Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein tektonischer Reißverschluss

09.09.2010
Der Ablauf des Februar-Erdbebens von Chile war bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar.

Der vorhersehbare Ablauf des Februar-Erdbebens von Chile

Der komplizierte Bruchverlauf, den das Erdbeben in Concepción (Chile) vom 27. Februar 2010 nahm, war bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar. GPS-Beobachtungen aus den Jahren vor dem Beben zeigten das Muster der Spannungen, die sich durch die Plattenbewegungen der letzten 175 Jahre in diesem Bereich angesammelt hatten. Die aus Beobachtungen abgeleitete Spannungsverteilung korreliert in hohem Maße mit der späteren Bruchverteilung.

Durch das Beben wurde sehr wahrscheinlich alle Spannungen abgebaut, die sich seit dem letzten, von Charles Darwin beobachteten Beben in dieser Region im Jahre 1835 aufgestaut hatten. Das macht ein vergleichbares Starkbeben an dieser Stelle in naher Zukunft unwahrscheinlich. Dieses Ergebnis stellen Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft) in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“ (09. 09. 2010) vor.

„Das Maule-Erdbeben bei Concepción,Chile vom 27. Februar zählt mit einer Momenten-Magnitude von 8,8 zu den größten Beben, welches durch ein modernes Netzwerk weltraum-geodätischer und geophysikalischer Messsysteme am Boden vollständig erfasst wurde,“ sagte dazu Professor Onno Oncken, Direktor des Departments „Geodynamik“ am GFZ. „Damit bietet es die einmalige Möglichkeit, detaillierte Beobachtungen vor dem Beben mit denen während und nach dem Beben zu vergleichen und Hypothesen zur Voraussagbarkeit solcher Ereignisse neu zu bewerten.“

Messungen mithilfe des Satellitennavigationssystems GPS zeigten, dass sich der pazifische Ozeanboden der Nazca-Platte nicht gleichmäßig unter den westlichen Rand des südamerikanischen Kontinents schiebt. Vielmehr lässt sich aus den GPS-Messungen ableiten, dass sich an einigen Stellen der Ozeanboden mit dem Untergrund des Kontinents verhakte. In den Zwischenräumen allerdings schob sich die Nazca-Platte weiter unter Südamerika. Der ungleichmäßige Spannungsaufbau entlud sich durch das Beben vom 27. Februar derart, dass wie bei einem Reißverschluss eine verhakte Stelle nach der nächsten aufriss.

Damit ist diese seismische Lücke vor der chilenischen Westküste geschlossen, es bleibt ein letzter Zwischenraum im Norden Chiles. Hier haben die GFZ-Wissenschaftler ein Plattengrenzen-Observatorium aufgebaut, um mit dem gesamten Instrumentarium der Geowissenschaften den Zustand vor, während und nach einem Beben festzuhalten - ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Abläufe der Plattentektonik.

Die moderne Geowissenschaft kann zwar weiterhin nicht Ort, Stärke und Zeit von Erdbeben vorhersagen. Die hier vorgestellte Studie bietet dennoch eine optimistische Perspektive, was die Abschätzbarkeit möglicher Bruchverläufe und Magnituden zu erwartender Erdbebens angeht.

Marcos Moreno, Matthias Rosenau, Onno Oncken: “2010 Maule earthquake slip correlates with pre-seismic locking of Andean subduction zone”, Nature, Vol 467, issue 7312, pp 198-202; DOI: 10.1038/nature09349

siehe auch: http://www.ipoc-network.org

Franz Ossing | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.ipoc-network.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften