Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Offshore-Windparks ohne relevante Auswirkungen auf den Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee

12.10.2009
QuantAS-Konsortium stellt zum Abschluss der Projektarbeiten seine Forschungsergebnisse vor.

Werden alle offshore-Windkraftanlagen gebaut, die zurzeit in der westlichen Ostsee geplant oder beantragt sind, so ist der Effekt auf den Salzgehalt des Tiefenwassers der Ostsee vernachlässigbar klein. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler eines internationalen Konsortiums unter der Leitung des IOW nach einer vierjährigen Projektphase.

Im Rahmen von zwei aufeinander abgestimmten Forschungsprojekten (QuantAS-Off finanziert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und QuantAS-Nat finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) untersuchten sie im Strömungskanal, mit Hilfe von intensiven Messkampagnen und unter Einsatz von Computermodellen, welchen Einfluss die Bebauungsdichte und die Position der Windparks auf die Strömungsverhältnisse und die Wasservermischung im Übergangsgebiet zwischen Nordsee und Ostsee hat.

Vor allem den bodennahen Transportwegen salzigen und sauerstoffhaltigen Nordseewassers in der westlichen Ostsee (Arkonasee) galten die Untersuchungen. Der Nachschub an Nordseewasser ist für das Bodenwasser der tiefen Becken der zentralen Ostsee die einzige Sauerstoff-Quelle. Behinderungen dieses Versorgungsweges sollten frühzeitig entdeckt und gegebenenfalls nach alternativen Positionen gesucht werden.

Wenn in dieser Woche, am 14. und 15. Oktober, alle Projektbeteiligten zum Abschluss-Workshop in Warnemünde zusammen kommen und ihre Ergebnisse vorstellen, so wird klar sein, dass die durch Windparks verursachte Vermischung von leichtem, oberflächennahem Brackwasser und sauerstoff- und salzhaltigem Bodenwasser zu einer nur geringen Veränderung der Salinität des Bodenwassers führt, zu gering, um Auswirkungen auf den Transport des Salzwassers zu haben.

In Computersimulationen führte die Vermischung im Extremfall zu einer Salzgehaltsänderung von etwa 0.3 g/kg. Vor dem Hintergrund einer natürlichen Salinitätsschwankung von typischerweise rund 10 g/kg kann ein solcher Einfluss folglich vernachlässigt werden.

Für Prof. Dr. Hans Burchard, Koordinator beider Projekte, ist diese Erkenntnis nur eines von vielen Ergebnissen: "Unsere Vorstellungen von den Ausbreitungswegen der für die Ostsee so wichtigen Salzwasserströme hat sich im Rahmen von QuantAS deutlich verändert." Ein Beispiel ist die Entdeckung bislang unbekannter Einstromwege nördlich der Untiefe Kriegers Flak. Und sein Kollege Dr. Lars Umlauf, in QuantAS-Nat verantwortlich für die intensiven Messkampagnen, betont die globale Relevanz der Ergebnisse: "So genannte bodennahe Dichteströme treten überall in den Ozeanen auf. Sie spielen eine Schlüsselrolle für das weltumspannende System der Meeresströmungen - und damit für das Klima.

Hier bei uns in der Ostsee lassen sie sich wie in einem natürlichen Labor so intensiv untersuchen wie nirgends sonst." Die Analyse dieser Daten hat unter anderem deutlich gemacht, dass der Effekt der Erdrotation auf die Vermischung in solchen Strömungen eine wichtige Rolle spielt und nicht, wie bisher üblich, vernachlässigt werden kann. Diese Erkenntnisse stellen einen wichtigen Fortschritt bei der Beschreibung von Vermischungsprozessen in globalen Ozean-Klimamodellen dar. Umlauf veröffentlichte sie kürzlich zusammen mit seinem Kollegen Dr. Lars Arneborg aus Göteborg in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Physical Oceanography (J. Phys. Oceanogr., 39, 2385-2416, 2009).

Kontakt:
Prof. Dr. Hans Burchard, IOW, Physikalische Ozeanographie und Messtechnik, Tel.: 0381 5197 140, email: hans.burchard@io-warnemuende.de

Dr. Lars Umlauf, IOW, Physikalische Ozeanographie und Messtechnik, Tel.: 0381 5197 223,email: lars.umlauf@io-warnemuende.de

Zum QuantAS-Konsortium gehören:
oLeibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Prof. Dr. Hans Burchard, Dr. Lars Umlauf
oUniversität Hannover, Prof. Dr. Mark Markofsky
oUniversität Rostock, Prof. Dr. Alfred LederDanish Hydraulic Institute, Dänemark, Dr. Ole Petersen
oBolding & Burchard ApS, Dänemark, Dr. Karsten Bolding
oUniversität Göteborg, Schweden, Prof. Dr. Anders Stigebrandt, Dr. Lars Arneborg
oInstitute of Oceanology, Polish Academy of Sciences, Polen, Prof. Dr. Jan Piechura
oWehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung, Forschungsbereich für Wasserschall und Geophysik, Kiel, Dr. Jürgen Sellschopp, Dr. Heinz-Volker Fiekas
oBundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg, Dr. Frank Janssen
oDanish Marine Safety Administration, Dänemark, Dr. Johan Mattsson
oISW Wassermesstechnik, Fünfseen, Dr. Hartmut Prandke

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www2008.io-warnemuende.de/quantas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik