Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uralte Opa-Langbeine

24.08.2011
Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Dr. Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht heute in der internationalen Fachzeitschrift Nature Communications den Fund von zwei bemerkenswerten Weberknecht-Fossilien aus Frankreich.

Die 305 Millionen Jahre alten Spinnentiere wurden mit den neuesten computertomographischen Methoden untersucht. Die 3D-Bilder und Filmeaufnahmen zeigen, dass die Tiere aus dem Steinkohlenwald des Karbonzeitalters den noch heute existierenden zwei Weberknecht-Gruppen ähneln. Weberknechte haben sich demnach vor mehr als 300 Millionen Jahren in ihre Hauptgruppen gespalten und manche von ihnen haben seither ihren Körperbau kaum verändert.


Fossiler Weberknecht Macrogyion cronus
Russell Garwood (CT Bild)

Weberknechte, oft als ‘Opa Langbein’ bekannt, gehören zu den Spinnentieren. Obwohl sie wie Webspinnen aussehen, gehören sie einer anderen Spinnentiergruppe an. Sie erzeugen weder Fäden noch Gift. Weltweit gibt es rund 6500 lebende Weberknechtarten. Fossil überliefert sind nur etwa 30 bisher bekannten Arten, was Neufunde wissenschaftlich besonders spannend macht.

Eine internationale Forschergruppe, an der Dr. Jason Dunlop aus dem Museum für Naturkunde Berlin beteiligt war, hat zwei neue Fossilien vom Ende des Karbonzeitalters (305 Millionen Jahre alt) aus Mittelfrankreich (Montceau-les-Mines) beschrieben. Die fossilen Überreste sind in Steinknollen erhalten. Viele Weberknechte haben lange Beine, und es ist eine enorme Herausforderung, diese richtig abzubilden, wenn sie tief im Gestein sind. Um dieses Problem zu umgehen, haben die Wissenschaftler die Computertomographie eingesetzt, um das ‚Loch’ im Stein, in welchem das Tier saß, zu scannen. Dadurch konnten hochauflösende 3D-Bilder erzeugt werden, die die Details wie Beinspitzen, Krallen oder Mundwerkzeuge gut darstellen.

Diese Studie belegt, dass beide Fossilien verblüffende Ähnlichkeit mit den heutigen Weberknechten haben. Das eine Tier hat die typische Form mit kleinem, rundem Körper und langen, dünnen Beinen, genau wie der heutzutage am häufigsten anzutreffende einheimische Weberknecht. Das andere Tier ist mit einem deutlich stacheligen Körper für uns ungewöhnlich, entsprechende Weberknechte leben aber noch heute in Nordamerika. Dank des guten Erhalts dieser Stücke war es möglich, Merkmale zu erkennen, um die Tiere sicher im Stammbaum zuzuordnen. Damit steht fest, dass die heute noch existierenden Weberknecht-Gruppen – wie die Spinnentiere mit den langen, dünnen Beinen, die man häufig im Gebüsch findet - bereits vor 300 Millionen Jahren lebten. Somit haben sich die Weberknechte früher ihre „moderne“ Form zugelegt, als die heutzutage viel erfolgreicheren Webspinnen.

Veröffentlicht in: Garwood, R. J., Dunlop, J. A. Giribet, G. & Sutton, M. D. Anatomically modern Carboniferous harvestmen demonstrate early cladogenesis and stasis in Opiliones.– Nature Communications. DOI 10.1038/ncomms1458

Fotos erhalten Sie unter:
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/OpaLangbein
Credit: Russell Garwood (CT Bilder) / Jason Dunlop (Zeichnung)
1. Seitenansicht (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Ameticos scolos aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlenwäldern Frankreichs.

2. Rückenansicht (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Ameticos scolos aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlenwäldern Frankreichs.

3. Video einer computertomographischen Nachbildung des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlwäldern Frankreichs.

4. Körperbau (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlwäldern Frankreichs.

5. Gesamtüberblick einer computertomographischen Aufnahme des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alte Steinkohlwäldern Frankreichs.

6. Zeichnung der gefundenen fossilen Weberknechte.

Kontakt:

Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie