Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualitätsanalyse und Klassifikation von Samen mit Mikro-Computertomograph

11.02.2004


"Im Märzen der Bauer die Rösslein ...", ist längst passé, denn er besitzt eine Sämaschine und sein Saatzüchter setzt auf Optimierung mit Röntgentechnik. Ein Mikro-Computertomograph analysiert Samen von Zuckerrüben und klassifiziert sie automatisch nach ihrer Qualität.


Auf den ersten Blick haben die Blattwanze und der Rübensame wenig gemein...


Es ist das zugrunde liegende Verfahren, mit dem die wenige Millimeter kleinen Objekte abgebildet wurden. © Fraunhofer IZFP



In wenigen Wochen beginnen Landwirte mit der Aussaat von Zuckerrüben. Selbst wenn möglichst viele Pflänzchen keimen und gut gedeihen, so zeigen letztlich erst Ertrag und Zuckergehalt im Herbst, welche finanzielle Ernte eingefahren werden kann. Neben einer zu Klima und Boden passenden Rübensorte entscheidet darüber eine gleichmäßig hohe Qualität des Saatguts. STRUBE-DIECKMANN, ein führender Produzent von Zuckerrübensaat (jährlich bis zu 4 000 Tonnen) schlägt bei der Qualitätskontrolle neue Wege ein. "Die Bestimmung der Keimfähigkeit ist das einzig offiziell anerkannte Verfahren - ein naturgemäß ziemlich langwieriges", erzählt Dr. Antje Wolff, im Unternehmen für den Bereich Saatgutforschung verantwortlich. "Schnellere Untersuchungen ermöglichte ein Standard-Röntgenverfahren. Da wir unsere Anforderungen an die Qualität immer höher schraubten, installierten wir vor zwei Jahren eine Anlage, mit der inzwischen bis zu zwanzig geometrische Parameter der Samen räumlich vermessen werden."



Der Röntgen-Mikrotomograph durchstrahlt die rotierenden Samenkörner. Eine Software errechnet Schichtbilder, baut daraus ein dreidimensionales Abbild auf, erkennt die verschiedenen Gewebe und vermisst sie - etwa das Volumen des Embryos mit Nährgewebe oder das seiner Fruchtschale. Der automatische Abgleich mit Daten aus Keimversuchen führt zur Klassifikation der Samen. Bis zu einhundert von ihnen können so in wenigen Minuten geprüft werden. Nach kurzer Zeit ist den Mitarbeitern des Unternehmens klar, wie sie Sortier- und Aufbereitungsmaschinen für die geforderte Qualität einstellen müssen. Doch gehen die Erkenntnisse darüber hinaus: Mit der zerstörungsfreien Analyse untersuchen Antje Wolff und ihre Kollegen, wie das Wachstum von Keim und jungen Pflänzchen von der Morphologie der Samen abhängt - nicht nur bei Zuckerrüben.

Die etwa schrankgroße Anlage entstand in enger Kooperation mit dem Entwicklungszentrum für Röntgentechnik EZRT, einer gemeinsamen Abteilung zweier Fraunhofer-Institute. "Diese Anwendung eröffnet uns ein ganz neues Gebiet - das der lebenden Materie", sagt dessen Leiter Dr. Randolf Hanke. "Möglich wurde dies mit fünfzehn Jahren Erfahrung aus anderen Bereichen: Bisher haben wir Verfahren etabliert, die automatisch Fehler in Gussteilen erkennen oder elektronische Bauelemente und verpackte Lebensmittel inspizieren." Ein leistungsfähiges und dennoch vergleichsweise kostengünstiges Tischmessgerät entwickelten die Forscher ebenfalls: Den "CT-Mini" samt Software vertreibt die Firma ProCon X-Ray.

Ansprechpartner für Röntgentechnik:

Dr. Randolf Hanke, Tel. 0911-97037-11, Fax -19, hanke@iis.fraunhofer.de
Dr. Michael Maisl, Tel. 0681-9302-3825, Fax -5920, michael.maisl@izfp.fraunhofer.de

für Saatgutforschung:
Dr. Antje Wolff, Tel. 05354-809-0, Fax -66, wolff@fr-strube.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.iis.fraunhofer.de/xrt
http://www.fraunhofer.de/mediendienst

Weitere Berichte zu: Klassifikation Mikro-Computertomograph Röntgentechnik Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie