Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie der Pazifik auf die Gletscher wirkt

27.10.2015

Es ist der stärkste Mechanismus für Klimavariabilität auf der Erde. Das natürliche Phänomen El Niño Southern Oscillation (ENSO) stört das Wetter im Pazifik immer wieder für mehrere Monate – die Auswirkungen breiten sich aber über den gesamten Globus aus. Welche Folgen ENSO auf Gebirgsregionen hat, das untersucht ein internationales Forscherteam unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in den kommenden drei Jahren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt mit rund 230.000 Euro.

Der Mechanismus, der die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Ozean im Pazifik bestimmt – El Niño Southern Oscillation (ENSO) genannt –, ist der stärkste Mechanismus für Klimavariabilität auf der Erde. ENSO bestimmt, wie Luft und Wasser im Pazifik bis hin zum Indischen Ozean zirkulieren und führt damit zu außergewöhnlichen jahreszeitlichen Witterungen in den Tropen und darüber hinaus.


Installation einer automatischen Wetterstation vor dem Eiskliff des Nördlichen Eisfeldes am Kilimandscharo auf 5.700 m Höhe.

Bild: Thomas Mölg

Dabei stört ENSO zuallererst die durchschnittlichen Bedingungen des tropischen Zirkulationssystems und verursacht Anomalien: Das Phänomen „El Niño“ ist weltweit gefürchtet, da es zu extremen Verhältnissen führt, wie beispielsweise Dürre, Stürme, Überschwemmungen oder Hitzewellen. In bodennahen Schichten sind ENSO und seine Auswirkungen bereits gut erforscht.

Aber welchen Einfluss hat ENSO auf Gebirge und Gletscherregionen? Dieser Frage gehen FAU-Wissenschaftler um Klimatologe Prof. Dr. Thomas Mölg zusammen mit Kollegen der Universität Innsbruck, der University of Massachusetts und der neuseeländischen University of Otago in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt die nächsten drei Jahre nach.

Ziel des Projekts ist es, ein Rechenmodell zu erstellen, das sowohl die Auswirkungen von ENSO auf Gletscher und Gebirge in verschiedenen Klimazonen, als auch die Einflüsse auf die großräumige Klimadynamik einbezieht – und das über eine Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten.

„Unser Modell soll simulieren können, wie die jahreszeitlichen Wetteränderungen im Pazifik durch ENSO in Gebirgsregionen ankommen“, erklärt Prof. Mölg vom FAU-Institut für Geographie. Ein umfangreiches Projekt – müssen doch regionale und lokale Wetterfaktoren miteinander verbunden und die verschiedenen zeitlichen und räumlichen Dimensionen, die ENSO durchläuft, berücksichtigt werden. Nur mit Hilfe von Supercomputern, wie etwa am Regionalen Rechenzentrum Erlangen, lassen sich solche Simulationen durchführen.

Messungen auf der höchsten Wetterstation Afrikas

In das umfangreiche Modell laufen dabei Daten aus einzigartigen Messungen in sehr großer Höhe ein. Das internationale Forscherteam betreibt unter anderem die höchste Wetterstation Afrikas: Rund 20 Meter unterhalb des Gipfels des Kilimandscharos sammeln die Klimatologen schon seit vielen Jahren Klimadaten.

Dabei müssen diese sowie die anderen Stationen regelmäßig besucht und gewartet werden, denn die Bedingungen auf ca. 6000 Meter sind nicht nur für Menschen, sondern auch für die Messgeräte eine große Herausforderung. Qualitativ hochwertige Messdaten aus hohen Luftschichten sind deshalb nach wie vor Mangelware. Weitere Wetterstationen des internationalen Teams, die in das Projekt einfließen, stehen in Südamerika und Neuseeland.

Besonders interessant werden die Berechnungen im Modell für die jüngsten Jahrzehnte aufgrund des Klimawandels. Denn dieser wirkt auch auf ENSO ein. „Durch den Klimawandel kann ENSO seltener oder häufiger vorkommen, mehr oder weniger intensiv, und auch die Zonen, die ENSO beeinflusst, können sich verschieben“, erklärt Mölg. „Diese geänderte Rahmenbedingung muss in der Auswertung der Modellrechnungen und Messungen genauestens berücksichtigt werden.“

Mithilfe der Ergebnisse wollen die Wissenschaftler die Frage beantworten, wie die Koppelung zwischen großräumiger, bodennaher Klimavariabilität und dem Klima in höheren Luftschichten physikalisch abläuft. „Ganz generell wird dies unser Verständnis der Funktionsweise des Klimas erweitern, was für bessere Abschätzungen des zukünftigen Klimas entscheidend ist. Im Kontext des Projekts hat dies besonders hohe Relevanz, da Gebirge mit ihren Gletschern in vielen Erdteilen einen wesentlichen Faktor für Wassersicherheit, Naturgefahren und den Beitrag zum Meeresspiegelanstieg darstellen“, erklärt Mölg.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Mölg
Tel.: 09131/85-26325
thomas.moelg@fau.de

http://www.fau.de/

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: ENSO El Niño Gletscher Klimavariabilität Pazifik Wetteränderungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise