Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozeanforscher am Kaspischen Meer

26.11.2012
Wissenschaftler des GEOMAR untersuchen Schlammvulkane in Aserbaidschan
Sie sind eine Quelle von Treibhausgasen, sie können eine Naturgefahr darstellen oder auch Anzeiger für potenzielle Rohstoffvorkommen sein – Schlammvulkane sind aus vielerlei Gründen wissenschaftlich interessant. Sie kommen in den Ozeanen, aber auch rund ums Kaspische Meer vor. Eine Gruppe von Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel war deshalb Mitte November in Aserbaidschan.

Zugegeben – ein Ozean ist das Kaspische Meer nicht. Aber immerhin ist es der größte See der Erde. Und er weist viele Gemeinsamkeiten mit den Weltmeeren auf. Dazu gehören unter anderem spezielle geologische Formationen, an denen mit Gas und Wasser gesättigte Schlämme aus dem Untergrund austreten. Dabei bilden sich Schlammkegel, die stark an Vulkane erinnern. Deshalb heißen diese Formationen Schlammvulkane. Sie kommen am Grund des Atlantiks, des Indischen Ozeans und auch des Mittelmeers vor – oder aber in den Küstenbereichen des Kaspischen Meeres. „Zahlreiche Schlammvulkane liegen dort sogar an Land und sind deshalb viel leichter zu untersuchen als diejenigen unter Wasser”, erklärt der Geochemiker Dr. Mark Schmidt vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Zusammen mit zwei Kollegen war er deshalb vor einer Woche in Aserbaidschan, um Proben von einem Schlammvulkan in der Nähe der Hauptstadt Baku zu nehmen.

„Schlammvulkane sind für uns deshalb so interessant, weil sie in Zentralasien als eine der Hauptquellen für das in der Atmosphäre vorkommende Methan gelten”, erklärt Schmidt. Die Ausgasungen von Schlammvulkanen können zu über 90 Prozent aus Methan bestehen. Damit spielen sie eine relevante Rolle für das Klima. Methan ist ein etwa 20-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Da Methan leicht entzündlich ist, stellen die Schlammvulkane auch eine mögliche Naturgefahr dar. Der Schlammvulkan, den die Kieler Wissenschaftler jetzt beprobten, war erst im September während einer besonders aktiven Phase explodiert und brannte daraufhin lichterloh.

Gleichzeitig können Schlammvulkane aber auch Anzeiger für Rohstoffquellen sein. Neben dem Methan, das chemisch nichts anderes ist als Erdgas, können aus Schlammvulkanen auch Bitumen (Erdpech) und Öl austreten. „Aserbaidschan hat als einer der ersten Länder weltweit seine Ölförderung rund um aktive Schlammvulkane herum aufgebaut“, sagt Dr. Schmidt. Doch für einen sicheren Abbau ist ein gutes Verständnis der geologischen, chemischen und physikalischen Prozesse in einem Schlammvulkan wichtig.

Die GEOMAR-Wissenschaftler interessieren sich schon seit Längerem für die Prozesse in Schlammvulkanen. In einem groß angelegten Projekt von 2007-2011 haben sie Schlammvulkane im westlichen Nildelta untersucht. In Aserbaidschan bietet sich Ihnen nun die gute Gelegenheit, die Kohlenwasserstoff-Austritte an Schlammvulkanen sowohl an Land als auch in den flachen Bereichen des Kaspischen Meeres vergleichend zu erforschen.

Dazu unterzeichnete Prof. Ibrahim Guliyev, Direktor des Geologischen Instituts von Aserbaidschan (GIA), vergangene Woche ein Kooperationsvereinbarung mit dem GEOMAR. Für 2013 sind erste gemeinsame Kampagnen für Probennahmen im Kaspischen Meer geplant. „Wir freuen uns, auf diese Weise Zugang zu diesem wissenschaftlich hoch interessanten Binnen-Meer zu erhalten, das uns auch viele Vergleichsmöglichkeiten zu Prozessen in den Ozeanen bietet“, sagt der Ozeanforscher Dr. Schmidt.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/
http://www.youtube.com/watch?v=M7-Oug59XPI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Einblicke unter die Oberfläche des Mars
21.07.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Tauender Permafrost setzt altes Treibhausgas frei
19.07.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten