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Mehr Privatsphäre in der digitalen Welt

11.07.2008
Frankfurter Wissenschaftler leiten ein internationales EU-Projekt, das vertrauensbildende Mechanismen für Internet-Communities und ihre Nutzer entwickeln soll.

In der digitalen Welt steht jeder Einzelne vor der Aufgabe, die Kontrolle über seine persönlichen Daten zu behalten. Doch wie ist das möglich, wo jede Aktion im Internet ihre Spuren hinterlässt und sich digitale Daten einfach und unbemerkt verknüpfen lassen?

Frankfurter Wissenschaftler im Team von Prof. Kai Rannenberg, T-Mobile Stiftungsprofessur für Mobile Business & Multilateral Security, erforschen in Kooperation mit zehn internationalen Partnern, wie vertrauensbildende Mechanismen, die den Benutzer und seine Privatsphäre schützen, aussehen könnten. Besondere Relevanz haben derartige Fragen in Online Communities wie beispielsweise XING oder StudiVZ, in denen die Nutzer eine Vielzahl persönlicher Daten bereitstellen.

Im Zentrum der Forschungsaktivitäten von Rannenberg und seinem Team stehen diese Aspekte, speziell vor dem Hintergrund der zunehmenden Mobilität von Online Communities. Ziel ist deshalb die Entwicklung einer Plattform für solche "Mobile Communities". Diese Plattform soll verschiedene Dienste für Communities zur Verfügung stellen, unter anderem Dienste für das Identitätsmanagement und den Schutz der Privatsphäre der Benutzer.

PICOS (Privacy and Identity Management for Community Services) heißt dieses neue von den Frankfurtern koordinierte Projekt, das mit fast vier Millionen Euro im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms und mit zwei weiteren Millionen durch industrielle Partner über drei Jahre gefördert wird. Prof. Rannenberg erläutert: "PICOS erhebt die Anforderungen mobiler Nutzer und entwirft eine Community-Plattform sowie einen Prototyp. Dabei steht für uns im Mittelpunkt, dass die Mechanismen des Identitätsmanagements für alle zugänglich und vertrauensbildend sind und insbesondere die Privatsphäre respektiert wird."

In den vergangenen Jahren haben sich die verschiedensten Dienstleistungen für professionelle und private online-basierte Communities rasant entwickelt; immer neue Anbieter offerieren ihre Dienste und verknüpfen Menschen mit ähnlichen Interessensfeldern. Bereits heute verbringen viele Europäer Teile ihrer Arbeits- und Freizeit in solchen Communities - wie in sozialen Netzwerken oder anderen "real-world"- Communities, die auf angebotene Onlinedienste zurückgreifen, um ihre Aktivitäten zu koordinieren und durchzuführen.

Im Trend liegen inzwischen mobile Communities: Sie ermöglichen es ihren Benutzern, unabhängig von Ort und Zeit aktiv an der Community zu partizipieren. Die nachhaltigere Verknüpfung von Dienstleistungen führt dazu, dass virtuelle und reale Communities noch stärker mit einander verwoben werden. Kontextinformationen wie Ortsinformationen sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung und können beispielsweise für spontane Treffen in der "realen" Welt und ortsbasierte Dienste genutzt werden.

Doch diese erhöhte Mobilität hat auch ihre Kehrseite. So lässt sich leicht feststellen, wo sich jemand gerade aufhält. Dazu Prof. Rannenberg: "Benutzer hinterlassen zunehmend Spuren privater Informationen beim Agieren in diesen mobilen Communities - oftmals ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Dienstanbieter von Community-Plattformen werden mehr und mehr von verschiedenen Seiten mit Aspekten und Fragestellungen des Vertrauens und der Privatsphäre konfrontiert."

Meist finanzieren sich die Community-Dienste über Marketingaktivitäten von Sponsoren oder Werbetreibenden, für die detaillierte Informationen über das Verhalten der Nutzer von höchstem Interesse sind; gleichzeitig sollen diese Communities auch die Privatsphären ihrer Mitglieder schützen. Wie können Informationsflüsse und Datenschutzanforderungen innerhalb dieser komplexen verteilten Service-Architektur ausbalanciert werden? Mit dieser Problematik werden sich die Forscher im PICOS-Projekt beschäftigen.

Neue und innovative Community-unterstützende Dienstleistungen - angeboten von diversen Kommunikationsdienstleistern - werden zudem verstärkt interoperabel sein, das heißt, es wird in Zukunft immer mehr Plattformen geben, die Zugänge zu verschiedenen Communities ermöglichen. "Daraus resultiert die Notwendigkeit, die Mechanismen des Identitätsmanagements auch interoperabel zu gestalten", sagt Rannenberg. Bei den Nutzern steigt die Sensibilität und das Bedürfnis, die Privatsphäre stärker schützen zu wollen; die Communities spüren dies und die Verantwortlichen wissen, dass sie sich des Themas annehmen müssen und sich nicht nur auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zurückziehen können.

Informationen: Prof. Dr. Kai Rannenberg, T-Mobile Stiftungsprofessur für M-Business & Multilateral Security Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798-25301, info@picos-project.eu

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.picos-project.eu

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