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Neuer Geobaustoff - made in MV

18.03.2011
Friedländer Blauton vor ganz neuen Einsatzmöglichkeiten

Die Rügener Kreidefelsen sind ein Synonym für den Kampf gegen Naturgewalten wie Wind, Wasser und Erosion. Ähnliche Probleme treten auch bei Deichanlagen, Hängen, Küstenschutzanlagen sowie bei Undichtigkeiten in erdverlegten Rohrleitungssystemen und Brunnenbohrungen auf.


Der „Blauton“ von Friedland soll veredelt werden. Dazu wurde eine Kooperation zwischen der MRG Mineralische Rohstoffmanagement GmbH und Geologen der Greifswalder Universität vereinbart. Foto: MRG GmbH

Wissenschaftler der Universität Greifswald und das Produktentwicklungsteam der MRG Mineralische Rohstoffmanagement GmbH in Friedland arbeiten an effektiven bau- und geotechnischen Lösungen zur Stabilisierung bei derartigen unsicheren Bau- und Geländeregionen.

Heute hat Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph die MRG Mineralische Rohstoffmanagement GmbH, Blautonwerk Friedland, in Friedland besucht und sich vor Ort mit einem neuen innovativen Verbundforschungsvorhaben - also Kooperationen von Hochschulen und heimischen Unternehmen - vertraut gemacht.

„Mit dem Greifswalder Institut für Geographie und Geologie hat das Unternehmen einen passenden Forschungspartner für die Entwicklung eines geopolymeren Bindersystems aus Friedländer Ton gefunden. Der neue geotechnische Baustoff soll vor allem zur sicheren Abdichtung von Untergrundspeichern, geothermischen Anlagen und unterirdischen Bauwerken genutzt werden“, sagte Rudolph. „Das ist ein spannendes Verbundprojekt, weil es auf hiesiges Know-how, eigene Rohstoffe und auf die sich abzeichnende wachsende Nachfrage setzt.“

In dem gemeinsamen Projekt soll ein neuartiger geotechnischer Baustoff aus dem seit 200 Jahren traditionell verwendeten Friedländer Eozänton (Blauton) entwickelt werden. Als moderner Bau- und Werkstoff wird seit kurzem weltweit intensiv an Geopolymerprodukten geforscht, die vielfältig eingesetzt werden können und hervorragende Materialeigenschaften besitzen. Geopolymere sind anorganische Geobaustoffe, die natürlichen Gesteinsmaterialien ähneln. Wie natürliche Gesteinsmaterialien weisen Geopolymere eine außerordentliche Beständigkeit, hohe Härten sowie viele weitere positive physikalische Eigenschaften auf. Die aus verschiedenen Komponenten bestehende mineralische Dichtmasse ist unter anderem für verschiedene geotechnische Anwendungen wie zur Abdichtung von Hohlräumen und Gesteinsbrüchen geeignet (s. Anlage).

Die Arbeitsgruppe „Ökonomische Geologie“ am Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald unter Leitung des Geologen Prof. Laurence N. Warr befasst sich im Verbundvorhaben mit der Bestimmung und der Optimierung der Geopolymerisationsbedingungen der verwendeten mineralischen Hauptkomponenten und zugesetzten Stoffe. Die Greifswalder Geologen mit dem Forschungsschwerpunkt Tonmineralogie (natürliche Nanominerale) untersuchen mit Hilfe von Röntgenbeugung und Elektronenmikroskopie, wie aus dem Friedländer Ton Geopolymere, ein neuartiger CO2 freier Zement gebildet wird. Dabei stehen folgende wissenschaftliche Fragen im Vordergrund: Wie können die Kristalle des Friedland Ton amorph (glas-ähnlich) gemacht werden und was sind die besten Rezepte für eine möglichst effiziente Geopolymerbildung?

Im Ergebnis streben die Verbundpartner an, erstmals einen von der Preisstruktur konkurrenzfähigen Prototyp auf dem Markt zu bringen, der zugleich die vorhandenen Ressourcen umweltschonend nutzt. Bisherige Geopolymere konnten aufgrund hoher Produktionskosten bisher nur differenziert in High-Tech-Bereichen Einsatz finden. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben mit rund 600.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF), das Projektvolumen beträgt 720.000 Euro.

Die Mineralische Rohstoffmanagement GmbH produziert im eigenen Tagebau und mit der Weiterverarbeitung im Blautonwerk Produktmengen von 10.000 bis 15.000 Tonnen pro Jahr. „Unser Interesse liegt nicht im Verkauf von Rohton, sondern ganz klar in einer Höherveredelung der Rohstoffe durch Verarbeitungsprozesse zwecks besserer Wertschöpfung“, betonte der Geschäftsführer der MRG Mineralische Rohstoffmanagement GmbH, Dr. Ulrich König. Weitere Komponenten des neuen Geobaustoffes neben Metaton aus Friedländer Blauton sind Flugaschen. Diese kommen aus Kraftwerken. Mit der Entwicklung eines Produktprototyps ist eine technische Anlagenentwicklung verbunden.

Die 1995 gegründete MRG Mineralische Rohstoffmanagement GmbH (http://www.mrg-blautonwerk.de) übernahm im Jahre 2003 Teile der Blauton-Werk Friedland GmbH. Im Blautonwerk Friedland werden aus einheimischen Tonmineralien verschiedene Baustoffe und Granulate für unterschiedliche Zwecke hergestellt. Dazu gehören spezielle Produkte zur Abdichtung von Deponien, Tagebauen und Gewässern, zur Altlastensicherung und Schadstoffimmobilisierung, aber auch Zusatzstoffe für die Metallurgie sowie Bindemittel und Granulate für verschiedene Anwendungen (Katzenstreu, Pflanzgranulat).

Für die EU-Förderperiode von 2007 bis 2013 stehen rund 155 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für Forschung, Ent-wicklung und Innovation zur Verfügung. Von 2007 bis 2010 wurden insgesamt 91,2 Millionen Euro für 516 Forschungsprojekte (Gesamtzahl: Verbundvorhaben und einzelbetriebliche Vorhaben im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation) und 11 Netzwerkvorhaben bewilligt.

Universität Greifswald
Institut für Geographie und Geologie
Ökonomische Geologie und Geochemie
Kontakt Prof. Laurence N. Warr
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 17 a, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-45 78
E warr@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

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