Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei-Grad-Leitplanke erfordert Emissionsreduzierung der Industrieländer um 40 Prozent gegenüber 1990 bis 2020

17.12.2009
Gemeinsame Mitteilung der Autoren des Berichts „The Copenhagen Diagnosis“, 2009

Um eine gute Chance zu wahren, eine gefährliche Störung des Klimasystems durch den Menschen zu vermeiden, müssen die Industrieländer bis zum Jahr 2020 ihre Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent gegenüber der Menge von 1990 vermindern, sagen die Autoren des kürzlich veröffentlichten Klimaforschungsberichts „The Copenhagen Diagnosis“.

Die Wissenschaftler haben Projektionen aus dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC sowie danach veröffentlichte Analysen ausgewertet und gelangen zur Abschätzung, dass Emissionsreduktionen der Industrieländer von etwa 40 Prozent notwendig sind, um die globale Erwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

In ihrem am 25. November dieses Jahres erschienenen Bericht wiesen die Autoren darauf hin, dass viele Staaten weltweit die Bedeutung der Zwei-Grad-Leitplanke anerkennen. Diese Marke könnte jedoch bereits im Jahr 2040 überschritten werden, wenn nicht umgehend Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes ergriffen würden.

Seit Verabschiedung der grundlegenden Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen im Jahr 1992, ratifiziert von fast allen Staaten der Welt einschließlich der USA, haben die Emissionen von Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen um mehr als 40 Prozent zugenommen, stellen die Autoren fest.

„Artikel 2 der Klimarahmenkonvention besagt, dass es eine gefährliche menschliche Störung des Klimasystems zu vermeiden gilt. Mit dem Zuwachs an Emissionen steuern wir aber auf gravierende Klimaänderungen zu, wenn wir nicht sicherstellen, dass die Emissionen drastisch reduziert werden“, sagt Matthew England, einer der Autoren.

Der Bericht „The Copenhagen Diagnosis“ ist Ergebnis einer einjährigen Zusammenarbeit. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass einige Aspekte des Klimawandels früher und stärker eintreten als noch vor wenigen Jahren vermutet.

Die großen Eisschilde der Erde verlieren zunehmend an Masse; das arktische Meereis schmilzt und dünnt sich deutlich schneller aus als noch kürzlich projiziert, und der Meeresspiegel wird wahrscheinlich stärker ansteigen als bislang angenommen.

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der Temperaturanstieg weiterhin den früheren Projektionen des IPCC auf Basis der wachsenden Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre folgt. Ohne deutliche Verminderung der Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen, berichteten die Autoren.

Weitere Schlüsselergebnisse des Berichts:

• Sowohl der Grönländische als auch der Antarktische Eisschild verlieren zunehmend an Masse und tragen zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

• Die Fläche des im Sommer verbleibenden arktischen Meereises war während der Jahre 2007 bis 2009 jeweils rund 40 Prozent kleiner als der Mittelwert der Simulationsrechnungen für den vierten Sachstandsbericht des IPCC von 2007.

• Der Meeresspiegel könnte bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter ansteigen. Ohne erfolgreiche Vermeidungsmaßnahmen muss in den nächsten Jahrhunderten mit einem Anstieg um mehrere Meter gerechnet werden.

• Wenn die globale Erwärmung langfristig auf höchstens zwei Grad Celsius über vorindustrielles Niveau begrenzt werden soll, müssen die Pro-Kopf-Emissionen in den Industrieländern bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber der Menge von 1990 reduziert werden.

Aus dem Bericht geht hervor, dass die globalen Emissionen in spätestens fünf bis zehn Jahren ihren Gipfel überschritten haben und anschließend schnell abnehmen müssten, damit die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden können.

Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden: www.copenhagendiagnosis.com

Statements von Autoren:

„Schon im 19. Jahrhundert war der Wissenschaft bekannt, dass Treibhausgase eine globale Erwärmung bewirken – das ist einfache Physik. Die Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte wurde vorausgesagt und ist genauso eingetreten. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass wir weiterhin nur darüber reden, anstatt unsere Emissionen zu vermindern.“

Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Deutschland

„Die Kohlendioxid-Emissionen dürfen nicht weiter zunehmen, wenn die Menschheit das Risiko unbeherrschbarer Auswirkungen des Klimawandels begrenzen will. Wir müssen den Wendepunkt bald erreichen; die Aufgabe duldet keinen Aufschub. Wenn wir die Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen wollen, was sich viele Länder zum Ziel gesetzt haben, müssen die Emissionen ihr Maximum vor 2020 erreichen und anschließend schnell abnehmen.“

Richard Somerville, Professor an der Scripps Institution of Oceanography der University of California, San Diego, USA

„Es gibt Rückkopplungsmechanismen im Kohlenstoffkreislauf, von denen wir noch nicht wissen, wie viel sie zusätzlich zur Erwärmung beitragen könnten. Wir müssen mit Überraschungen rechnen. Mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit unter zwei Grad Erwärmung zu bleiben wäre zu knapp kalkuliert, um darauf reagieren zu können.“

Corinne Le Quéré, Professorin für Umweltwissenschaften an der University of East Anglia, Großbritannien

Ansprechpartner:
Matthew England, Tel.: +61 425 264 485, E-Mail: M.England@unsw.edu.au
Richard Somerville, Tel.: +1 619 977 2713, E-Mail: rsomerville@ucsd.edu
Corinne Le Quéré, Tel.: +44 789 0556096, E-Mail: c.lequere@uea.ac.uk
PIK-Pressestelle, Tel.: +49 331 288 25 07, E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 331 288 25 07
Fax: +49 331 288 25 70
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.
Telegraphenberg A 31
Postfach 60 12 03
D-14412 Potsdam

PIK-Pressestelle | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de
http://www.copenhagendiagnosis.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik