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Zwei Augen mehr für den Karbonwald: fossiler Weberknecht lüftet Geheimnis

15.04.2014

Ein spektakulärer fossiler Weberknecht-Fund aus Frankreich wurde vor kurzem von einem Forscherteam aus dem Berliner Naturkundemuseum, England und den USA mittels Computertomographie untersucht und veröffentlicht.

Der Neufund hat einen Körperbau wie keiner der noch lebenden Weberknechte und besaß Augen mittig und seitlich auf dem Kopf. Moderne Weberknechte haben entweder Zentral- oder Seitenaugen, aber nie beides zusammen.

Das bedeutet, dass die Urformen der Weberknechte beide Augentypen besaßen. Gen-Untersuchungen stützen diese Hypothese. Kleine Überreste der während der Evolution verlorengegangenen Augen wurden sogar in Embryos heutiger moderner Weberknechte gefunden.

Bisher wurden ca. 6000 lebende Weberknechtarten beschrieben, wobei die langbeinige Tierform die bekannteste ist. Fossile Weberknechte sind sehr selten, der älteste Fund zeigt, dass Weberknechte bereits vor mehr als 400 Millionen Jahren auf unserem Planeten lebten.

Ein etwas jüngerer Neufund aus Frankreich (ca. 305 Millionen Jahre) gibt spannende Einblicke in die Evolution dieser Tiergruppe. Die neu gefundene Art weist eine Kombination von Merkmalen auf, die in keinem der modernen Weberknechte vorkommen. Unter anderem hat das Tier zwei Augenpaare und wurde dadurch einer neuen, ausgestorbenen Unterordnung mit dem Namen „Tetraophthalmi“ zugeordnet.

Modernere Weberknechte haben entweder Zentral- oder Seitenaugen. Die ausgestorbene Art hat beides, was dem Grundmuster der Spinnentiere im Allgemeinen entspricht.

Gerüstet mit den Daten aus dem Fossilbefund untersuchte das Forscherteam um Jason Dunlop vom Berliner Museum für Naturkunde Embryonen eines modernen Weberknechts mit nur einem Augenpaar und fand Gene, die in der Vergangenheit zusätzliche Seitenaugen bildeten, aber inzwischen ‚ausgeschaltet‘ sind.

Dieses Beispiel zeigt hervorragend, wie moderne Molekulargenetik und Paläontologie zusammenarbeiten, um die Evolution einer bestimmten Tiergruppe besser zu verstehen. Der Neufund kann in einen Stammbaum der Weberknechte integriert werden und bildet ein genaueres Zeitfenster ab, wann die ersten modernen Weberknechte entstanden sind.

Zitat: Garwood, R. J., Sharma, P. P., Dunlop, J. A, & Giribrt, G. 2014. A Paleozoic stem group to mite harvestmen revealed through integration of phylogenetics and development. Current Biology 24:1–7. http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2014.03.039

Dr. Gesine Steiner | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

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