Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Souvenirs aus der Kinderstube des Sonnensystems

05.09.2012
Mineraloge der Universität Jena erforscht Staubteilchen vom Asteroiden „25143 Itokawa“

Es sind zwei ganz besondere „Mitbringsel“, die Prof. Dr. Falko Langenhorst von der Friedrich-Schiller-Universität Jena gerade per Post aus Japan bekommen hat: mit bloßen Augen eher zu erahnen als wirklich zu sehen, in einem metallischen Container verschlossen und gesichert, wie kostbare Schmuckstücke.


Fest verschraubt in einem Metallzylinder sind die zwei mikroskopisch kleine Staubkörnchen vom Asteroiden „25143 Itokawa“ nach Jena gereist, wo sie nun analysiert werden.

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Die zwei winzigen Staubkörnchen, gerade einmal halb so dick wie ein menschliches Haar, sind weit gereist, bis sie auf dem Labortisch des Mineralogen angekommen sind – wobei die letzten wenigen tausend Kilometer von Japan nach Jena allerdings nur ein „Katzensprung“ waren. Denn die beiden Staubteilchen stammen vom Asteroiden „25143 Itokawa“. Bis November 2005 lagen sie noch auf der Oberfläche des Himmelskörpers. Dann landete die japanische Raumsonde „Hayabusa“ auf dem Asteroiden – eine Premiere in der Geschichte der Raumfahrt –, nahm Bodenproben und brachte sie über eine Distanz von mehr als 40 Millionen Kilometern mit zur Erde.

Als einer von wenigen Forschern weltweit hat Prof. Langenhorst jetzt von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA zwei der kostbaren Bodenproben zur Verfügung gestellt bekommen, um sie untersuchen zu können. „Das ist eine große Ehre und zugleich eine Herausforderung“, freut sich der Inhaber des Lehrstuhls für Analytische Mineralogie der Mikro- und Nanostrukturen der Uni Jena.

Um die winzigen Partikel zu untersuchen, wird Falko Langenhorst aus diesen zunächst noch viel kleinere Stücke herausfräsen und diese mit einem Transmissionselektronenmikroskop untersuchen. „Wir wollen die chemische Zusammensetzung der Asteroidenminerale ermitteln und somit auch Rückschlüsse auf die Urprozesse unseres Sonnensystems ziehen“, erläutert der Forscher. Denn Asteroiden, wie Itokawa, geben den Wissenschaftlern Einblicke in die Kinderstube des Sonnensystems.

Im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, wo auch Itokawa seine Bahnen zieht, ist die Zeit seit der Entstehung der Erde und der übrigen Planeten praktisch stehen geblieben. „Wie das übrige Sonnensystem hat sich der Asteroidengürtel vor etwa 4,5 Milliarden Jahren aus dem Sonnennebel gebildet“, sagt Prof. Langenhorst. Der Einfluss des Gasriesen Jupiter verhinderte wahrscheinlich, dass sich die dort kondensierte Materie zu einem eigenen Planeten zusammenballen konnte. „Bei den Asteroiden handelt es sich daher großenteils noch um die unveränderte Urmaterie unseres Sonnensystems.“

Und die erweckt den Anschein einer riesigen Geröllhalde: Mindestens eine halbe Million Gesteinsbrocken von wenigen Metern Größe bis zu einigen Hundert Kilometern im Durchmesser umrunden im Asteroidengürtel die Sonne. Da die allermeisten Brocken zu klein sind, reicht ihre Schwerkraft nicht aus, um den Himmelskörpern durch Rotation eine Kugelform zu geben, wie das bei den größeren Planeten der Fall ist. Asteroiden haben deshalb Ecken und Kanten, tragen Dellen und Beulen und sind zudem übersät mit Kratern. Das gilt auch für den rund 630 Meter langen und 250 Meter breiten „25143 Itokawa“, der ein wenig an eine Kartoffel erinnert.

Die Staubteilchen, die Prof. Langenhorst mit seinem Team nun im Jenaer Labor genauestens unter die Lupe nehmen werden, stammen aus der Region „Muses Sea“ in der Nähe des Südpols von Itokawa. In diesem vergleichsweise wenig zerklüfteten Gelände war Hayabusa vor fast sieben Jahren gelandet und hat die Proben entnommen. Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen rechnen die Forscher der Universität Jena im Laufe des kommenden Jahres.

Kontakt:
Prof. Dr. Falko Langenhorst
Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948730
E-Mail: Falko.Langenhorst[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften