Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotentraining für die Tiefsee

15.08.2012
MARUM-Wissenschaftler enwickelt Tiefsee-Tauchsimulator

Vom Festland direkt in die Tiefsee abtauchen, das ist nun möglich am MARUM, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen. Hierfür entwickelte Dr. Volker Ratmeyer eine Computer-Simulation, um unter realistischen Bedingungen Einsätze mit dem Tauchroboter MARUM-QUEST zu trainieren und zu optimieren.


Training am Tiefsee-Tauchsimulator QUESTSim
Foto: Rosalynn Sylvan


Der Simulationscontainer auf dem MARUM-Gelände in Bremen. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen

Es ist dunkel im Kontrollcontainer des Tauchroboters, nur die Monitore, auf denen Bilder aus der Tiefsee vorbeiflimmern, werfen ein diffuses Licht auf die konzentrierten Gesichter der beiden Piloten. Auf der großen Leinwand ragt der Greifarm des Tauchroboters seitlich ins Bild. Mit ihm versuchen die Piloten, in mehreren tausend Metern Wassertiefe ein Messgerät zu bergen. Was wie ein realer Einsatz des Tauchroboters MARUM-QUEST wirkt, spielt sich in Wirklichkeit in einem Container auf dem Gelände des Bremer MARUM ab.

„Eigentlich fehlt nur die Geräuschkulisse und das Schaukeln des Forschungsschiffs zu einem echten Einsatz auf hoher See“, sagt Dr. Volker Ratmeyer, Projektleiter im Bereich Tauchroboter am MARUM. Er entwickelte die Tauchroboter-Simulation QUESTSim, mit der er und seine Kollegen auch auf dem Trockenen den Einsatz in der Tiefsee trainieren können.

Das Projekt entstand als Entwicklungsprojekt im Rahmen einer privaten Initiative innerhalb von dreieinhalb Jahren und basiert auf den Erfahrungen mit dem realen, am MARUM stationierten Tauchroboter MARUM- QUEST. Mit diesem sogenannten ROV (kurz für Remotely Operated Vehicle) können Forscher den Meeresboden in bis zu 4000 Metern Wassertiefe erkunden, Messungen vornehmen, gezielt Proben einsammeln oder Videos und Fotos in der Tiefe aufnehmen. Sie steuern das ROV über Kabel vom Kontrollstand aus, der in einem Standardcontainer an Deck des Forschungsschiffes untergebracht ist.

Dieser Kontrollcontainer wurde nun im Detail für die Computer-Simulation nachgebaut, damit Piloten, Techniker und Wissenschaftler unter weitgehend realistischen Bedingungen trainieren können. Das so ermöglichte Training umfasst die Steuerung des ROV, seiner Greifarme, die aufeinander abgestimmte ROV-Schiff-Navigation sowie den Einsatz verschiedener Werkzeuge. Es dient sowohl als Vorbereitung auf kommende Einsätze als auch zum Test von neuen Geräten und Methoden. „Die Trainees erhalten ein Gefühl für das komplexe System und eine bessere Vorstellung davon, wie lange bestimmte Arbeiten dauern.

Während bisher nur echte Expeditionen die Möglichkeit dazu boten, lassen sich mit der Simulation nun Kommunikation und komplexe Arbeitsabläufe im Vorlauf testen und optimieren, was die Effizienz und Sicherheit bei den realen Einsätzen steigert.“, erklärt Ratmeyer. Damit verfolgt er einen innovativen Ansatz in der Meeresforschung, wo derartige auch "serious games" genannte Simulationen – anders als in der Industrie – bislang nicht eingesetzt wurden.

Die Expeditionen und Unterwasser-Arbeiten in der Meeresforschung werden immer komplexer. So steigen auch die Anforderungen an die ROV-Piloten kontinuierlich, so dass die Simulation beständig weiter entwickelt und zukünftig um "Missionen" wie zur Bergung von Geräten oder zur Bedienung von Tiefsee-Observatorien erweitert werden kann. „Der einzigartige und innovative Tiefsee-Tauchsimulator ist ein wichtiges Instrument, um unsere Piloten noch besser auf die Einsätze vorzubereiten. Dadurch wird Schiffszeit gespart und die Beprobungen am Meeresboden können schneller und genauer durchgeführt werden. Auch ich bereite mich gerade am Tiefsee-Tauchsimulator auf die nächste Reise mit dem ROV QUEST vor“, erläutert Gerold Wefer, Direktor des MARUM.

Ein erstes Training mit mehr als 30 internationalen Nachwuchswissenschaftlern im Rahmen eines internationalen Fach-Workshops im Juni war ein voller Erfolg. Wer auch als Laie einmal seine Fertigkeiten als ROV-Pilot unter Beweis stellen möchte, kann dies noch bis November in der Tiefsee-Ausstellung in Rosenheim. Für Ausstellungen wie diese entwickelte Ratmeyer eine vereinfachte Version der Simulation, die ab Frühjahr nächsten Jahres auch in der Meeresforschungsausstellung im Deutschen Museum in München zu erleben sein wird.

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:

Jana Stone
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65541
Email: jstone@marum.de
MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde – insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.
Das MARUM umfasst das DFG-Forschungszentrum und
den Exzellenzcluster "Der Ozean im System Erde".

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie