Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefer Blick unter die Erde

26.07.2010
Geologen der TU Berlin nutzen den Bau der OPAL Gas-Pipeline für einmalige Untersuchungen der jüngeren Klimageschichte Ostdeutschlands

Ende 2011 soll das erste Erdgas durch die neue Erdgasleitung OPAL von der Ostsee aus bis nach Tschechien fließen. Die Abkürzung OPAL steht für die „Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung“, die von Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern aus die 1200 Kilometer lange Nord-Stream-Leitung, die aus Russland kommt, mit dem europäischen Ferngasleitungsnetz verbinden soll.

Doch durch den 470 Kilometer langen und drei Meter tiefen Nord-Süd-Graben soll nicht nur Erdgas fließen. Er bietet Geologen der TU Berlin auch die einmalige Gelegenheit, in die Erdgeschichte quer durch Ostdeutschland zu schauen und aus dem Klimageschehen von gestern Erkenntnisse für die Entwicklungen von morgen zu gewinnen.

„Wir erhalten hier einen fantastischen Aufschluss über die erdgeschichtlichen Geschehnisse während und seit der letzten Eiszeit, die in unseren Breiten vor etwa 10.000 Jahren endete“, berichtet Dr. Olaf Juschus, Wissenschaftler am TU-Fachgebiet Explorationsgeologie von Prof. Dr. Wilhelm Dominik und ausgewiesener Quartär-Experte. Mit Spaten, Messgeräten, Gummistiefeln und Helm sind Dr. Olaf Juschus und sein Kollege Dr. Robert Bussert seit Beginn der OPAL-Bauarbeiten in Brandenburg den Hinterlassenschaften der letzten etwa 140.000 Jahre im Pipeline-Graben auf der Spur. Die sedimentologischen Untersuchungen geben ihnen wichtigen Aufschluss zur jüngeren Landschafts- und Klimageschichte Brandenburgs. „Die klimatische Zukunft kann man nur verstehen, wenn man in die Vergangenheit schaut“, sagt Olaf Juschus.

„Beispielsweise haben wir festgestellt, dass die sogenannte Glaziodynamik, also die durch die Eisbewegung hervorgerufenen Strukturen, kräftiger sind als bisher angenommen“, erklärt Juschus. „Brandenburg liegt am Südrand des ehemaligen skandinavischen Eisschildes, wo – so nahm man bisher an – vor allem die Abschmelzung des Eises gewirkt hat. Für Nordbrandenburg zeigt sich aber doch ein anderes Bild.“

Besonders aufschlussreich sind für die Forscher gefundene Holzstämme im Spreetal bei Fürstenwalde. Unter den luftdichten Bedingungen im Sediment zerfällt das Holz nicht und kann mit Methoden der Dendrochronologie und der Radiocarbon-Analyse auf sein Alter hin untersucht werden. So kann das Alter der betreffenden Altläufe der Spree bis auf wenige Jahrzehnte genau bestimmt werden. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die bisher untersuchten Altläufe deutlich jünger sind, als bisher angenommen.

Mit ihren Einblicken müssen sich die Forscher beeilen. Die OPAL-Leitung wird aus einzelnen, 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren mit Gummi ummantelten Stahlrohren zu Segmenten von mehreren hundert Meter Länge zusammengeschweißt, die am Stück in den Graben gehoben werden. So öffnen sich den Forschern oft nur kurze Zeitfenster, in denen vor Ort Proben genommen und Bestandsaufnahmen durchgeführt werden können, bevor der Graben nach wenigen Tagen wieder geschlossen wird.

„Insgesamt sind wir sehr froh über diese Kooperation mit der WINGAS GmbH, die zusammen mit der E.ON Ruhrgas AG das OPAL-Projekt durch-führt“, so Juschus. „Sie ermöglicht uns diesen aktuellen Blick in die jünge-re Erdgeschichte seit der letzten Eiszeit. Das bisherige Kartenmaterial ist bruchstückhaft und darüber hinaus auch schon mehr als 50 Jahre alt.“

Wenn im Herbst 2011 das erste Erdgas durch die OPAL fließt, werden sicher auch schon neue Ergebnisse zur eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Geschichte Brandenburgs vorliegen.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dr. Olaf Juschus, TU Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften, Fachgebiet Explorationsgeologie, Ackerstraße 76, 13355 Berlin, Tel.: 030 314-2 53 92, E-Mail: olaf.juschus@tu-berlin.de und Dr. Robert Bussert, TU Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften, Fachgebiet Explorationsgeologie, Ackerstraße 76, 13355 Berlin, Tel.: 030 314-2 26 72, E-Mail: robert.bussert@tu-berlin.de

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=88054
http://www.tu-berlin.de/?id=6151
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive