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Berliner Kreis knüpft Kontakte zwischen Industrie und Hochschulen

20.04.2001


Der Berliner Kreis e.V. als wissenschaftliches Forum für Produktentwicklung hat sich zum Ziel gesetzt, die Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu stärken, indem Forschung und Lehre
gezielt auf Herausforderungen aus der Industrie abgestimmt und Unternehmen mit innovativen Methoden und Werkzeugen bei der Produktentwicklung unterstützt werden.

Im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft ist die Erhaltung der Attraktivität und Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland eine große Herausforderung. In der Vergangenheit war die Tendenz zur Ausgliederung ganzer Produktionszweige in das Ausland zu beobachten. Dies hat sich jedoch nicht nur förderlich auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt. Um die Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes Deutschland nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter auszubauen, ist es erforderlich, jene Teile der Produkterstellung, die mit einer hohen Wertschöpfung verbunden sind, im Land zu erhalten. Dies sind vor allem die Forschung und Entwicklung sowie Design und Konstruktion. Es gilt, neue und möglichst marktführende Produkte zu entwickeln.

Für die Unternehmen bedeutet dies, frühzeitig Chancen aus neuen Technologien und aus der Forschung zu erkennen und für sich zu erschließen. Typische prägende Elemente in der Unternehmenskultur wie Kreativität, Innovationsbereitschaft und Umsetzungsstärke reichen für entsprechende Strategien nicht aus. Oftmals mangelt es vor allem mittelständischen Unternehmen an Ressourcen bzw. es fehlt an entsprechenden Kommunikationsmöglichkeiten, um sich über aktuelle Entwicklungen und neue Methoden auf dem neuesten Stand zu halten.

Aus diesem Grund hat sich 1993 der Berliner Kreis e.V. (BK) als ein wissenschaftliches Forum zur Produktentwicklung konstituiert. Ihm gehören Wissenschaftler an, die sich mit der integrativen Konstruktions- und Informationstechnik in Produktentwicklungsprozessen befassen. Der BK verfolgt das Ziel, Forschung und Lehre deutlich an die sich abzeichnenden Herausforderungen anzupassen. Darüber hinaus soll das Know-How der über 400 wissenschaftlichen Mitarbeiter der Institute des BK zu den Themen Entwicklungsmethodiken, Führung und Prozessgestaltung, Suche nach Lösungsprinzipien, Bereitstellung von Werkzeugen der Informationsverarbeitung und bei der Gestaltung von Maschinenelementen zur Verfügung gestellt werden. Die heute vorherrschende Arbeitsteilung auf dem Innovationspfad von der Grundlagenentwicklung bis hin zur Vermarktung kann nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und der Industrie ersetzt werden. Dieser Wissenstransfer eröffnet gleichzeitig den Unternehmen die Möglichkeit, wesentliche Wettbewerbsvorteile zu erringen.

Um die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den Wissenschaftseinrichtungen zu initialisieren bzw. zu fördern, wurde das Berliner Kreis Kompetenz Netzwerk (BKKN) als ein kostenloses Angebot an die Industrie etabliert. Die einzelnen Institute sind über ein Datenbanksystem miteinander vernetzt. Durch eine einfache Suche anhand von Stichworten lassen sich Themenschwerpunkte identifizieren und der Kontakt zu den fachlich kompetenten wissenschaftlichen Mitarbeitern herstellen. Das BKKN bietet nicht nur Beschreibungen zu Methoden und Werkzeugen bzw. Projekten an den einzelnen Instituten. Eine Vielzahl von Veröffentlichungen lässt sich direkt aus dem Netz herunterladen. Die Aktualität der Kompetenzen wird durch eine ständige dezentrale Pflege durch die Institute gewährleistet.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Industrie und Universitätsinstituten auf dem Gebiet der Produktentwicklung und für ein anwendungsorientiertes Forschungsprojekt ist die Entwicklung eines neuartigen hochpräzisen und hochübersetzenden Kunststoffgetriebes. Die Fa. Oechsler AG ist ein innovatives Unternehmen im Bereich der Kunststoffverarbeitung mit Sitz im fränkischen Ansbach. Vor einiger Zeit erkannte man hier das enorme Marktpotential für eine patentierte Getriebekonstruktion, die nach dem Wellgetriebeprinzip arbeitet, das Wave-Drive-Getriebe. Bei der Umsetzung und Realisierung dieser Produktidee zeigten sich aber bald die ersten Schwierigkeiten, da die Kernkompetenzen der Oechsler AG vorrangig in der Fertigung und bei der Gestaltung der Prozesskette lagen. Es fehlte das notwendige Know-How hinsichtlich getriebetheoretischer und konstruktionsmethodischer Untersuchungen, was sie dazu motivierte, mit dem Lehrstuhl für Konstruktionstechnik der Universität Erlangen-Nürnberg zu kooperieren. In einem von der Bayerischen Forschungsstiftung geförderten Projekt führen Wissenschaftler des Lehrstuhls die notwendigen theoretischen und experimentellen Untersuchungen durch, die die Fa. Oechsler AG zur Konstruktion und Fertigung einer kompletten Getriebebaureihe benötigt. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit konnte die Getriebefunktion maßgeblich verbessert werden. Heute stehen erste Prototypen des Getriebes in verschiedenen Baugrößen zur Verfügung.

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik benötigen eine gemeinsame Vision, die mehr Identifikation mit der Produktinnovation herstellt. Das muss das zentrale Anliegen einer hochentwickelten Industriegesellschaft sein. Mit der "Vision der kreativen Nation" bringt der Berliner Kreis die übergeordnete Zielsetzung zum Ausdruck, erfolgversprechende Ideen zu entwickeln und diese auch umzusetzen. Es braucht einen Konsens über die Erfolgspotentiale der Zukunft und die notwendigen Strategien, diese zu erschließen.

Näheres zur Arbeit des Berliner Kreises erfahren Sie unter www.bkkn.de. Auf der Hannover Messe Industrie 2001, Halle 18 Stand P06 werden einige der Forschungsschwerpunkte der Mitglieder des Berliner Kreises e.V. vorgestellt. Auch das beschriebene Wave-Drive-Projekt zwischen der Fa. Oechsler AG und dem Lehrstuhl für Konstruktionstechnik wird zu sehen sein.

Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Harald Meerkamm
Dipl.-Ing. Kristin Paetzold
Lehrstuhl für Konstruktionstechnik
Universität Erlangen-Nürnberg
Martensstraße 9
91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -23220; Fax: 09131/85 -23223
E-Mail: paetzold@mfk.uni-erlangen.de

 Gertraud Pickel | idw

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