ist dies möglich. Wissenschaftler des Fraunhofer-Forschungsverbunds Vision haben den Röntgencomputertomograph CT-MINI weiterentwickelt und mit Software für solche Materialprüfungen ausgestattet.



Bei der neuen Anwendung erfasst das Gerät den Übergang von Festkörper zu Luft und ermittelt so die Konturen des Bauteils, also dessen metrischen Ist-Zustand. Um diesen mit dem Soll-Zustand zu vergleichen, also dem CAD-Konstruktionsdatensatz, wandelt die Software die Tomographiedaten in eine räumliche Wolke aus Messpunkten um. Ein weiterer Algorithmus findet darin automatisch geometrische Elemente, wie Ebenen und Zylinder, und beschreibt so die durchleuchteten Bauteile im Raum - auf bis zu zehn Mikrometer genau. So lassen sich Bohrungsdurchmesser, Abstände und Winkel bestimmen und gegebenenfalls nachbearbeiten. Für eine erste und schnellere Visualisierung lässt sich die Punktewolke alternativ in STL-Oberflächendaten umwandeln. Daraus können etwa Rapid-Prototyping-Verfahren Modelle Schicht für Schicht aufbauen. "Die Prozesskette von einem CAD-Modell zur Produktion eines Musterbauteils und zurück zum CAD-Modell haben wir mit dieser Prüfeinrichtung erstmals geschlossen", resümiert Randolf Hanke, Leiter des Entwicklungszentrums für Röntgentechnik EZRT in Fürth.

Der nördlich von Hannover ansässige Automobilzulieferer ITW Deltar wird den CT-MINI ab Mai zur Erstbemusterung von Spritzgussteilen einsetzen. "Wir fertigen Komponenten für Sicherheitsgurte, die maximal fünfzig Mikrometer vom Soll abweichen dürfen", sagt Ralf Wulf, Quality Manager bei dem Unternehmen. "Die neue Röntgentechnik wird unsere Messzeit voraussichtlich halbieren."

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.iis.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: CT-MINI Röntgenstrahl Röntgentechnik Schicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie