Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eines für alle, alle für eines – Neues EU-Projekt zur Entwicklung intelligenter Computersysteme startet

11.10.2010
Einer für alle, alle für einen: Das gilt für Musketiere, für Mannschaften – und nun auch für Computersysteme. Möglich soll dies ein neues EU-Projekt an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München machen, dessen Projektpartner sich vom 11. bis zum 13. Oktober zu einem Kick-off Meeting an der LMU treffen werden.

Ziel des ASCENS (Autonomic Service-Component Ensembles)-Projekts ist die Entwicklung sogenannter Ensembles von Programmen, die flexibel, selbstständig und zuverlässig auf unterschiedliche Umgebungen und Anforderungen reagieren, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

„Die Idee dahinter ist: Software soll sich in Zukunft besser an die Bedürfnisse der Benutzer anpassen und selbstständig auf neue Situationen einstellen – und zwar ohne dafür neu konfiguriert oder installiert zu werden“, sagt der Koordinator des Projekts, Professor Martin Wirsing. Der Leiter des Lehrstuhls für Programmierung und Softwaretechnik der LMU wird mit seinen Partnern unter anderem dafür sorgen, dass die Ensemblemitglieder eine gemeinsame (Programmier-)Sprache sprechen und über eine gemeinsame Plattform miteinander kommunizieren. Diese praktischen Aspekte werden durch ASCENS zum ersten Mal mit Forschung zu den theoretischen Grundlagen von Ensembles verbunden. An dem auf vier Jahre angelegten Projekt sind zwölf Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus fünf EU-Ländern sowie der Schweiz beteiligt.

Aktuelle Methoden, um Software zu entwerfen, sind denkbar schlecht für die Entwicklung von Ensembles geeignet, denn sie gehen davon aus, dass die Entwickler alle relevanten Informationen, etwa die Umgebung, in der das System arbeiten soll, während der Entwicklung analysieren und ihren Entwurf daran anpassen. Die fertigen Softwarekomponenten können also gewisse Aufgaben erfüllen, wissen aber weder, welchem Zweck diese Aufgaben dienen, noch wie sie zur Gesamtfunktionalität des Systems beitragen. Dadurch wird es dem System unmöglich, sich an veränderte Situationen anzupassen.

Das zu ändern, hat sich das von der EU geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt ASCENS auf die Fahnen geschrieben. Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung von Ensembles ist, autonome Software-Komponenten dazu zu bringen, sich sinnvoll zu vernetzen, komplex zu interagieren und dadurch viele mögliche Verhaltensweisen hervorzubringen. Grundlage dafür sind wissenschaftliche Fortschritte in mehreren Bereichen: Neben der Entwicklung der einzelnen Servicekomponenten müssen auch neue Methoden in der Kommunikation und eine neue Programmiersprache ausgearbeitet werden. Nicht zuletzt müssen mathematisch fundierte Techniken – sogenannte formale Methoden – entwickelt werden, die sicherstellen, dass das System trotz aller Anpassungen die Ziele, für die es entworfen wurde, nicht „aus dem Blick verliert“.

ASCENS ist dabei zweigleisig angelegt: An der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis soll es zum einen neuen Software-Systemen zum Durchbruch verhelfen. Zum anderen aber soll das Projekt zur Lösung realer Probleme beitragen. Eine mögliche Anwendung ist hier die Entwicklung von Roboter-Ensembles, deren Mitglieder sowohl autonom als auch im Kollektiv handeln können – und sich beispielsweise gegenseitig bei der Überwindung von Hindernissen helfen. Wie das im konkreten Fall aussehen kann, erläutert Wirsing: “Bei Katastropheneinsätzen könnten solche Roboter-Ensembles einschreiten, Verletzten Hilfe leisten und so die realen Helfer sinnvoll unterstützen. Dabei müssen sich die Roboter auf eine Unzahl nicht vorhersehbarer Situationen einstellen, aber bei allen Anpassungen muss trotzdem garantiert werden, dass die Roboter weder Opfer noch Helfer gefährden“. Das sei natürlich noch Zukunftsmusik, betont Wirsing. Die Projektspanne von vier Jahren könne aber deutliche Fortschritte in diese Richtung ermöglichen/erlauben.

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.ascens-ist.eu
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: ASCENS Computersystem EU-Projekt Ensembles LMU Roboter Roboter-Ensembles Wirsing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement
21.08.2017 | ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik