Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Muscheln als Klima-Lexikon

09.03.2010
Sauerstoff-Isotope geben Aufschluss über Änderungen

Sauerstoff-Isotope in Muscheln könnten nach Ansicht von Forschern das detaillierteste Bild über den Klimawandel zeichnen. Zu diesem Schluss kommt ein Paläontologen-Team der University of Sasketchwan in Saskatoon nach der Untersuchung von Muscheln, die in Island im Sediment gefunden wurden. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences berichten die Forscher über ihre Erkenntnisse.

Die meisten Untersuchungen von Paläo-Klima geben nur Auskunft über Durchschnittstemperaturen, so Studien-Leitautor William Patterson. Mollusken, das sind Weichtiere zu denen Muscheln und Schnecken gehören, wachsen jedoch kontinuierlich und die Werte von verschiedenen Sauerstoff-Isotopen in ihrem Gehäuse variieren mit der Temperatur des Wassers, in dem sie leben. Je kälter das Wasser ist, desto höher ist der Anteil des schweren Sauerstoff-Isotops-18.

Muscheln liefern mehrjährige Klimaaufzeichnungen

Für die Studie haben die Forscher 26 Muscheln aus dem Sediment einer Bucht in Island untersucht. Da solche Muscheln normalerweise zwischen zwei und neun Jahre alt werden, geben die Isotopen-Verhältnisse jeder einzelnen Muschel ein dementsprechendes Klimabild ab. Das weist auf die Umweltbedingungen hin, die während ihrer Lebenszeit vorherrschend waren.

Mit Hilfe eines Roboters haben die Forscher die Muscheln Schicht für Schicht nach ihren Wachstumsbändern abgetragen. Mit dem Massenspektrometer konnten dann die Isotopen-Verhältnisse jeder einzelnen Schicht gemessen werden. Daraus konnten die Wissenschaftler die Umwelt-Bedingungen ableiten, die während der Bildung jeder Schicht herrschten. "Wir bekommen Daten über das Paläo-Wetter. Bei größeren Muscheln ist es sogar möglich, das tägliche Wetter zu rekonstruieren", so Patterson.

Klimahinweise in isländischen Sagas bestätigt

Was die Forscher besonders interessierte, war die Frage, ob die Wetter- und Klimahinweise in den historischen isländischen Sagas mit Hilfe der Muscheln verifizierbar sind. Tatsächlich ist es den Wissenschaftler gelungen, diese Hinweise zu bestätigen. So konnte etwa eine Hungersnot im "Book Of Settlements" aus dem Mittelalter anhand der Muschelfunde bestätigt werden. Damals herrschten mittlere Sommertemperaturen von nur fünf bis sechs Grad. 100 Jahre zuvor lagen diese bei 7,5 bis 9,5 Grad.

Dass Gehäuse von Muscheln und Schnecken Hinweis auf Lebensbedingungen geben, bestätigt auch Anita Eschner, Kuratorin für die Mollusken-Sammlung im Wiener Naturhistorischen Museum http://www.nhm-wien.ac.at im pressetext-Interview. Das gelte auch für heimische Landschnecken wie etwa Weinbergschnecken.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.usask.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise