Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nordostdeutschland vor dem Trockentod bewahren

21.03.2011
22. März - UN-Tag des Wassers - In Brandenburg sinkt der Grundwasserspiegel kontinuierlich. Forscher warnen vor massivem Trockenheitsproblemen in der Zukunft. Bisher wurde gereinigtes Abwasser über Oberflächengewässer abgeleitet.

Im NeFo-Interview erzählt Dr. Dagmar Balla (ZALF-Müncheberg), wie wir zukünftig das Wasser im Boden halten und unser Brauchwasser sinnvoller nutzen können.

Berlin und sein Umland werden als die Sandbüchse Deutschlands bezeichnet. Schon heute ist hier die Niederschlagsmenge im Jahresdurchschnitt um ein Drittel geringer als im Bundesdurchschnitt. Das Land hat viele Seen und Flüsse mit zum Teil bester Trinkwasserqualität. Noch. Denn der Grundwasserspiegel sinkt hier seit Jahrzehnten massiv, um ca. zwei Meter in den letzten 30 Jahren.

Entwässerung und Umwandlung von Feuchtgebieten zu Ackerflächen, Braunkohleabbau und Nutzung als Kühlwasser für Kraftwerke sind vor allem die Ursachen dafür. 95 Prozent der Feuchtgebiete wurden trocken gelegt. Der Grundwasserspiegel sollte sinken. Doch damit sinken auch die Wasserspiegel der Oberflächengewässer und trocknen sogar aus. In den vergangenen hundert Jahren sind in Ostdeutschland über 130 Seen verschwunden.

Doch jetzt kommt dazu noch der Klimawandel. Seit 1900 sind die Temperaturen in Ostdeutschland um durchschnittlich 1,5°C angestiegen. Und laut den Modellberechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK werden sie dies auch weiterhin tun. Das Institut bietet auf seiner Internetseite für über 4000 deutsche Schutzgebiete Diagramme zur Temperaturentwicklung und Niederschlagsmengen in zwei Zukunftsszenarien bis 2055.

Für den Nordosten ergibt sich dabei insgesamt nicht unbedingt weniger Regen, doch die Verteilung der Niederschläge wird sich stark ändern: Viel weniger Niederschlag im Sommer, wenn Pflanzen das Wasser dringend benötigen, dafür mehr Regen und Schnee im Winter, wenn sowohl Natur als auch Ackerbau schlafen. Im Rekordhitzesommer 2003 bestand die Spree in Berlin nur noch aus geklärten Abwässern und floss rückwärts, da zu wenig Wasser aus dem Oberlauf nach kam.

Gleichzeitig sorgt die vorherrschende Vegetation, die Kiefernwälder, für verstärkte Verdunstung im Gegensatz zu diverseren Mischwäldern. Es wird mehr Wasser abgegeben als nachkommt. Das Grundwasser sinkt weiter. Ein Teufelskreis. Bereits heute zeigen viele Wälder in Ostdeutschland Symptome von Trockenstress.

Wenn es dann regnet, wird das Wasser häufig in Form von Extremereignissen wie Sturzfluten und Schneemassen niedergehen. Der Boden ist nicht in der Lage, dies aufzunehmen und zu speichern. Es fließt ab und geht verloren.

Das hat Folgen für die Natur, die Landwirtschaft und auch das Wohlbefinden. Denn obwohl durch umfangreiche Maßnahmen zur Abwasserreinigung die chemische Qualität der Binnengewässer in Deutschland inzwischen besser geworden ist, könnte der Klimawandel dies wieder zunichte machen. Der Müggelsee, Berlins zweitgrößter Badesee, hat sich in den letzten 20 Jahren um zwei Grad erwärmt.

Gleichzeitig kommen unter anderem durch intensivierte Landwirtschaft für Bioenergieerzeugung mehr Nährstoffe ins Wasser. Die Folge: Lang anhaltende Warmphasen führen zu einer Massenvermehrung von giftigen Cyanobakterien und anderen Algen, die so viel Sauerstoff verbrauchen, dass der See kippt.

„Wir dürfen Wasser nicht mehr als selbstverständlich vorhandenes Gut betrachten" sagt Dr.-agr. Dagmar Balla vom Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. Im Brandenburgischen Müncheberg. „Wir haben eigentlich genug Wasser um Berlin und das Umfeld auch unter zukünftigen klimatischen Bedingungen mit Wasser zu versorgen. Doch es wird weniger und müssen wir es effizienter nutzen."

Im Rahmen des neuen Verbundprojektes „ELaN - Entwicklung eines integrierten Landmanagements durch nachhaltige Wasser- und Stoffnutzung in Nordostdeutschland" will Balla herausfinden, inwieweit gereinigtes Abwasser einerseits zur Stabilisierung des regionalen Wasserhaushalts, andererseits zur Erhaltung wertvoller Feuchtgebiete genutzt werden könnte. Welche Konzepte hier viel versprechend sind und wo die Probleme liegen, zeigt Dagmar Balla im NeFo-Experteninterview auf.

Ansprechpartner:
Sebastian Tilch
NeFo-Pressereferent
Telefon: 0341-235-1062
E-Mail: sebastian.tilch@ufz.de
Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NEFO) ist eine Kommunikationsplattform für Wissenschaftler und Anwender von Wissen zur biologischen Vielfalt. Ein wichtiges Ziel ist es, die Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zur Biodiversität befasst, stärker ins öffentliche Licht zu stellen. Hierzu stehen direkte Ansprechpartner für Fragen aus Medien, Politik und Öffentlichkeit bereit, arbeiten aktuelle Themen auf und vermitteln Experten.

Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin, Universität Potsdam und Helmholz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ.

Sebastian Tilch | NeFo-Pressereferat
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen